Hugh Bonneville im Interview: "Nie wieder schlechter Wein!"

Hugh Bonneville ist einer dieser britischen Schauspieler, die so exzellent sind, dass sie nirgends aus dem Rahmen fallen und überall perfekt hineinpassen – und deren Gesicht man eher erkennt als ihren Namen. Seit zwanzig Jahren kann man seine wohlerzogene Erscheinung im Kino und im Fernsehen bewundern, bevorzugt als Exponent höherer Kreise: als hochdekorierter Offizier in „Der Morgen stirbt nie“, Broker in „Notting Hill“ oder Oxford-Professor in „Iris“. Und natürlich als Earl of Grantham in der weltweit geliebten Adelsserie „Downton Abbey“. Ab kommenden Donnerstag ist Bonneville in „Der Stern von Indien“ zu sehen: Er spielt Lord Louis Mountbatten, den letzten Vizekönig Indiens, der 1947 mit der schwierigen Mission betraut wird, die britische Kolonie in die Unabhängigkeit zu entlassen.

Hugh Bonneville ist 53 Jahre alt. Den Treffpunkt im Regent Hotel in Berlin betritt jedoch ein Mann, der für zehn Jahre jünger durchgeht. Wie macht er das? „Mit Botox natürlich.“ Bonneville lacht. Vermutlich liegt es eher daran, dass seine so wunderbar aus der Zeit gefallene, mit Rock, Stock und Zylinder durchs Leben wandelnde Figur in „Downton Abbey“ gefühlt über all die Jahre schon jenseits der sechzig war – und man deshalb einen honorigen Silver Ager erwartet hat. Vielleicht liegt es auch an der Landluft. Er lebt mit seiner Frau Lucinda in West Sussex.

Können Sie mit 53 sagen, dass Sie etwas in Ihrem Leben besonders bereut haben?

Dass ich nicht ernsthafter studiert habe. Ich habe Theologie in Cambridge studiert und war ein lausiger Student, obwohl ich mein Fach sehr mochte. Meine Hauptinteressen bestanden damals aber in Theaterauftritten und vielen Partys. Jetzt würde ich das Studium viel ernsthafter betreiben. Ich habe es nicht zu schätzen gewusst, was mir meine Professoren Interessantes mitzuteilen hatten, und war einfach faul. Ich wäre heute sicher besser darauf eingestellt, auf die Uni zu gehen.

Was hat Sie auf die Bühne gedrängt?

Keine Ahnung. Mein Vater war Arzt, meine Mutter Krankenschwester und später Hausfrau. Beide aber liebten die Kultur. Das Größte für sie waren Ausflüge zu den Landsitzen der Adligen – ich habe das gehasst. Sie gingen oft in die Oper und zu Konzerten und Ausstellungen. Und sie liebten das Theater. Sie haben uns Kinder von klein auf mitgenommen. Das hat mich wohl infiziert.

Erinnern Sie sich an ein Stück, das Sie besonders in den Bann schlug?

„Die Schatzinsel“ hat mich sehr beeindruckt, ich hatte furchtbar Angst vor Longjohn Silver. Ich saß in der dritten Reihe und war mir bewusst, dass ich in einem Theater war. Aber dass die Aufführung mich so mitgehen ließ, obwohl alles nur gespielt und nicht echt war, fand ich aufregend. Von da an schrieb ich eigene Stückchen und spielte auch in denen von anderen Autoren mit. Ich habe mir aber nicht vorstellen können, dass ich damit je mein Geld verdienen könnte.

Sie haben in vielen ikonischen Filmen mitgespielt, von „Notting Hill“ bis „James Bond“.

Ich hatte viel Glück. Okay, in „James Bond“ hatte ich nur einen Satz, aber ich fand es natürlich aufregend, da mitzumischen. Diesen Orden trage ich mit großem Stolz. „Notting Hill“ war ein Riesenspaß. Ich habe vor kurzem wieder mit Hugh Grant vor der Kamera gestanden, in „Paddington 2“, und wir haben uns wieder schiefgelacht, obwohl der Dreh jetzt ja auch schon zwanzig Jahre zurückliegt.

„... und was machen Sie so?“

Oh ja. Schwager Bernie, der den berühmtsten Filmstar der Welt nicht erkennt. „Sie sind Schauspielerin? Ein harter Job, nicht wahr? Die Löhne sind ein Skandal...“

Ein Fremdschämklassiker!

„To do a Bernie“ ist in England inzwischen ein geflügelter Satz.

War es aufregender, mit Julia Roberts zu drehen oder mit einem Bären?

Julia Roberts hat nicht ein ganz so dickes Fell wie Paddington.

Sechs Staffeln lang haben Sie Lord Grantham, den Herrn über „Downton Abbey“, gespielt. Seit 2015 ist Schluss damit. Fehlt Ihnen die Adelsserie?

Ich habe diesen regelmäßigen Job sehr genossen. Es war seltsam, dieses Jahr mal nicht im Februar zum Dreh nach Highclere Castle rauszufahren – zum ersten Mal seit sechs Jahren. Aber es hatte auch etwas Befreiendes, so sehr ich diese Serie liebe. Jeder Schauspieler heult, wenn er mal kein Engagement hat – aber sobald er wieder etwas Festes hat, fragt er den Produzenten: „Wann habe ich mal einen Tag frei?“ Nach „Downton Abbey“ kam ich mir plötzlich wieder wie ein freischaffender Künstler vor, was einerseits berauschend ist, aber gleichzeitig beängstigend. Ich habe mir trotzdem fest vorgenommen, etwas kürzer zu treten.

Denken Sie manchmal daran, die Schauspielerei ganz sein zun lassen?

Ich habe schon im vergangenen Jahr langsamer gemacht und nur in einem Theaterstück mitgespielt. Jetzt gerade geht es dagegen wieder hoch her. Aber vielleicht kann ich gegen Ende des Jahres ein paar Wochen Pause einlegen.