Hackende Gitarren, salvenhafte Drums, sturer Bass und ein gurgelnd schreiender Sänger: So ungefähr geht Punkrock seit Anbeginn der Menschheit und so stellen sich auch, mit nihilistischer Verspätung, die dänischen Iceage vor. Aber damit allein könnte man wohl selbst eine kleine Location wie die Berghain Kantine nicht restlos füllen.

Seit ihrem ersten Album „New Brigade“ vor drei Jahren gelten die vier mindestens als Erneuerer, wenn nicht gar Retter des über die Jahre verkrusteten Hardcore-Genres. Etwas abschätziger handelt man den Sound als Hipster-Hardcore – leicht nachvollziehbar, denn ihre hochenergische Musik dröhnt an allen Ecken und Enden über die Grenzen klöppelnder Klischees hinaus.

Dies gilt besonders für das neue, dritte Album „Plowing Into the Field of Love“. Im Kern orientieren sie sich am schroffen US-Punk der frühen Achtziger, aber sie senken einerseits die Temperatur auf den britischen Post-Punk früher Joy Division und schauen zugleich in die derben Garagen-Sechziger zurück und weiter vor in die späten Achtziger. Immer wieder unterläuft dem Gitarristen eine bluesige Wendung oder geschieht dem Bassisten ein Rockriff.

Theatralik des jungen Nick Cave

Der Drummer kann mühelos vom Punk-Galopp in fiebrige Zähigkeit und dumpfes Drama wechseln. Am deutlichsten erkennt man es bei dem Sänger Elias Bender Rønnenfeld, der zwischen grollend-lauthalsem Rachengesang zum ausgehöhlten Ton Ian Curtis’ und zur Theatralik des jungen Nick Cave taumelt – nicht nur die aktuelle Single „Glassy Eyed, Dormant, and Veiled“ klingt in ihrer stetigen Hysterisierung wie eine auf zeitgenössisches Lärmlevel erhobene Bad Seeds-Nummer.

Der entscheidende Schritt aus dem Genre gelingt auf dem neuen Album durch deutliche Anstrengungen beim Schreiben und Arrangieren der Titel. Im Konzert muss man leider auf die gerade in diesem Rahmen sehr effektvollen Piano, Viola oder Trompeteneinlagen verzichten. Auch die leiseren und twangenden Gitarrenmotive werden zugunsten eines härteren Tonfalls ausgespart. Aber sie ersetzen die Feinheiten in den Steigerungen, Ballungen und Stürzen, im Auseinanderfallen und den Wurmwindungen Rønnenfelds durch umso größeren Nachdruck.

Wovon er singt bleibt im Konzert dunkel. Semantisch lassen weder Texte noch Performance Zweifel daran, dass es um ziemlich hermetische Ideen von deprimierter Geworfenheit geht, und um bedröhnte und letztlich ausweglose Gedanken, ihr zu entkommen – die Garage als Elfenbeinturm, wie ein US-Kritiker mutmaßte.

Nicht verschweigen sollte man die kleine Kontroverse, die sie durch das Hantieren mit Kukluxklan-Kapuzen und Verweisen auf die rechtsradikale, norwegische Metalband Burzum ausgelöst haben. Das wird nicht appetitlicher durch Bezüge auf Cèline oder Hamsun oder die jüdische Herkunft des Drummers, durch die homoerotische Inszenierung von Rønnenfelds Zweitband Var oder die Selbsteinschätzung als links. Der prächtige Auftritt wiederum sah nur nach stürmisch-jugendlicher Ramponiertheit aus. Aber das heißt ja nicht unbedingt, dass sie klug sind.