In der Bar jeder Vernunft erschien Vladmir Korneev ohne Brille.
Foto: Laura Maria Görner

BerlinVladimir Korneev gilt in Berlin mittlerweile als Spezialist für Pathos und große Gefühle. „Youkali“, sein neues Programm in der Bar jeder Vernunft, hat dieser Besitzer eines prächtigen Baritons nun Kurt Weill gewidmet. Der Abend ist nach dem gleichnamigen Chanson benannt, das Weill im Pariser Exil für die Oper „Marie Galante“ schrieb. 

Es ist ein Sehnsuchtslied, und wie man später erfährt, versteht der 33 Jahre alte Korneev von Sehnsucht ziemlich viel. Darauf verweist schon das Bild von einer Steilküste bei Sonnenuntergang, das auf dem Flügel steht. Die Eltern hätten es als eines der wenigen Besitzstücke auf ihrer Flucht aus Georgien mitgebracht, erst habe es im Auffanglager in Berlin an der Wand gehangen, später im Asylbewerberheim, dann in der Augsburger Wohnung und nun bei ihm in Prenzlauer Berg, erzählt er. Und er habe sich mit Hilfe dieses Bildes zurück zur Großmutter geträumt, bei der er aufwuchs, die aber in Georgien zurückblieb.

 Viel mehr als ein Sänger

Korneevs Interpretation eben dieses Liedes offenbart aber auch ein Problem dieses Abends. Sehnsucht und  Innigkeit  drückt man nicht aus, indem man stimmlich mit aller Kraft die Lautstärke hochdreht. Das gilt auch für seine Darbietung von „Train du Ciel“. Und irgendwie passt auch rot angeleuchteter Bühnennebel nicht recht zu Kurt Weill und seinen Liedern. Bei anderen Stücken funktioniert Valdimir Korneevs Zugang dagegen gut.

Die „Seeräuberjenny“ aus der „Dreigroschenoper“ etwa hat man so noch nicht gehört. Korneev widmet sich auch den Werken, die Weill in seiner nächsten und letzten Exil-Station New York schuf. „Wouldn’t You Like to Be on Broadway", singt er nicht nur,  er tanzt es auch mit Verve und Präzision, und beweist erneut, dass er viel mehr ist als ein Sänger.

Eine Unterrichtsstunde

Ganz klar im Vorteil ist Korneev als Russisch-Muttersprachler  bei „Tschaikowsky“, bei dem fünfzig russische oder zumindest russisch klingende Komponistennamen in einem immer rasender werdenden Stakkato vorgetragen werde.  Zwischendurch liest Korneev aus Briefen von Kurt Weill und Lotte Lenya. So ist dieser Abend auch eine Unterrichtsstunde.

Der Jubel im Zelt erzwang so viele Zugaben, dass Korneev  die Weill-Stücke ausgingen und er zum Lieblingslied seiner Mutter griff: „Moskauer Nächte“.  Hier stimmte dann alles.

Youkali 13., 18., 19. 3., Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Karten: 883 15 82