Anfang Juni soll nach Informationen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz der erste von wenigstens drei Teilwettbewerben ausgeschrieben werden, damit auf dem Berliner Kulturforum oder nahebei ein weiteres Gebäude für die Nationalgalerie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz entstehen kann. Das Projekt erfreut sich höchster Unterstützung, der Bundestag hat über alle kulturföderalistischen Bedenken hinweg 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Nachdem schon etliche erfahrene Planer, etwa der Berliner Andreas Reidemeister oder der Münchner Stefan Braunfels Konzepte vorgeschlagen haben, wirft nun auch der Hamburger Volkwin Marg sein Gewicht in die Debatte. Am Montag stellte er in einem Fachgespräch bei Bündnis 90/Die Grünen ein Projekt vor, das schon einige Jahre alt ist, aber nun eine ganz neue Bedeutung erhalten hat. Marg ist nicht irgendwer. Das in Hamburg ansässige Büro GMP, von Gerkan, Marg und Partner, gehört seit dem genialen Entwurf des Flughafens Tegel zu den sehr wenigen deutschen Architektur- und Städtebaufirmen, deren Wort international Gewicht hat. Kein Thema ist ihnen fremd, vom Stuhldesign bis zur chinesischen Großstadt wurde so ziemlich alles einmal entworfen.

Am Berliner Kulturforum identifiziert er nüchtern drei städtebauliche Hauptprobleme, die bisher in der Debatte um den Nationalgalerie-Neubau eine viel zu geringe Rolle spielen: Wie wird die überbreite Schneise der Potsdamer Straße bewältigt? Wie der funktionale und intellektuelle Zusammenhang der Museen untereinander gesichert? Und wie können die Freiflächen des Kulturforums zu mehr werden als Abstandsgrün?

Bisher plädieren Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der Senat und die Preußen-Stiftung dafür, den Nationalgalerie-Neubau auf der weiten, wüsten Freifläche zwischen Neuer Nationalgalerie, Philharmonie, Matthäi-Kirche, Museen und Staatsbibliothek entstehen zu lassen. Dabei müssen dafür noch Grundstücke teuer erworben werden. Alternativ wurde über ein schon im öffentlichen Besitz befindliches Grundstück an der Sigismundstraße hinter der Neuen Nationalgalerie debattiert. Doch sei dies, meinen viele Planer und Politiker, zu kraftlos, um das Kulturforum selbst zum Erfolg zu bringen.

Marg schlägt nun vor, dessen Hauptübel, den Autoverkehr, wenigstens ästhetisch verschwinden zu lassen, einen Tunnel für die Potsdamer Straße zu bauen, die Staatsbibliothek so an die Museen heranrücken und im Zentrum des Kulturforums einen luftigen Skulpturen- und Kunstgarten entstehen zu lassen. Dieser würde den Tiergarten erweitern, die Museen, die Philharmonie und die Staatsbibliothek regelrecht in Grün tauchen. In den USA ist diese enge Verbindung zwischen Kunst, Kultur und Natur durchaus üblich und schadet dort auch nicht der Attraktivität der Institutionen.

Den Nationalgalerie-Neubau aber denkt sich Marg an der Sigismundstraße zu errichten. Nur hier könne er als Verbindungsglied zwischen dem Tempel der Neuen Nationalgalerie, der Gemäldegalerie und dem Kunstgewerbemuseum dienen. Marg beschwört die Sammlungen als zeiten- und kulturenübergreifenden Kosmos, der nicht nur aus den Abteilungsgrenzen heraus geplant werden könne. Er verweist auf das Beispiel der Museumsinsel, wo bis zum Krieg und durch die „Archäologische Promenade“ Künftig wieder genau ein solcher Verbindungsweg durch alle Sammlungen existiert habe.

Fehlt nur noch die Straßenbahn

Zweifellos, auf den Zeichnungen sind erschreckend viele Zu- und Ausfahrten zum Tunnel zu sehen, auch fragt man sich, warum nicht viel eher endlich an eine Straßenbahnverbindung gedacht wird. Margs Skizzen für den Nationalgalerie-Neubau erinnern deutlich an den zu Recht heftig umstrittenen Kistenentwurf, den GMP derzeit für die Kunsthalle in Mannheim bauen soll. Auch hat ein Studierenden-Wettbewerb an der Hochschule in Darmstadt im Dezember vergangenen Jahres gezeigt, dass ein Nationalgaleriebau an der Sigismundstraße erhebliche Wirkungen auf den zarten Tempel der Neuen Nationalgalerie haben würde. Und unter der Sigismundstraße sollen wichtige Leitungen verlegt sein, die eine unterirdische Verbindung erschweren.

Dennoch ist Margs städtebauliche Analyse der Situation weit überzeugender als die bisher alleine aus den Interessen der Nationalgalerie herausgedachten Konzepte für das Kulturforum. Es muss endlich, das ist sein Plädoyer, als ein gemeinsamer Organismus gedacht werden, nicht nur als eine Ansammlung von Solitären.