Berlin - Es ist dreiviertel eins, und Brad Pitt und Leonardo DiCaprio sind immer noch nicht da. Quentin Tarantino fehlt auch noch hier unten im Keller des Sohohouse’ an der Torstraße in Mitte, genauso wie die Schauspielerin Margot Robbie. Wenigstens spielen sie den Soundtrack von „Once upon a time ... in Hollywood“, und wegen seines guten Geschmacks hinsichtlich der Musikauswahl für seine Filme ist der Regisseur Tarantino ja bekannt. Gerade läuft „Mrs. Robinson“.

Journalistenkolleginnen lassen sich beim Warten vor den Namensschildern der Stars fotografieren. Zeit vergeht. Jedes Zeichen deutet man als Hinweis darauf, dass es jetzt soweit ist: Dass die Türen geschlossen werden, die Kellner sich alle hinter einem Fenster versammeln, eine schwarz gekleidete Frau die rote Kordel vor dem Aufgang der Tribüne entfernt und jemand noch schnell einen weißen Klebestreifen auf das Treppchen an der Tribüne pappt.

Stolpern wäre ja blöd. Sie kommen dann aus der Tür, über der das Notausgang-Zeichen hängt. Erst hört man sie lachen, dann erscheinen sie wirklich, und die Autorin erfährt, dass man auch als Berichterstatterin empfänglich ist für Glamour.

Brad Pitt über Regisseur Quentin Tarantino: „Quentin ist ein Purist“ 

Applaus. Brad Pitt lüpft sein schwarzes Basecap. Sie sind nach Berlin gekommen, um Werbung für ihren Film zu machen, der am Donnerstagabend im Berliner Sony Center Premiere hat und am 15. August in die deutschen Kinos kommt. „Once upon a time ... in Hollywood“ spielt an ein paar Tagen im Jahr 1969, kurz bevor am 9. August die schwangere Sharon Tate von Charles-Manson-Anhängern ermordet wird. Die Hauptfiguren sind ein Schauspieler, mit dem es bergab geht (Leonardo DiCaprio) und sein Double (Brad Pitt), mit dem es schon bergab gegangen ist. Sie sind Kumpels, und der Film ist eine Hommage an die goldenen Zeiten von Hollywood.

„Quentin ist ein Purist“, erzählt Brad Pitt. Mit fast besessener Genauigkeit habe er etwa die vier Blocks des Hollywood Boulevards ausgestattet. Nicht nur mit Werbeplakaten aus der Zeit, sondern auch die Auslagen der Geschäfte, die man im Film kaum wahrnimmt. „Nächstes Jahr hätten wir diesen Film gar nicht mehr machen können“, sagt der wild gestikulierende Tarantino. Alles verändere sich ständig. „Es war, als würden wir auf einer Brücke drehen, die hinter uns abbrennt.“

Wie es nun, 50 Jahre später, mit dem Kino weitergeht, kommt kurz zur Sprache. „Interessant“, nennt Brad Pitt die Gegenwart des Filmgeschäfts. „Ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Aber das Gemeinschaftserlebnis im Kino gibt es immer weniger, das Streamen explodiert.“ 

Leonardo DiCaprio widerspricht ihm leidenschaftlich: „Ich denke nicht, dass dieses Gemeinschaftserlebnis jemals verschwindet“, sagte er. „Kino ist die großartigste Kunstform auf der ganzen Welt.“ Dann räumt er aber doch ein, dass es solche Filme wie diesen neusten Tarantino, der fast drei Stunden lang ist, wohl nicht mehr so häufig geben wird. Oder vielleicht nur aufgesplittet in kürzere Einheiten. Wie eine Serie eben.

Leonardo DiCaprio dreht gern seine Haare 

Margot Robbie, die im Film Sharon Tate verkörpert, die damalige Frau von Roman Polanski, erzählt, dass Sharon Tates Schwester ihr den Schmuck der Ermordeten geliehen hat. „Das war wie ein Talisman.“ Und Quentin Tarantino, der einst angekündigt hat, er werde nur noch zehn Filme drehen, von denen nun noch zwei übrig sind, sinniert laut, ob er als nächstes „Kill Bill 3“ oder „Star Trek“ machen werde. „Aber es könnte auch irgendwas ganz anderes sein.“

Die Tatsache, dass in „Once upon a time ... in Hollywood“ so zeittypisch viel geraucht wird, dass man es kaum mitansehen mag, bringt eine Kollegin zu der Frage, welche schlechten Angewohnheiten die Schauspieler und der Regisseur denn tatsächlich hätten. 

Kurze Pause auf dem Podium. „Meine Haare drehen“, sagte schließlich Leo, wie ihn alle hier nennen. „Sachen vor mir herschieben“, sagt Margot Robbie. Bei Brad Pitt ist es auch in Wirklichkeit das Rauchen. „Und ich bohre gern in der Nase“, sagt Quentin Tarantino.

„Und wahrscheinlich bin ich damit nicht allein, aber ich habe den Mut es zuzugeben.“ Gelächter. Dann sind 30 Minuten um, und alle verschwinden wieder im Notausgang. Nur Brad Pitt lässt noch geduldig Selfies mit sich machen.