Die neue Ausstellung im DDR Museum. 
Foto: Andreas Klug/ camcop media

BerlinVon 2006 bis 2008 wurde der Palast der Republik abgerissen, rund 200 Tonnen Baumaterial mit Asbestanteil wurden damals unter anderem entsorgt. Ein kleines Stückchen des gesundheitsschädlichen Stoffes hat den Abriss allerdings überlebt – in einem versiegelten Glaskolben ist es jetzt sogar im Museum zu sehen: Das weiße Bröckchen ist Teil der neuen Schau „Das letzte Jahr der DDR“ im DDR-Museum in Mitte.

Die Ausstellung betrachtet den Zeitraum vom Mauerfall am 9. November 1989 bis zur Einheit am 3. Oktober 1990, das letzte Jahr der sich auflösenden Republik. Ein Jahr, in dem sich vieles veränderte. „Erstmals konnte man als DDR-Bürger nicht nur frei in den Westen reisen, sondern, wenn man wollte, auch gleich dort bleiben“, sagt Ausstellungsleiter Sören Marotz. „Gleichzeitig begann aber auch alles zur Disposition zu stehen: die Gesellschaftsordnung, später die Einbindung in den Ostblock und die Eigenstaatlichkeit.“

Viele spektakuläre Exponate

Zum Ende der DDR gehört auch der Abriss des Palasts der Republik, im Volksmund „Erichs Lampenladen“ genannt oder „Palazzo Prozzo“. Wegen der Asbestbelastung wurde das Bauwerk zurückgebaut – angeblich. „Viele vermuteten, durch die Schließung des Palastes solle die Erinnerung an die DDR getilgt werden.“ Das Stück Asbest, das es nun in die Ausstellung geschafft hat,  sei eine private Leihgabe. „Es befindet sich in einen Erlenmeyerkolben, den wir mit einem Glasstopfen sicher verschlossen haben“, sagt Marotz.

Die Besucher müssten also keine Angst haben – Asbest ist, wenn es freigesetzt wird,  krebserregend. Es ist nicht das einzige spektakuläre Exponat. In einer Vitrine liegt der beige Stoff-Hut des Schauspielers Wolfgang Stumph, den er im Film „Go Trabi Go“ trug. Keine Kopie, sondern das Original. „Er hat ihn uns extra für die Sonderausstellung geliehen“, sagt Marotz. „Mit den Dreharbeiten begann für ihn im Sommer 1990 eine gesamtdeutsche Karriere als Schauspieler.“

Ein ganz besonderer Walkman

Auch ein persönliches Stück des Ausstellungsleiters findet sich hier: einen Walkman, den sich Marotz von seinem Begrüßungsgeld kaufte. „Den benutze ich zwar heute nicht mehr, aber er funktioniert noch und hat mir mit seinem Radio, den Lautsprechern und der Aufnahmefunktion in den 90er-Jahren gute Dienste geleistet.“ Auch er selbst verbinde viel mit der damaligen Zeit.

„Für die meisten war es eine Wende in ihrem ganz persönlichen Leben!“, erzählt Marotz. „Da ich während der Lehrzeit zwischen 4 und 5 Uhr aufstehen musste, blieb für Demonstrationen keine Kraft mehr. So habe ich den Mauerfall verschlafen, war dafür aber früh beim Radio hören am nächsten Morgen hellwach!“

Ausstellung im DDR-Museum

Karl-Liebknecht-Straße 1, Eröffnung am Mittwoch, den 27. November 2019,  um 18 Uhr, Eintritt ist frei. www.ddr-museum.de