Das Porridge Bärenkater im Haferkater in Berlin in der Nähe des U-Bahnhofes Eberswalder Straße.
Foto: Markus Wächter/Berliner Zeitung

BerlinHaferbrei und Haferschleim lösen bei mir Kindheitserinnerungen aus – und nicht die besten. Wenn mir sehr übel war, ich nicht vom Klo runterkam und schon gar nichts essen wollte, kochte mir meine Mutter eine Haferschleimsuppe mit dem Hinweis, sie sei gut für die Magenschleimhaut. Schleim – da war es wieder, dieses Wort, das rein gar nichts Appetitanregendes hat.

Die Briten haben das besser gelöst: Sie kochen Porridge. Das klingt zumindest wie eine Gemüseart, und es ist dort viel beliebter, vor allem zum Frühstück. In den schottischen Highlands gibt es seit über 25 Jahren sogar eine Porridge-WM, hier in Berlin seit knapp fünf Jahren den Haferkater.

Bisher habe ich um den Laden, der sich auf Hafergerichte spezialisiert, einen Bogen gemacht. Das geht nun nicht mehr. In Berlin existieren zwei Läden, in sechs deutschen Großstädten je eine Filiale, weitere sind geplant.

Haferkater in der Nähe des U-Bahnhofes Eberswalder Straße

Haferschleim als Berliner Exportschlager, das ist lustig, denke ich. Die drei Gründer waren klug genug, ihr „signature dish“ umzubenennen: Auf der Karte stehen weder Haferbrei noch Hafergrütze oder gar Haferschleim. Die verschiedenen Zubereitungen heißen Apfelkater, Bärenkater, Knusperkater und Ziegenkater.

Hier liegt das Haferkater in Berlin. Zu finden in der Nähe des U-Bahnhofes Eberswalder Straße.
Grafik: Hecher/Berliner Zeitung

Ersterer ist bei den Anfängern, wie die Bedienung sie nennt, sehr beliebt, weil der süße Geschmack des Apfelmuses und die Nüsse dominieren. Letzterer, der Herzhafte mit Frischkäse aus Ziegenmilch, Birne, Walnüssen, Honig und Thymian, werde sowohl zum Frühstück als auch mittags gern gegessen, im Angebot sind zudem Brote und eine Quinoa-Bowl.

Die Verstärkung, die ich zum Testen mitnehmen wollte, ist abgesprungen, weshalb es wohl bei einem Porridge bleiben wird. Um 7 Uhr morgens macht der Haferkater nahe der U-Bahn Eberswalder Straße auf, ich bin unter den ersten Gästen. In der folgenden Stunde herrscht im großen Laden mit den dicken Holztischen, Hockern und Makramee-Blumenampeln ein reges Kommen und Gehen.

Ich habe mich für den Bärenkater entschieden, der erstaunlich schön aussieht. Er wird warm, leicht dampfend serviert – oben drauf gestreut sind Bananenscheiben, getrocknete rote Goji-, Preisel- und helle Maulbeeren sowie dunkle Chiasamen. Aber dann kommt sie doch, die befürchtete schleimige Konsistenz – und siehe da, sie ist gar nicht schlimm, im Gegenteil.

Überraschenderweise schmeckt das Schleimige, welches sich wie eine Hülle um die aufgequollenen Haferflocken legt, eher angenehm cremig, es ist leicht salzig und hat eine zarte Honigschicht. Mit beiden Geschmacksrichtungen, dem Salzigen und dem Süßen, wurde jedoch sparsam umgegangen, sie halten sich exakt die Waage.

Mit dem Stempelkärtchen zum Haferkater

Der Hafer wird täglich frisch in der Haferquetsche geflockt und geröstet, dann einen Tag lang mit Wasser und Salz geköchelt.

Biss erhält der Brei durch die Trockenfrüchte, die die Süße leicht verstärken, ebenso passt die eher feste, nicht matschige Banane wunderbar. Schön wären vielleicht noch frische rote Früchte.

Ich muss zugeben, dass der Brei bis zum letzten Löffel schmeckt. Er wird weder klumpig noch schwer, eher sogar zunehmend besser, weil die Trockenbeeren allmählich ihr Aroma abgeben. Zurück bleibt – zumindest nach der kleinen Portion – auch kein unangenehmes Völlegefühl.

Die meisten Gäste, merke ich, sind Wiederholungstäter und nicht zum ersten Mal hier. Sie haben ein Stempelkärtchen. Wer sieben Breie konsumiert hat, bekommt einen geschenkt. Auch ich lasse mir eines geben, was ich sonst nie mache. Und weil es so gut war, kaufe ich noch einen Knusperkater im recycelten Kartonbecher to go – für meine Verabredung, die abgesprungen ist.

Haferkater I, Eberswalder Str. 26, Prenzlauer Berg. Mo–Fr 7–18 Uhr, Sa–So 8–19 Uhr

Eine kleine Portion (300 Gramm) kostet 3,80, eine große Portion (400 Gramm) 4,30 Euro. Brote kosten 3,90–6,20 Euro, die Bowl 7,90 Euro.