Hugh Laurie im Admiralspalast: Nun wird es wohl doch eine zweite Karriere

Es scheint, als arbeite Hugh Laurie an einer amtlichen Zweitkarriere. Als vor zwei Jahren sein erstes Album mit Bluesklassikern erschien, konnte man darin noch eine Art Entspannungsübung sehen, mit der sich der Schauspieler von der Festanstellung als weltbester und weltgrimmigster medizinischer Diagnostiker im Fernsehen erholte. So bewältigte schließlich auch seine Figur des soziophoben Dr. House die Schrecken des Sozialen.

Der Erfolg von „Let Them Talk“ beruhte jedoch nicht zuletzt darauf, dass Laurie sympathischerweise gar nicht erst den Versuch unternahm, seine kennerhaften Interpretationen in irgendeiner Weise zu mehr als Hommagen an einen geliebten Sound zu erklären. Übrigens hätte man Laurie – Arztsohn, Elitestudent und seit dem sechsten Lebensjahr am Klavier ausgebildet – bereits seit Anfang der Neunziger als lustvollen Musiker aus der britischen Comedy-Serie „Jeeves and Wooster – Herr und Meister“ mit Stephen Fry kennen können.

Laurie war also Amateur im besten Sinne. Nur konnte  sich sein Majorlabel mit dem TV-Erfolg im Rücken natürlich erprobte Gäste wie Tom Jones und Dr. John und auch sonst die beste Ausstattung leisten. So traf sich Lauries kompetentes und warmes Handwerk zum Beispiel mit der klugen Produktion von Joe Henry, der die Songs rau und ohne studiotechnische Mätzchen im Stil der Zeit inszenierte.

Immerhin ist der Mann nicht nur ein eleganter Singer/ Songwriter – seine Schwägerin Madonna hatte einen Hit mit seinem „Don’t Tell Me“ –  sondern auch verantwortlich für die Comebacks von Soulgrößen wie Solomon Burke, Allen Toussaint und Aaron Neville. Henry hat nun auch Lauries zweites Album „Didn’t It Rain“ mit fein verstaubten Nummern der ältesten Bluesschule aus überwiegend New Orleans gestaltet. Sein Erscheinen deutet dabei einen nun doch mindestens semiprofessionellen Ehrgeiz an. Den Anspruch kann Laurie, der in ein paar Tagen seinen 54. Geburtstag feiert, wunderbarerweise einlösen, auch weil er sich cool zurücknimmt und fast durchweg den Gesang mit genreerprobten Kennern wie Taj Mahal teilt. Der Stil wird selbstverständlich auch diesmal nicht neu erfunden.

Aber die Arrangements sind durchweg liebevoll und  wie Lauries Linernotes nur manchmal etwas respektvoll gehalten. Wer wiederum das Vergnügen hatte, Laurie zum Beispiel vor zwei Jahren in der Passionskirche live zu erleben, wird sich ebenso gern erinnern an seine lässige Performance wie die begleitenden, überaus charmanten Erläuterungen. Warum sollte es am Freitag im Admiralspalast nicht genauso schön werden?

 

Hugh Laurie & Copper Bottom Band

Fr (7.6.), 20 Uhr, Admiralspalast Berlin, Friedrichstr. 101,

Nur noch wenige Karten unter Tel.: 61101313