Berlin/Los AngelesWährend bei uns gerade die ersten Folgen von „The Undoing“ auf Sky ausgestrahlt werden, weiß man in Amerika schon, wie der Psychokrimi ausgeht. Spoiler-Alarm: Der Mörder in dem mit Topstars besetzten Sechsteiler (Nicole Kidman, Hugh Grant, Donald Sutherland) ist ... Kleiner Scherz, wir verraten natürlich nichts. Millionen US-Zuschauer diskutierten vor dem Finale, wer die schöne Malerin mit dem Hammer massakriert haben könnte. War es ihr Liebhaber, der geniale Kinder-Onkologe Jonathan Sachs, dessen Frau Grace, eine erfolgreiche Psychologin, deren schwerreicher Vater oder gar der brave Teenie-Sohn Henry? Und dann sind da ja auch am Rande noch ein paar Verdächtige. Eines ist jedenfalls sicher: Der früher auf Komödien spezialisierte Hugh Grant hat auch mit 60 noch einen Killer-Charme.

Sie spielen in „The Undoing“ eine ziemlich dunkle Rolle. Hat der König der romantischen Komödien abgedankt?

Hugh Grant: Als hätte ich eine Wahl. Ich bin einfach zu alt und zu hässlich geworden für einen Hauptdarsteller in romantischen Komödien. Gott sei Dank! Endlich kann ich mich schauspielerischen Herausforderungen stellen. Wenn ich ehrlich bin, macht es Spaß, Männer mit charakterlichen Fehlern zu spielen. Die dunkle Seite zieht mich einfach an (grinst).

Sprich, Sie hatten früher nicht wirklich Spaß an Ihren Rollen?

Das nun auch nicht. Ich bin stolz auf meine Filme, weil sie die Leute unterhalten haben und die große Mehrzahl davon nicht idiotisch war. Also werde ich jetzt nicht mich selbst dissen. Aber bin ich froh, dass ich sie heute nicht mehr drehen muss.

In der Serie lassen Sie Ihr Handy zurück, damit Sie keiner erreichen kann. Haben Sie so etwas im wahren Leben auch schon mal gemacht?

Witzigerweise am Set von „The Undoing“. Ich hasse das Ding eh. Und zum ersten Mal nach langer Zeit habe ich es einfach morgens im Hotel gelassen. Ich habe 14 wundervolle Stunden ohne Handy verbracht und mich gefühlt, als wäre es wieder 1994.

Der Trailer zur von HBO produzierten Serie.

Quelle: Youtube

Hatten Sie keine Angst, dass man Sie nicht erreichen kann, wenn etwas Wichtiges wäre?

Wenn eines meiner Kinder einen Unfall gehabt hätte, dann hätte man mich schon gefunden. Aber ich sage Ihnen, das Leben war plötzlich so viel schöner. Ich habe mich sogar mit Menschen unterhalten. Und zwischen den Szenen ein Buch gelesen. Diese verdammten Handys sind Gift und bringen uns nach und nach um.

Wie war es, Nicole Kidman als Ehefrau zu haben?

Ich war schon etwas eingeschüchtert. Sie ist eine großartige Schauspielerin. Und – da wir uns schon seit den 90er-Jahren kennen – ein verrücktes australisches Mädchen mit einem fantastischen Sinn für Humor. Klar sind wir super miteinander ausgekommen.

Auch im wahren Leben ist der einst ewige Junggeselle inzwischen Familienvater mit drei kleinen Kindern zu Hause. Sind Sie glücklich mit dieser Phase Ihres Lebens?

Mmmh, gute Frage. Ich glaube, jeder, der junge Kinder hat, würde sagen, dass es gleichzeitig die beste und die schlimmste Zeit in seinem Leben ist. Es kommt auf den Tag an. Wenn du völlig verkatert auf ein kaputtes Spielzeug trittst, ist das grässlich. Aber wenn ich durch den Bilder-Stream auf meinem iPhone gehe und mir die Fotos der letzten Jahre anschaue, realisiere ich, dass ich extrem glücklich bin.

