Berlin - Sie kämpfen mit einem Hashtag gegen Hass und Hetze im Netz: Eine Facebook-Gruppe mit Namen #ichbinhier versucht sich seit zwei Monaten mit sachlichen Argumenten und Freundlichkeit Rassismus und Sexismus entgegenzustellen.

Und die Initiatoren zeigen sich bisher zufrieden: Mehr als 18.000 Menschen sind Mitglied der geschlossenen Gruppe bei Facebook, ungefähr 250 aktive #ichbinhier-Nutzer argumentieren gegen Hasskommentare unter Medienartikel, mehrere tausend User drücken regelmäßig den Like-Button der #ichbinhier-Kommentare, um sie in den Fokus der anderen Nutzer zu rücken. Das schätzt Gründer des deutschen Ablegers Hannes Ley.

Der 43-Jährige hat vor Weihnachten von der Idee gehört, die ursprünglich aus Schweden stammt. Nutzer posten dort unter dem Hashtag #jagärhär Inhalte gegen Hass und Hetze. „Ich fand das eine richtig gute Idee“, erinnert sich Ley, der sich zunächst mit der schwedischen Gründerin Mina Dennert austauschte. „Über Nacht habe ich dann die Gruppe aufgemacht und dann ging es auch in Deutschland los.“

Viele Hetzer ziehen sich zurück

Und nun heißt es eben regelmäßig: Gegenrede, Gegenrede, Gegenrede. Unter Medienartikeln, die sich meist mit Flüchtlingen, Syrien oder auch starken Frauen beschäftigen, entstehe vor allem Hass, Rassismus und Sexismus. „Wir versuchen die Kommentarspalten, die voller Hetze sind, ins Positive zu drehen“, erklärt Ley. Zermürbend sei das oft, sich immer wieder mit dem gleichen Schema der Hetzer auseinanderzusetzen. „Aber es funktioniert fast immer: Meist gibt es nach unserer Arbeit mehr positive als negative Kommentare unter einem Artikel.“

In der geschlossenen Facebook-Gruppe tauschen sich die Aktivisten aus und machen sich gegenseitig auf besonders schlimme Hass-Kommentare aufmerksam. Anschließend schwärmen sie aus und posten mehr und mehr sachliche Argumente. So komme es auch immer wieder vor, sagt Ley, dass Nutzer, die hetzen, aufhören und sich zurückziehen. „Schön ist es natürlich, wenn wir mit einigen in den Dialog kommen.“ Bei den richtigen Hetzern hätte man aber keine Chance: „Die wollen nur Öl ins Feuer gießen.“

Sozialen Medien ein menschlicheres Bild geben

Doch warum ist das Engagement der Gruppe überhaupt nötig? „Wir konzentrieren uns auf die großen Publikumsmedien wie ARD, Focus, Welt, ZDF oder Huffingtonpost“, sagt Ley, der beruflich Strategieberater für digitale Kommunikation ist. Es gebe zwar auch sehr vorbildliche Social-Media-Redaktionen, wie bei der Welt oder der tagesschau, die selbst ihre Kommentarspalten moderieren und gegebenenfalls eingreifen, wenn Nutzer rassistisch oder sexistisch werden. „Aber das wird bei einigen Medien nicht gemacht“, sagt Ley und verweist auf Focus oder Bild. Bei ihnen gebe es oft Steilvorlagen, allein mit reißerischen Überschriften: „3,2,1, Hass heißt es da oft.“

Deshalb stünden er und seine Mitstreiter auch in Kontakt zu verschiedenen Redaktionen, um sich dafür einzusetzen, dass die Kommentare besser im Blick gehalten werden. „Man darf das Problem nicht unterschätzen“, warnt Ley. „Es wird zwar auch in der Politik immer mehr davon gesprochen, aber viele wissen nicht, wie groß die Masse der Hetzer wirklich ist.“ Ihm gebe es Hoffnung, dass er nun wüsste, wie viele Menschen sich auch dagegen engagieren. „Es sind so viele mit Herzblut dabei.“ Doch von seinem Wunsch und Ziel, den sozialen Medien wieder ein menschlicheres Bild zu geben, seien sie noch weit entfernt. „So lange werden wir weiter machen.“