1945 – die Welt liegt in Trümmern, Elend herrscht in den Straßen. Wer hätte an diesem Abgrund je wieder Gedichte schreiben können? Wer hätte nach Jahren menschenverachtender Instrumentalisierung der Kultur durch Goebbels Propagandamaschinerie je wieder an das Gute und Wahre in der Literatur glauben können? Einer tat es: Paul Celan. Ein jüdischer Mann, der einen Großteil seiner Familie durch die Shoa verloren hat und selbst nur knapp dem Tod entronnen war. Der am 23. November 1920 in Czernowitz geborene Dichter musste daher früh erfahren, dass sein Schreiben immer von der Geschichte belastet sein würde.

Was er im Laufe seiner Schaffensjahre vorlegt, ist daher alles andere als tröstliche Poesie mit Hang zum Eskapismus. Ihn zu lesen, erweist sich als eine Begehung von Todeszonen, Friedhöfen und Ruinen der menschlichen Zivilisation. Bis heute firmiert der Autor, der jedwede Texteinheit durch Verrätselung unterläuft, daher als die Identitätsfigur einer von Finsternis und schwermütiger Fassungslosigkeit gezeichneten deutschen Nachkriegslyrik.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.