Die 23-jährige Ilgen-Nur Borali wird oft als Slacker-Rock-Queen bezeichnet.
Foto: imago images / Martin Müller

Berlin-FriedrichshainFans von Tocotronic und Die Nerven kennen sie vermutlich schon länger - oder auch treue Lollapalooza-Berlin-Anhänger: Ilgen-Nur Borali. Wahlberlinerin, Songwritern und spätestens seit ihrem 2019 erschienen Debüt: die deutsche Slacker-Rock-Queen! 

Mit Tocotronic war sie auf Tour, Max Rieger von Die Nerven hat ihr Album produziert und auf dem Berliner Festival Lollapalooza hat sie im letzten Jahr gespielt. Sie ist die Antwort auf all jene gelangweilte Teens, die genug von Leistunsgdruck und dem stetig Selbstfindungs- und Anpassungswahn haben. Und das musikalisch einfach nur lässig und cool in Rockmusik verpacken kann - was sie am Samstagabend in in der ausverkauften Katine am Berghain, erneut bewiesen hat.

Ilgen-Nur spielt zwei ausverkaufte Konzerte in der Kantine am Berghain

240 Fans sind zu dem ersten von zwei ausverkauften Konzerten in der Kantine gekommen (das zweite ist am 26. Januar). Sie geben sich ähnlich cool wie die 23-jährige Liedermacherin - sind bereit für einen Ausflug aus dem tristen Alltag, der sogleich mit ordentlich Rumms und ohne Ansage startet. Vor einem glitzernden Paillettenvorhang und in schwarzen Outfits spielen Ilgen-Nur und ihre dreiköpfigen Band schnell und wild die ersten Songs aus dem Debüt „Power Nap" runter.

Die verträumte aber irgendwie doch ernste Indierock-Nummer „Nothing suprises me“ und die kreischende Jugendhymne „17“ etwa. Die Zuschauer nicken angeregt und wippen mit den Füßen. Die Band spielt zu Beginn zwar lauter als ihre Sängerin singt, doch die Fanggemeinde stört dies nicht. „Geil“, ertönt es aus den hinteren Reihen.

Ilgen-Nur ist schnell in ihrer eigenen Welt. Man nimmt dies der jungen Frau aber nicht böse - auch nicht, dass sie erst nach einigen Liedern „Hi“ sagt und sich im trockenen Ton beschwert, wie „gammlig“ man bei ihrer Vorband Monako geklatscht habe. Denn genau diese ehrliche und herrlich trockene Art machen sie und ihre Texte so sympatisch. 

Shout out an die süße Maus

Sängerin Ilgen-Nur über einen jungen Fan

Bevor sie ihr Lied „TV“ spielt - ein Stück über ihre jungen Jahre vor dem Fernseher - erzählt sie, dass beim Soundcheck ein fünfjähriges Mädchen dabei war, weil diese wohl zu jung fürs Konzert ist. Und dieses Mädchen liebe den TV-Song, also spielte sie ihn - guckte sie aber nicht an. „Ich kann irgendwie nicht mit Kindern, sie machen mir Angst“, sagt Ilgen-Nur und fügt hinzu: „Shout out an die süße Maus.“

Ilgen-Nur ist selbst in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen und zog mit 18 Jahren nach Hamburg, wo sie inspiert von der Lo-Fi-Szene dann im Jahr 2017 ihre erste EP „No Emotions“ veröffentlichte. Die darauf enthaltene Single „Cool“ brachte ihr schnelles Ansehen, auf YouTube wurde es in den ersten Tagen mehrfach geteilt. Im letzten Jahr folgte das Debüt und darauf die Tour.

Manchmal sei das Leben eine „bittere Bitch“

„Cool“ ist auch einer der Höhepunkte der Show in der Kantine am Berghain, in der Ilgen-Nurs Stimme den Raum mit ihrer coolen, lethargen Altstimme einnimmt, während mittlerweile grelle Scheinwerfer durch die stickige Luft leuchten. „Just trying to be cool, but I feel like a fool“, singen die Zuschauer im Refrain mit. Und ehe der Song zu Ende geht, fangen die ersten schon an, „Zugabe“ zu schreien. „Chillt“ sagt Ilgen-Nur und entschuldigt sich noch, dass das Konzert zuvor verschoben werden musste, da sie krank war. Aber manchmal sei das Leben eine „bittere Bitch“.

Nun spielt sie noch ergreifend ihren Indierock-Hit „Easy Way Out“, ehe sie eine endlos verspielte Nummer von „No Emotions“ gibt, bei der sie sich gekonnt Gitarre und Gesang emotional hingibt und auch mal kreischt. Aber wer sie kennt, weiß, dass sie Widersprüche nun mal gut kann. Und wenn nicht, ist sie einfach dennoch cool.