AmsterdamWenn Leute erfahren, dass ich Niederländisch studiert habe, unterstellen manche mir halb im Scherz, halb ernst gemeint, dass ich es mir ja nur leicht hätte machen wollen. Als Deutscher kann man diesen Heiße-Kartoffel-im-Mund-Dialekt ja quasi im Handumdrehen lernen, erzählen mir immer wieder Deutsche ohne Niederländischkenntnisse.

In Wirklichkeit ist es viel komplexer: Während die durchschnittliche Deutsche, nennen wir sie hier mal Doris, bloß sehr zögerlich ihr eingerostetes Schulenglisch anwendet, schießen die Adern von Henk, ihrem holländischen Pendant, voll mit Dopaminen, sobald sich die Gelegenheit bietet, seine Englischkenntnisse vorzuführen. Niederländisch spricht Henk hingegen höchst ungern, erst recht nicht mit einer Sprachschülerin wie der durchschnittlichen deutschen Doris. Bei Doris kann er sich lieber mal beschweren, dass ihre Landsleute alle Serien und Filme synchronisieren. Deswegen ist ihr Englisch so schlecht, und wäre ihr Englisch nicht so schlecht, müsste sie kein Niederländisch lernen, denn es ist ja „obvious“, was für ein mondäner und erfolgreicher Typ „You can call me Hank“ ist.

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