Also bei der Wurst-Pointe kommt es vielleicht nicht nur Vegetariern wie Ferdinand Marcos hoch. Imelda, die Gattin des philippinischen Diktators, erinnert sich: Die Delegation aus der DDR, unter Führung von Erich Honecker, verpflegte sich bei der Manila-Reise selbst. Man brachte literweise gelbe Brühe (Radeberger, d. R.) sowie Blutwürste mit, die man über der Palasttafel aufhängte. „Unsere Würste sind die besten“, unterbricht Margot Honecker, „Kassler im Schtrang geschmort! Erichs Leibgericht!“ Ein Anflug von nostalgischem Lächeln umspielt ihre harten Züge – die härtesten, die Corinna Kirchhoff unter der Weißhaarperücke zu bieten hat. − „Nun sitzen wir da“, fährt Imelda fort, „und über unseren Köpfen baumeln diese schwarzen, tropfenden Würste, und ich sage zu Ferdi: Diese Würste hängen hier ja wie die Verbrecher am Galgen. Und Ferdi: Aber Imelda, wusstest du nicht, aus jedem, der ihr Land verlassen möchte, machen sie so eine Wurst.“

Drei Diktatorinnen-Gattinnen zusammengesperrt

Der Saal im Renaissance-Theater lacht und quietscht, aber am lautesten lacht und quietscht Imogen Kogge unter dem Imelda-Betondutt. Die dritte im Bunde, Leila Ben-Ali, die verjagte tunesische Präsidenten-Gattin, entsetzt sich auf das glamouröseste, und das will bei Judith Rosmair etwas heißen. Leila ist mit einem Vorstellungsvermögen ausgestattet, das ihr erlaubt vor der lebenden Honecker zu sitzen und weiterhin zu glauben, es handle sich um die pelzgewandete, tot im Schnee liegende Elena Ceausescu.

Man muss nur drei ehemalige Diktatoren-Gattinnen zusammensperren, sie bei der Eitelkeit packen, und schon sprudeln die schwarzhumorigen Pointenvorlagen. Theresia Walser hat diese Quelle für das gehobene Boulevardtheater erschlossen, nachdem René Pollesch schon vor ein paar Jahren mit seinen hoch unterhaltsamen „Diktatorengatinnen“ an der Volksbühne vorgelegt hat. Hier wie dort wurde gejubelt.

In Walsers Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ (der Titel ist ein Ausspruch von Gaddafi) warten die drei auf den Beginn einer Pressekonferenz, bei der es um die Verfilmung ihrer Biografien gehen soll. Unseligerweise wendet die Autorin aber einen weiteren dramaturgischen Kniff an, der die ohnehin schon knirschkonstruierte, auf der Stelle tretende Situation nochmals verkompliziert und ausbremst: Gottfried, der Simultanübersetzer, stört. Da dieser meistens nicht einfach übersetzt, sondern weitergibt, was ihm gerade einfällt, kommen die drei Damen in keinen echten Dialog, sondern reden aneinander vorbei. So kann man zwar pausenlos Witze aufeinander folgen lassen, aber keine Spannungsbögen aufbauen. Dabei gibt sich Boris Aljinovic als jener Dolmetscher größte Mühe, eine frühkindliche Störung − immer diese Fahnenappelle! − mit den Umstellungsschwierigkeiten zu kombinieren, die aus dem vorangegangenen Termin bei einer Fischereikonferenz resultieren. Was für eine alberne Verfransung!

Ab und zu ist es lustig

Die Regieführung der Schauspielerin Tina Engel macht es auch nicht besser. In einem weißen Kasten werden drei Freischwinger und ein Übersetzerhocker herumgeräumt. Die meiste Zeit aber sitzt man in Posen. Imelda füttert sich wohlgelaunt mit Makrönchen und trällert im Sopran ein paar Takte aus ihrer schrillen Lebensoper. Leila wirft ihre ausgesuchte Garderobe in elegante Falten und öffnet stets ihre Beine, wenn sie auf ihre Gedichte zu sprechen kommt. Und Margot wähnt sich selbst als Ideal zwischen „geldgierigen Schlampen“. Außerdem kriegt sie keine Cola.

Dann und wann finden Mikrofone Verwendung, Aljinovic wird im Kühlschrank zwischengeparkt. Alles Inhaltliche arbeiten die Diven auf der Textebene ab und nutzen es zur Präsentation ihrer Blödelkunst. Nichts kommt aus dem Spiel. Nicht einmal die selbstreflexiven Elfmeter − wenn die Damen darüber sprechen, wie sie gespielt werden wollen, während man sie ja schon spielt − werden verwandelt. Lustig ist es ab und zu dennoch. Und anderthalb Stunden sind schnell vorbei.

Wieder am 7., 8., 31. Okt.; 3., 4., 20., 21. Nov., Renaissance-Theater, T.: 31 24 202