Während der nazideutschen Okkupation kam rund ein Viertel der Belorussen um. 692 Dörfer wurden mitsamt ihrer Bevölkerung verbrannt. Ein unvergessenes Trauma, das nach wie vor auch in Filmen präsent ist. Unter dem autoritären Präsidenten Lukaschenko wird es allerdings vor allem patriotisch-heroisch instrumentalisiert. So wie schon zu Sowjetzeiten, als aber Elem Klimov 1985 immerhin nach jahrelangem Behinderungen seinen radikal realistischen Antikriegsfilm „Komm und sieh“ durchsetzen konnte. Einige Jahre zuvor hatte seine Lebensgefährtin Larissa Schepitko bereits einen Goldenen Berlinale-Bären für ihren „Aufstieg“ (alternativer Titel: „Die Erhöhung“; 1977) erhalten, den sie nach einer Partisanennovelle des belorussischen Nobelpreis-Kandidaten Vasyl Bykau gedreht hatte.
Da Bykaus Engagement für ein demokratisches, unabhängiges Belarus ihn zu einem persönlichen Gegner Lukaschenkos machte und ins Exil trieb, war es couragiert, dass der 1964 in Belarus geborene und heute mit ukrainischem Pass in Berlin lebende Sergej Loznitsa in seinem zweiten Spielfilm „Im Nebel“ wieder eine Bykau-Novelle verfilmte. Zumal dieser von Deutschland, Russland, den Niederlanden und Lettland, aber auch von Belarus koproduzierte Film programmatisch antiheroisch und keinesfalls patriotisch ist. Da er ebenso wie schon Loznitsas Spielfilmdebüt „Mein Glück“ im Wettbewerb von Cannes gezeigt wurde und dort den Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik erhielt, konnte er jetzt sogar das Minsker „Listapad“-Festival eröffnen.

Ein Film ohne sakrale Überhöhung

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