Berlin - Die Corona-Pandemie bedroht nicht nur die Existenz kultureller Einrichtungen, sie nagt auch am schönen Schein der Symbolpolitik. So jedenfalls kann man die Nachricht verstehen, die die Berliner Stiftung Humboldt-Forum am Freitag auf Nachfrage der Deutschen-Presse-Agentur bekannt gegeben hat. 

Eines der ambitioniertesten kulturpolitischen Projekte der Nachkriegsgeschichte bleibt vorerst also eine Baustelle. Das Humboldt-Forum im teilweise rekonstruierten Berliner Stadtschloss, dessen Eröffnung ursprünglich 2019 hatte erfolgen sollen, wird nun auch 2020 seine Pforten nicht öffnen können. Mit Blick auf die coronabedingten Maßnahmen fällt die zuletzt für den 17. Dezember angekündigte erste Teileröffnung des riesigen Kultur- und Ausstellungszentrums aus. Stattdessen soll es vom 16. Dezember an digitale Einblicke in Form von Livestreams und Online-Führungen geben, wie die Stiftung Humboldt-Forum am Freitag mitteilte. Weitere digitale Angebote seien in Prüfung, sagte Generalintendant Hartmut Dorgerloh.

Eine Chance, das Unternehmen Humboldt-Forum in Gänze zu überdenken

Nach jahrelanger Verzögerung und Kostensteigerungen auf inzwischen 677 Millionen Euro soll das Humboldt- Forum in mehreren Schritten öffnen. Zunächst sollten wenige Teile des rund 40.000 Quadratmeter umfassenden Gebäude zugänglich gemacht werden, erste Ausstellungen sollten 2021 folgen. Auf allen Ebenen soll das Haus nach bisherigen Ankündigen erst zur Jahreswende 2021/22 zugänglich sein.

Die Nachricht kommt nicht überraschend, eine Verschiebung der ohnehin bereits stark eingeschränkten Pläne, die einer feierlichen Eröffnung nur bedingt hätten gerecht werden können, ist denn auch mehr als folgerichtig. Für die verantwortlichen Kulturmanager enthält die Entscheidung allerdings auch die Chance, das Unternehmen Humboldt-Forum noch einmal ganz neu zu überdenken. Zuletzt jedenfalls war der Eindruck entstanden, dass das Projekt insbesondere mit Blick auf die inhaltliche Ausgestaltung ins Stocken geraten war.