Im Dresdner „Tatort“ war am Sonntagabend vieles neu. Wir sagen, ob das Konzept aufgegangen ist.

Der Fall

Eine Frau hat in einem düsteren Wald einen Autounfall, das Handy hat keinen Empfang. Sie läuft los, um Hilfe zu holen, und kommt an ein verlassenes, großes Haus. Sie geht herein und landet geradewegs in einem Alptraum: Ein Serienmörder hat in den Räumen sorgfältig präparierte Leichen in Alltagsszenen arrangiert. Was klingt wie der Beginn eines Horrorfilms ist der Start des neuen „Tatort“ aus Dresden.

Die herbeigerufene Polizei kann den Mann nicht fassen, bei seiner Flucht verletzt er Karin Gorniak (Karin Hanczweski) schwer. Sie kommt ins Krankenhaus, liegt im Koma, muss danach lange in die Reha. Mit ihrer neuen Kollegin Leonie Winter (Cornelia Gröschel) will sie nicht mehr zusammenarbeiten und lässt sich in die Asservatenkammer versetzen. Doch sie ist die Einzige, die den Mörder gesehen hat.

Die Auflösung

Nur kurz mussten die Zuschauer in diesem „Tatort“ rätseln, wer der Täter ist. Als der von Benjamin Sadler gespielte Christian Mertens den zweiten Verdächtigen umbrachte, dessen Leiche entsorgte und in dessen Wohnung die Waffe, mit der er selbst Gorniak so schwer verletzt hatte, versteckte, war alles klar. Die Kommissare hatten es da schwerer.

Zwar war Gorniak überzeugt, in Mertens den Täter erkannt zu haben, doch man glaubte ihr nicht. Schnell war klar, dass alles auf einen Showdown zwischen ihr und Mertens zulief. Und so kam es dann auch. Bevor dieser sie jedoch töten konnte, wurde sie – wenig überraschend – von der neuen Kollegin gerettet.

Das neue Team

„Das Nest“ war der erste Fall nach dem Ausscheiden von Alwara Höfels, die die Kommissarin Henni Sieland spielte. Man trennte sich wegen unterschiedlicher künstlerischer Auffassungen. Doch ihr Abschied war für die Ermittler aus Dresden mehr als nur der Verlust einer Hauptfigur.

Gestartet war man in Sachsen mit einem sehr humoristischen Ansatz. Autor Ralf Husmann, der schon viele großartige Komödien auf den Weg gebracht hat, tobte sich auch in Dresden aus. Mit durchwachsenem Erfolg.

War der erste Fall, der 2016 im Schlagermilieu spielte, noch eine weitgehende gelungene Annäherung an diese merkwürdige Welt, ging das Witz-Konzept danach immer seltener auf. Husmann verabschiedete sich ebenso wie Höfels aus Dresden. Und war offensichtlich, dass die Verantwortlichen einen Bruch mit allem wollen, was bisher war.

Fazit

„Das Nest“ war so düster wie noch kein Fall vorher. Der gerade mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Autor Erol Yesilkaya und Regisseur Alex Eslam zogen dabei fast alle Register des Horrorfilm-Genres.

Und hatten mit Benjamin Sadler, den man sonst meist als Sympathieträger sieht, eine gute Besetzung für den Serienkiller gefunden. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem von ihm gespielten Christian Mertens und der Kommissarin gehörte eindeutig zu den Stärken des Films.

Entwicklungspotenzial hat hingegen sicherlich noch die Beziehung zwischen Gorniak und der neuen Kollegin, in diesem Film blieb deren Annäherung noch vage. Doch die aus Dresden stammende Cornelia Gröschel lässt auf mehr hoffen.

Einzig die Beschreibung der Psyche des Täters geriet Yesilkaya ziemlich schlampig. Was dieses Horrorkabinett mit den so sorgfältig arrangierten Leichen sollte und warum ein geachteter Arzt und Familienvater zum Monster wurde, wurde nicht mal im Ansatz beleuchtet. Das war schade. Dennoch ein vielversprechender Neustart in Dresden.