Kim Jong-un kann sich freuen: Seth Rogens Hollywood-Komödie „The Interview“, über die sich der nordkoreanische Diktator in den letzten Tagen immer wieder empörte, kommt vorerst nicht in die Kinos. In dem Film, der am 25. Dezember in den USA anlaufen sollte, werden ein TV-Talkmaster und sein Redakteur von Kim zum Interview nach Nordkorea eingeladen, wo sie auf Wunsch der CIA versuchen, den Diktator umzubringen – was natürlich fehlschlägt; sonst wäre es ja keine Komödie, sondern ein James-Bond-Film.

Kim ließ mit Vergeltung drohen; ein Hacker-Angriff auf die Produktionsfirma Sony Pictures, bei der Tausende von vertraulichen Dokumenten an die Öffentlichkeit kamen, lässt sich angeblich nach Pjöngjang zurückverfolgen; und für den Fall, dass der Film dennoch, wie geplant, am Weihnachtsfest gestartet wäre, wurde im Netz bereits über mögliche Bombenanschläge spekuliert. Aufgeschreckt davon wollten große Kinoketten in den USA und Kanada den Film nicht mehr zeigen, daraufhin sagte Sony die Premiere ab.

Und damit nicht genug: Am Donnerstag knickte bereits das zweite Studio vor der realen oder vermeintlichen Bedrohung durch den Diktator ein: Die Produktionsfirma New Regency sagte die geplante Verfilmung der Graphic Novel „Pjöngjang“ von Guy Delisle ab; sie sollte im kommenden Jahr unter der Regie von Gore Verbinski und mit Steve Carrell in der Hauptrolle umgesetzt werden. Delisle schildert in dem Reportage-Comic (auf deutsch im Berliner Reprodukt Verlag) seine Erlebnisse als zeitweiliger Berater eines Zeichentrick-Studios in Pjöngjang und blickt mit den Augen des Expat auf den Alltag in dem abgeriegelten Land. In der Filmversion sollte seine Geschichte offenbar um eine Spionagehandlung bereichert werden; was die Vermutung nahelegt, dass New Regency gerade deswegen die Dreharbeiten nun schon in der Vorbereitungsphase einstellt.

Nun kann man sich einerseits sicher darüber streiten, ob eine derartige Angleichung an die Gepflogenheiten von Hollywood der Delisle’schen Geschichte und ihrem spezifischen, lakonischen Witz sonderlich gut getan hätte. Sowie andererseits darüber, ob der Komödiant und bekennende Kiffer Seth Rogen wirklich witzige Filme mit einem gewissen intellektuellen Tiefgang macht. Doch was soll’s: Über das eine oder andere mag man sich ärgern, einen Anlass für irgendeine Art von Vergeltung können nur sehr kleine Geister daraus ableiten.

Es ist daher albern und tragisch zugleich, dass die Kinoketten und Studios dem politischen Druck nachgeben. Aufgrund der nordkoreanischen Drohungen fürchten sie angeblich um die Sicherheit ihrer Besucher, aber ihr Kleinmut ist eine bittere Niederlage für die Freiheit der Kunst. So überreichen sie Nordkoreas Diktator einen Siegerpokal, den dieser wirklich nicht verdient. Vielleicht sollten die Kino- und Studiobetreiber ein bisschen mehr kiffen, um die Realität entspannter zu sehen. Seth Rogen hat sicher ein paar Tütchen für sie übrig.