Berlin - Schikane von Beschäftigten, Ausspähen des Arbeitsverhaltens, Verbot von Toilettengängen sowie des Verzehrs von Getränken während er Arbeitszeit – so lauteten die Vorwürfe, die Mitte Mai gegen eine Tochtergesellschaft der Stiftung Humboldt Forum erhoben wurden: die Humboldt Forum Service GmbH (HFS), die ab November vergangenen Jahres 75 Mitarbeiter für den Besucherservice eingestellt hat. Frontal 21 und Spiegel online hatten zuerst berichtet. Die Innenrevision der Stiftung Humboldt Forum war daraufhin mit einer Prüfung beauftragt worden. Ihr Bericht liegt nun vor und bestätigt die Vorwürfe. Dass am selben Tag angekündigt wurde, dass das Humboldt Forum am 20. Juli für Besucher öffnet, ist ein Signal, dass man die Sache als erledigt betrachtet und in die Zukunft blicken will. Den Besuchern, die von da an kommen, sollen nun eben diese gedemütigten Mitarbeiter Orientierung in den neuen Räumen geben - sofern sie nicht gekündigt wurden.

Zum Bericht: Es sei tatsächlich von Führungskräften der HFS eine Liste mit Informationen zu den Mitarbeitern des Besucherservices angelegt worden, die dazu diente, die Arbeitsleistungen in der Probezeit zu dokumentieren, teilte die Stiftung am Dienstag mit. Hierbei  sei es zu einem Verstoß gegen den Datenschutz gekommen. Aus Sicht der Innenrevision sei diese Liste auch nicht geeignet gewesen, eine objektive Probezeitbeurteilung von Mitarbeitenden vorzunehmen. Zwar verstoße sie nicht per se gegen das Persönlichkeitsrecht, denn ein Arbeitgeber darf zum Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses personenbezogene Daten verarbeiten, problematisch sind aber laut Innenrevision einige als „Einschätzung“ gewählte Formulierungen in der Liste. (Zum Beispiel: „xy ist montags immer müde.“) Zudem hatten unberechtigte Personen – aus Gründen, die sich bisher nicht klären ließen – Zugriff auf diese Liste. Darüber wurde der Berliner Datenschutzbeauftragte informiert. Die HFS hat die besagte Liste mittlerweile gelöscht, bis auf ein einzelnes Exemplar, das zu Nachweiszwecken dient; sie hat die betroffenen Mitarbeiter benachrichtigt und sich entschuldigt.

Das sind Ergebnisse, die die HFS als schlampig geführtes Unternehmen beschreiben, in dem prekär Beschäftigte schlecht behandelt worden sind.  Die Verantwortung dafür trägt letztlich die Geschäftsführung. Die bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe von ihren Aufgaben entbundene Geschäftsführerin der HFS bleibt bis zur abschließenden Prüfung des Umgangs mit personenbezogenen Daten freigestellt. Ob sie auf ihren Posten zurückkehrt, scheint fraglich.

ZDF Frontal 21 und Spiegel online hatten zudem auf einen Verstoß gegen Corona-Hygienemaßnahmen bei der HFS hingewiesen. Hierzu hat die Prüfung der Innenrevision gezeigt, dass zwar alle Beschäftigten der HFS über die Maßnahmen und Abstandsregeln  informiert waren, es aber im Zuge einer persönlichen Geburtstagsgratulation Verstöße gegen diese Regeln gab. Mitarbeiter umarmten einander. Hierbei handele es sich um ein persönliches Fehlverhalten von Geschäftsführung und Mitarbeitern der HFS, heißt es in der Mitteilung. Man könnte es auch Selbstherrlichkeit nennen.