Ein Hund der Rasse Cavalier King Charles Spaniel praktiziert den berüchtigten Hundeblick. 
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Berlin - Kennen Sie diesen Gesichtsausdruck bei Hunden, wenn sie große Augen machen? Unwiderstehlich, nicht wahr? Im Deutschen gibt es sogar ein Wort dafür: Dackel- oder Hundeblick. Der wird nicht zufällig angewendet. Wissenschaftler vom Dog Cognition Center an der Universität Portsmouth im hundeverrückten England haben es herausgefunden. 

Die meisten Tiere haben tatsächlich keine Kontrolle über ihren Gesichtsausdruck. Denken Sie an eine Schildkröte. Oder an ein anderes Haustier, die Katze. Keine Miene verzieht sie. Eine echte Stoikerin, wobei es sich dabei um eine menschliche Zuschreibung handelt, die – wahrscheinlich – quatsch ist. Nicht so beim Hund.

Die Wissenschaftler aus Portsmouth haben Experimente angestellt, um ihre Hypothese, dass der Haushund spezielle kognitive Fähigkeiten entwickelt hat, auch zu beweisen. Die Versuchsanordnung ist denkbar einfach. Hunde wurden mit vier verschiedenen Situationen konfrontiert: Sie wurden gefüttert und bekamen dabei menschliche Aufmerksamkeit, sie bekamen kein Futter, sondern nur Aufmerksamkeit, sie bekamen Futter, aber keine Aufmerksamkeit und viertens: Sie bekamen weder Futter noch Aufmerksamkeit.

Hätten Hunde keine Kontrolle über ihren Gesichtsausdruck, müsste er in allen vier Situationen gleichbleiben. Aber so war es nicht. Und der entscheidende Faktor bei der Produktion verschiedener Gesichtsausdrücke war die menschliche Aufmerksamkeit. Und zwar mit oder ohne Futter.

In den 20.000 oder 30.000 Jahren, in denen das Haustier Hund nun schon in diesem speziellen Habitat namens menschliche Gesellschaft leben muss, hat es sich als evolutionärer Vorteil herausgestellt, dass er mit seinem Halter kommunizieren kann. Er hat gelernt, spezielle Muskeln willentlich zu bewegen. Dadurch kann er etwa Schläge vermeiden oder erreichen, dass ihm ein Leckerli zugesteckt wird, dass er mit ins warme Bett darf. Und im  Tierheim finden diejenigen, die ihre innere Augenbraue besonders gekonnt hochziehen können, schneller ein neues Zuhause, als Hunde, die nicht so gut große Augen machen können. Auch das ist untersucht und erwiesen.

All dies lässt pünktlich zum Welttag des Hundes am 10. Oktober nur einen Schluss zu: Ein Hund mag dem Menschen treu ergeben sein, aber er manipuliert ihn auch. In welcher Beziehung wäre das anders. Herrchen und Frauchen wissen es wohl. Denn man bemerke: Sie selbst machen sich mithilfe ihrer Sprache klein vorm Hund.