Das erste öffentliche Zusammentreffen des künftigen Stadtmuseumdirektors Paul Spiess mit dem Chef der Schlossbaustiftung Manfred Rettig war heiter. Im einstigen Staatsratsgebäude wurde besprochen, wie die vom Senat gewünschte Ausstellung „Welt.Stadt.Berlin“ im Humboldtforum aussehen könnte. Spiess’ Job beginnt Februar 2016. Er blieb also eher vage. Man werde für Touristen, aber vor allem für Berliner planen.

Nicht zu früh war es dafür, dass Rettig Spiess schon mal enge Grenzen setzte. Er werde jeder Kostensteigerung entgegentreten. Der Schlossnachbau sei auch ein Ausweis für deutsche Ingenieurskunst. Und die stehe für feste Termin- und Kostenrahmen. Deswegen sollen etwa die eigentlich als Bibliotheksräume geplanten nunmehrigen Ausstellungssäle keine angemessene Klimaanlage erhalten. Parole: Der Plan wird erfüllt, egal, was kommt.

„Wir hatten den IS 1950 auch in Berlin“

Nur einmal ging ein Raunen durch den Saal, als nämlich Rettig die umstrittene Ausstellung „Welt der Sprachen“ verteidigte: Man habe fünf Millionen Euro ausgegeben, außerdem solle sie Radikalismen vorbeugen. Und dann der Hammersatz: „Wir hatten den IS 1950 auch in Berlin, das sollten wir nicht vergessen“. Also damals, als die SED das Schloss sprengen ließ.

Das Raunen und der erstaunte Blick von Paul Spiess irritierten Rettig keineswegs in der Gleichsetzung der SED mit einer Terrororganisation, die zwar auch kostbare Bauwerke zerstört, aber vor allem etwa 100000 Menschenleben auf dem Gewissen haben soll. Man muss die DDR nicht mögen, um zu erkennen: Solch historisch bewusstloser Populismus dient vor allem dazu, ein kritisches Gespräch zu verhindern.

Tatsächlich fragte denn auch keiner nach, ob Rettigs stures Festhalten an einem überholten Ausbauplan sinnvoll ist oder ob man nicht doch den Bundestag um einige Millionen bitten sollte, damit das Humboldtforum auch langfristig gut zu nutzen ist.