Hoppegarten - Sattelt die Pferde, auf nach Hoppegarten – unter diesem Motto laden seit Mittwoch die Macher von Deutschlands größtem innerstädtischem Musikfestival Lollapalooza ein. Am 9. und 10. September soll auf der Rennbahn,  rund zwei Kilometer östlich der Berliner Stadtgrenze,  groß gefeiert werden.  Damit ist die seit Monaten andauernde Rätselei über den diesjährigen  Standort endlich beendet.  

„Wir haben seit vorigem Herbst Gespräche mit Betreibern mehrerer Locations geführt, in Hoppegarten hat man uns unkompliziert und mit offenen Armen empfangen“, begründet Festivalsprecher Tommy Nick die Entscheidung. Dass der Standort für Lollapalooza Berlin, wie das Musikevent offiziell heißt,  diesmal in Brandenburg stattfindet, hält er für lässlich: „Die Rennbahn ist eine ganz besondere Location, sie hat  Charakter und Persönlichkeit und ist daher für uns sehr gut geeignet.“ Zudem sei sie sehr gut erreichbar.

Das populäre US-Festival Lollapalooza war im Jahr 1991 von Jane’s Additions-Sänger Perry Farell ins Leben gerufen worden. Bekannte Bands treten auf, es gibt Familien-Events, Akrobatik und Kunst. Neben seinem Stamm-Austragungsort in Chicago hat das Festival inzwischen Ableger  in Argentinien, Chile und Brasilien. Für Europa war Berlin im Jahr 2015 der Premierenort. Der Senat hatte mit den Veranstaltern einen Dreijahresvertrag geschlossen, man war stolz, Anziehungspunkt für die internationale Pop- und Rockmusikszene sowie für Hunderttausende zumeist jugendliche Besucher zu sein. 

Einmalig im Treptower Park

Doch der vertraglich  vereinbarte Veranstaltungsort, das Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof, war schon ein Jahr später obsolet, weil dort  Flüchtlinge  untergebracht wurden. Und weil  auf dem angrenzenden Tempelhofer Feld Aufbauten wie Bühnen laut Tempelhofgesetz verboten sind, suchte man für  2016 einen Ausweichort. So fand Lollapalooza im September vorigen Jahres – zum Ärger vieler Anwohner – im gerade sanierten Gartendenkmal Treptower Park statt. Eine für die Veranstalter teure Notlösung, mussten sie doch vielen Anwohnern für zwei Tage Hotelaufenthalte bezahlen und eine Summe von drei Millionen Euro für die Reparatur von Schäden  im Park hinterlegen.

„Es war von Anfang an klar, dass der Treptower Park eine einmalige Sache war“, sagt Tommy Nick. Für dieses Jahr waren mehrere Orte im Gespräch: die Trabrennbahn Karlshorst, die aber als zu klein befunden wurde. Der Spreepark im Plänterwald, der aber erst noch hergerichtet werden muss. Das Maifeld am Olympiastadion, das letztlich  verworfen wurde. Offenbar wurde in Hoppegarten schnellere Unterstützung gefunden. Dort verspricht man sich einen Imagegewinn, wie Rennbahn-Inhaber Gerhard Schöningh sagt: „Lollapalooza ist eine starke Marke im Entertainment-Bereich mit interessanten Zielgruppen. Wir erwarten eine Steigerung unserer Bekanntheit wie auch neue Besucher für unsere Rennbahn.“ Die Traditionsanlage, die seit 1868 existiert und  nach dem Mauerfall mehrfach um ihre Existenz bangen musste, sucht nach  zusätzlichen Events.  Neben den Pferderennen, für die am 2. April der diesjährige Saisonauftakt erfolgt, finden dort auch große Schlagerfeste, Mittelalterspektakel und  Poloturniere statt.

Foo Fighters, Beatsteaks und The xx

Und nun auch Lollapalooza. Festivalsprecher Nick  ist überzeugt, dass Ort und Event zusammenpassen. „Die Rennbahn ist 430 Hektar groß und liegt im Grünen. Es gibt dort nicht nur  Platz für Musikbühnen, sondern auch für unsere Familienevents und für Kunst und Akrobatik.“ Mit den Anwohnern seien Gespräche geplant. Die S-Bahn wolle die S 5 häufiger fahren lassen, vom Bahnhof Hoppegarten sei es nicht weit.  Vom U-Bahnhof Hönow (U 5) ist ein Busshuttle geplant.  Nick: „Man braucht nur  30 Minuten  aus der City mit den Öffentlichen.“

Auch erste Bands wurden bekannt gegeben. Als Headliner sind die Foo Fighters mit ihrem einzigen Deutschlandkonzert sowie die Briten Mumford&Son angekündigt. Die Berliner Beatsteaks, die vor zwei Jahren schon mal bei Lollapalooza auftraten, sind ebenso angekündigt wie die Indie-Pop-Musiker The xx aus England.  Auch Rapper Cro, Marteria, Annenmaykantereit und DJ Westbam wollen kommen. Die Tickets für beide Tage kosten 139 Euro, das für einen Tag  79 Euro.