Berlin - „Wann wollen Sie kommen?“, fragt Margot Friedländer am Telefon. Moment, sie müsse ihren Terminkalender holen. Es gibt darin viele freie Termine jetzt, da sie kaum noch Einladungen hat, die Schulen geschlossen sind und auch die anderen Institutionen, in denen sie vor Corona von ihrem Leben erzählt hat. Ob es sie bedrückt? „Natürlich“, sagt sie. „Wer weiß, wie viel Zeit mir bleibt.“ Margot Friedländer wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.

Eine kleine zierliche Frau mit unglaublich großen Augen öffnet die Wohnungstür. Sie trägt ein elegantes graues Wollkleid, Ballerinas. Wir setzen uns in die Sitzecke mit dem Sofa voller Stofftiere, der Tisch ist beladen mit Büchern, Zeitungen. „Für mich ist nichts – nicht das Bundesverdienstkreuz oder die anderen Ehrungen – wichtiger als die jungen Menschen“, sagt sie, noch bevor ich eine einzige Frage gestellt habe. Dann springt sie auf – ja, wirklich – und holt einen Ordner aus ihrem Schlafzimmer. Er ist prall gefüllt mit Briefen und Karten, die ihr Schüler oder Studenten geschrieben haben, nachdem sie bei ihnen gelesen, ihre Fragen beantwortet hat. „Ich bewundere Sie“, schreibt ein Mädchen. „Wir haben im Geschichtsunterricht über diese Zeit gelernt, aber als sie kamen, war es etwas ganz anderes. Ich habe es dann richtig verstanden.“

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