Foto: imago images
Hugh Grant und seine Frau Anna Eberstein. Die beiden sind seit 2018 verheiratet.

Wie würden Sie sich als Vater beschreiben? Eher locker oder streng?

Ich habe mit Schrecken festgestellt, dass ich mich in meinen eigenen Vater verwandle. Ich klinge genauso wie er früher, wenn er mich angebrüllt hat (lacht). Und ich ziehe dieselbe dümmliche Grimasse wie er, wenn ich sehr leichte Aufgaben erfüllen muss – wie eine Flasche aufzuschrauben. Was die Erziehung meiner Kids anbelangt, da bin ich eher wie meine Mutter.

Das heißt?

Sie hat mit uns Kindern immer herumgealbert. Mit verstellter Stimme und so. Ich mache das auch mit meinen Kids. Wobei ich nicht mal sicher bin, dass sie das cool finden. Sie verdrehen oft die Augen.

Bei Ihrer Aversion gegen Handys, erlauben Sie Ihren Kindern schon, mit elektronischen Geräten zu spielen?

Schlaue Eltern würden Tablets aus den Händen ihrer Kinder verbannen. Aber wir sind keine schlauen Eltern, wir sind verzweifelte Eltern (lacht). Deshalb geben wir ihnen das verdammte Ding, damit sie wenigstens mal Ruhe geben. Wir lassen sie Sendungen darauf schauen. Im Moment ist „Peppa Pig“ der Favorit. Und meine Zweijährige ist davon besessen. Sie sagt eigentlich nur noch „Pig, Pig, Pig“.

Zur Person

Hugh Grant wurde 1960 in London geboren, sein Vater war Offizier, seine Mutter Lehrerin. Grant wurde vor allem durch kommerziell sehr erfolgreiche Liebeskomödien bekannt. Mit dem Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ kam 1994 der internationale Durchbruch. Ein Jahr später geriet der smarte Brite in die Schlagzeilen, er hatte eine Prostituierte in sein Auto eingeladen und wurde mit ihr von Polizisten beim Sex in der Öffentlichkeit ertappt. Der nächste große Kinoerfolg stellte sich 1999 mit der Komödie „Notting Hill“ ein. Es folgten Auftritte in „Bridget Jones“ und „Tatsächlich… Liebe“.Mit der Chinesin Tinglan Hong hat Grant eine Tochter und einen Sohn. Im Mai 2018 heiratete er die schwedische TV-Produzentin Anna Eberstein, mit der er einen weiteren Sohn und zwei Töchter bekam. Grant ist überzeugter Brexitgegner, er griff den britischen Premier Boris Johnson scharf an.

Sie könnten sich eigentlich zur Ruhe setzen und nur noch mit Ihren Kindern herumalbern. Was ist es, was Sie weiterhin vor die Kamera zieht?

Irgendwann langweilt es mich, nur herumzueiern. Andererseits tue ich mich mittlerweile echt schwer damit, zu einem Projekt Ja zu sagen. Im Moment bin ich auch gerade mal wieder am Zögern, ob ich für ein neues Angebot zusage oder nicht.

Eine junge Frau und kleine Kinder scheinen Sie aber topfit zu halten.

Danke! Ich bin aber ein riesiger Hypochonder und mein Nachttisch biegt sich unter all den Pillen, die dort herumstehen (lacht). Mein Glück ist es, mit einer hervorragenden Tennisspielerin verheiratet zu sein. Anna schleppt mich dreimal die Woche auf den Tennisplatz. Auf der anderen Seite trinke ich wie ein Fisch. Das gleicht es wieder aus.

Älterwerden ist kein Problem für Sie?

Ich habe ein Problem damit, irgendwann tot zu sein (lacht). Ich fürchte eher, dass mein letzter Lebensabschnitt etwas langweilig werden wird. Mein ganzer Körper ist schon jetzt nach dem Tennis steif und es wird nicht besser. Ich werde wohl auch neue Hüftgelenke brauchen. Sexy ist das alles nicht gerade.