In Berlin fahren die Busse auch bei minus 38 Grad ohne Probleme. In Berlin dürfen Männer mehrere Ehefrauen gleichzeitig haben. In Berlin plätschert das Meer an den Palmenstrand. In Berlin kommt ein Menschen auf hundert Lamas. Natürlich passen all diese geografischen und kulturellen Gegensätze nicht in eine einzige Stadt: Weltweit gibt es mehr als einhundert Ortschaften namens Berlin, mehr als dreißig allein in den USA.

Ein Gemeinschaftsprojekt von RBB, Deutscher Welle und der Berliner Produktionsfirma Berlin Producers hat ein knappes Dutzend Berlins in aller Welt mit der Kamera aufgesucht und die Aufnahmen in verschiedenen Versionen aufbereitet. So steht die Web-Version schon seit einigen Wochen im Netz, Deutsche Welle TV zeigt das Projekt vom 10. Januar an als Vierteiler im Wochenrhythmus, und zwar in vier Sprachen.

Hier Kälte, dort Hitze

Als Zweiteiler läuft „Worldwide Berlin“ am Dienstagabend im RBB. Drei Stunden lang reist der Zuschauer zwischen sieben Berlins auf fünf Kontinenten hin und her. Der zweigeteilte Film ist als Tagesreise montiert, wobei allein schon die Zeitverschiebungen für permanente Abwechslung sorgen. Wenn der Straßenkehrer um sechs Uhr morgens vor dem Brandenburger Tor seine Arbeit beginnt, dann haben die Schüler in Berlin hinterm Ural um elf Uhr gerade Musikunterricht und die Männer von Berlinhafen in Papua-Neuguinea kehren nachmittags vom Fischen zurück auf ihre Insel.

Regisseurin Elke Sasse, die das Projekt initiiert hat, spielt die Kontraste zwischen den Berlins gern aus: Hier Kälte, dort Hitze, hier Schnee, dort Strand, hier Vormittag, dort Nachmittag – die meist nur ein bis zwei Minuten langen Stippvisiten machen den Abend sehr kurzweilig.

Erst nach und nach lernt der Zuschauer dabei einige Berliner näher kennen – das pummlige Mädchen, das beim Schönheitswettbewerb in Berlin-El Salvador antritt, die greise Lama-Züchterin, die ihre Tiere im bolivianischen Berlin zur Tränke treibt oder den Busfahrer aus Berlin in Russland, der bei knapp vierzig Grad unter Null mit bloßen Händen am Eisloch angelt.

Immer wieder gelingt es den Reportern, unterwegs komische Momente einzufangen, etwa wenn nach den Vorstellungen über den großen Namensgeber Berlin gefragt wird oder wenn die fernen Berliner gebeten werden, ihre Version vom Gassenhauer von der „Berliner Luft“ aufzuführen.

Der Tankstellenwart in Ohio greift zur Gitarre, der Musiklehrer in Russland zum Akkordeon, in Guinea wird unter Bäumen gesungen und in der Höhe Boliviens eine sehr expressive, freejazzige Version Berliner Luft durch eine Holzflöte geblasen. Unaufdringlich, fast nebenbei, werden bestimmte Bereiche der sieben Berlins miteinander verglichen, etwa das Essen, die Traditionen – und die Prägung des Ortsnamens.

Die meisten Berlins bekamen ihre Namen erst im 19. Jahrhundert, mal von deutschen Kolonisatoren oder von Missionaren, mal von Auswanderern wie in den USA – oder zu Ehren von russischen Kosaken, die im Siebenjährigen Krieg die ferne preußische Hauptstadt eroberten. In Kanada gibt es sogar ein in Ost- und Westberlin unterteiltes Dörfchen.

Inszenierte Tagesreise

Die Berichte über dieses spezielle Berlin, eigentlich nur ein Berlinchen, finden sich aber nicht in der Fernsehfassung, dafür in der Web-Doku, in der noch vier weitere Berlins vorgestellt werden, auch das brandenburgische Berlinchen. Wer sich nicht von der Fernsehfassung von einem kleinen roten Flugzeug hin und herfliegen lassen will, kann sich im Netz seine eigene Reise zu elf Berlins weltweit zusammenstellen und sich dabei auch zielgerichteter und konzentrierter den einzelnen Orten widmen.

Doch entspannter und bequemer bleibt es, sich zurückzulehnen und der inszenierten Tagesreise des RBB zu folgen. Mitunter bleibt die Fernseh-Rundreise recht folkloristisch und kunterbunt, das Berlin mit den schärfsten sozialen Problemen und hässlichsten Barackensiedlungen, das Berlin in Südafrika, taucht nur im Web auf. Im Netz soll das Projekt auch künftig weitergesponnen werden – die Macher von Berlin Producers laden dazu ein, Bilder und Berichte von allen Berlins weltweit zusammenzutragen.

"Worldwide Berlin" in drei Sprachen - am Dienstag, den 06.01.2015, um 20.15 und 22.45 Uhr, und auf Deutsche Welle TV ab dem 10. Januar 2015 oder in hier als Livestream in der rbb-Mediathek.