Dies ist Mark Wahlbergs erste richtige Hauptrolle als Charakterdarsteller. Nur ein außerordentlicher Partner konnte dem einstmaligen Calvin-Klein-Model, HipHop-Sänger und aufstrebenden Schauspieler („Boogie Nights“, „Departed: Unter Feinden“) diese schauspielerische Leistung entlocken: ein sprechender, saufender, rülpsender, koksender und dauerbrünstiger Teddybär. Bei dem es sich allerdings weder um eine unter pädagogisch-therapeutischen Verwänden in Szene gesetzte Handpuppe handelt (wie in Jodie Fosters Tragikomödie „Der Biber“), noch um einen kindgerechten und niedlichkeitsheischenden Außerirdischen (wie in Steven Spielbergs „E.T.“). Nein, dieser Teddy ist vollkommen autonom und von dieser Welt – beinahe jedenfalls.

Wünsch dir was

Und das kommt so: Eines Nachts fantasiert sich der kleine John in den Schlaf: Ein Kampfhubschrauber, das wäre doch schön, und ein Teddy, der sprechen kann. Der unwahrscheinlichere von den beiden Wünschen wird ihm erfüllt; vermutlich sind himmlische Kräfte im Spiel, wie eine fallende Sternschnuppe im Augenblick der Wunschäußerung uns zu verstehen nahelegt. Weniger erhaben ist allerdings, was dann folgt. Am nächsten Morgen kann John nach einem ersten Schreck sein Glück kaum fassen, seinen Eltern geht es kurz darauf ebenso. Es folgt die mit viel Medienunterstützung schnell hergestellte weltweite Berühmtheit des Teddys, die irgendwann in ein beschauliches Privatleben mündet. Dann folgt ein Zeitsprung, 20 Jahre später.

Es herrscht der Alltag, und die eigentliche Handlung von „Ted“ kann beginnen. Der jetzt von Mark Wahlberg gespielte John geht einer geregelten Arbeit nach, liebt seine bezaubernde Lori (Mila Kunis) und wohnt mit seinem Teddy, dem er in Kindheitstagen ewige Treue schwor, immer noch in einer verräucherten Junggesellenbude zusammen. Der Konflikt ist programmiert: John sollte sich endlich altersgemäß verhalten und ernsthafter um seine Lori bemühen, was allerdings nur zu Ungunsten des beseelten Stofftieres möglich scheint. Vordergründig besehen, haben wir es bei dem Film von Seth MacFarlane also mit einer Art verspäteten Coming-of-Age-Drama zu tun – inklusive der Themen Freundschaft und Verrat.

Ein hinreißendes Gesamtkunstwerk

Das ist fraglos ernst. Allerdings wäre der Regisseur Seth MacFarlane nicht der insbesondere durch seine Zeichentrick-Serien „Family Guy“, „American Dad“ und „The Cleveland Show“ ausgewiesene Trash-Experte, wenn er nicht auch bei diesem Film noch ein paar Zusatzfeatures eingebaut hätte. Die ohnehin schon recht gewagte Geschichte wird also noch toller: Vom exzessiven Drogenkonsum und dergleichen mehr war bereits die Rede, doch bietet „Ted“ darüber hinaus die welterste Hotelzimmerzerstörungsszene in der Filmgeschichte, bei der ein Mensch und ein Stofftier tun, was sonst nur Rockstars vorbehalten ist. Auch lernen wir, dass Kinder und ihre Spielzeugsucht mehr Grausamkeit freisetzen, als es ein Hannibal Lecter je vermochte.

„Ted“ strotzt nur so vor filmischen Referenzen und popkulturellen Klischees. Lustvoll wühlt er noch den letzten großartigen Schrott hervor und huldigt ihm. So dürfen wir uns über einen Gastauftritt des legendären Sam J. Jones erfreuen, und zwar als er selbst, das heißt als Flash Gordon aus der gleichnamigen episch-skurrilen Science-Fiction-Oper von 1980, die heute noch wegen ihrer geschmacklosen Kostüme, plump-sinnfreien Dialoge und superbilligen Spezialeffekte zu überzeugen weiß – und natürlich wegen der Musik von Queen. Apropos Musik: Die Sängerin Norah Jones tritt ebenfalls als sie selbst auf – und zwar bei dem gründlich schief gehenden Versöhnungsversuch von John, dem im Zuge seiner Teddy-Anhänglichkeit der endgültige Verlust von Lori droht.

Vor diesem Hintergrund spielt also das Erwachsenwerden. Seth MacFarlane inszeniert den Teddy nicht nur als Symbol für das Kind im Mann, das wäre wohl auch allzu küchenpsychologischer Mumpitz. Vielmehr gelingt ihm gemeinsam mit Mark Wahlberg ein in seiner Trash-Seligkeit hinreißendes Gesamtkunstwerk, bei dem zwar unklar bleiben mag, welche Zuschauergruppe den Produzenten vor den Augen schwebte, das aber äußerst präzise den allgegenwärtigen wie wunderbaren Irrsinn unseres wohl nie abgeschlossenen Erwachsenwerdens rekonstruiert. Und das nebenbei mit der keineswegs nur hocherfreulichen Pointe aufwartet, dass wir unser Glück allein der unendlichen Klugheit der Frauen verdanken.

Ted USA 2012. Buch & Regie: Seth MacFarlane, Kamera: Michael Barrett, Darsteller: Mark Wahlberg, Teddy, Mila Kunis, Parker Selfridge, Sam J. Jones, Norah Jones u. a.; 106 Minuten. Farbe. FSK ab 16.