Nach Forderungen des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg (LSVD) ist der für den 10. Mai im Festsaal Kreuzberg geplante Auftritt des jamaikanischen Dancehall-Sängers Rodney Price alias Bounty Killer am Mittwochnachmittag abgesagt worden.

Aufruf zum Mord an Homosexuellen

In den zur Aufführung gebrachten Songs des Reggae-Dub-Künstlers reicht das thematische Repertoire von homophober Hetze bis zum eindeutigen Mordaufruf. So besingt Bounty Killer in „Man Ah Bad Man The Sequel (feat. T.O.K.)“ (My Crew, My Dawgs, 2001):

„We blaze it for yuh stinky chi chi man and parasite  Jamaica never mek fi dem and spoil we paradise...“ Diese Zeilen erhitzen die Gemüter, denn übersetzt man die Song-Reime sinngemäß, wird darin beleidigt, gepöbelt und gezündelt: „Wir entfachen ein Feuer für euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt.“

Kein Einzelfall, sagt der LSVD, denn auch in anderen menschenverachtenden und gewaltverherrlichenden Texten von Price („Another Level, 2000) rufe dieser immer wieder zum Mord an Homosexuellen auf.

Distanzierung und Entschuldigung gefordert

Schon 2008 und 2011 kam es zu etlichen Konzertabsagen von Bounty Killer, zeitweise wurde ihm sogar die Einreise nach Deutschland verwehrt. Nicht nur der Veranstalter wurde vom LSVD aufgefordert, das Konzert abzusagen, auch Rodney Price solle sich öffentlich von seinen Texten distanzieren und zudem entschuldigen. Seine Lyrics seien mit dafür verantwortlich, dass vermeintlich schwule Männer, Homosexuelle und Konzertbesucher immer wieder durch die Straßen gejagt und erschlagen werden.

Clubkommission ruft zur Einhaltung grundsätzlicher Werte auf

Lutz Leichsenring, Pressesprecher der Clubcommission, dem Berliner Netzwerk von Clubs und Veranstaltern, wies auf die Frage zur Positionierung des Verbandes, bei dem auch der Festsaal Kreuzberg Mitglied ist, darauf hin, dass man sich grundsätzlich nicht in das Programm der Club- und Veranstaltungsszene einmische. Hier würde man sonst die Grenzen künstlerischer Freiheit übertreten. Daran sei der Clubcommission prinzipiell nicht gelegen.

Allerdings sollte man Künstlern keine Plattformen bieten, welche den grundsätzlichen Wertekanon der Berliner Clubkultur in Frage stellen: „Diese sind in erster Linie Offenheit, Toleranz und Wertschätzung gegenüber allen Menschen, ungeachtet ihrer Weltanschauung, Religion, Kultur, ethnischen Herkunft oder sexuellen Orientierung.“

Um diese Grundsätze gibt es aktuell eine Diskussion - ausgelöst durch die Echo-Nominierung der beiden Gangsta-Rapper Farid Bang und Kollegah. In ihrem Song „0815“ etwa stellen sie einen direkten Zusammenhang mit den ausgemergelten Leibern von KZ-Häftlingen her. Angesichts der Tatsache, dass ein solches Album am Donnerstag in Berlin prämiert werden könnte, wird gerade heftig über den Verachtungsjargon in der Popmusik debattiert.

Festsaal Kreuzberg reagiert, Konzert abgesagt

In einem Telefonat mit der Berliner Zeitung gab der Geschäftsführer des Festsaals Kreuzberg Björn von Swieykowski am Mittwochvormittag an, dass man sich mit dem Thema Bounty Killer bereits intensiv beschäftige und dieses auch sehr ernst nehme. Laut von Swieykowski waren die Gespräche mit den Veranstaltern da bereits in Gange. Die Konzertabsage folgte nur wenige Stunden später. Sie wurde wie folgt begründet: