Sting wurde in der Kategorie „Hero“ für seine Lebensleistung ausgezeichnet.
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BerlinViele geladene Gäste, aber auch viele Besucher mit eigens gekauften Eintrittskarten hatten sich am Freitagabend in die, so der Rockstar Sting, “schöne neue Verti Music Hall” begeben, als hier erstmals der International Music Award (IMA) gefeiert wurde.

Nachdem die Rapper Farid Bang und Kollegah beim an deutschen Verkaufszahlen orientierten ehemaligen Industrie-Standard-Preis Echo für ein Werk ausgezeichnet worden waren, das unter anderem mit Anti-Semitismus kokettierte, entstand ein Skandal. Der Preis wurde eingestellt und nun durch den IMA ersetzt. Vom Axel Springer Verlag ins Leben gerufen und vom bei Springer angesiedelten Rolling Stone Deutschland ausgerichtet, bildet dieser neue Musikpreis also nicht die Beliebtheitsrealität aktueller Popmusik beim deutschen Publikum ab – die in den letzten Jahren, die politischen Entwicklungen widerspiegelnd, stark von mehr oder weniger nationalistischem Schlager und eben antisemitischem Gewaltrap geprägt war – sondern versteht sich mehr als impulsgebendes Statement: So wurden in sechs Kategorien wie “Commitment” für Engagement oder “Future” für vielversprechende Newcomer – von einer großen Jury aus Musikjournalistinnen sowie namhaften Musikerinnen und Musikern wie Charli XCX oder Liam Gallagher die Preisträgerinnen und Preisträger gewählt.

Rammstein erschienen nicht selbst

So konnte es etwa geschehen, dass eine nur mäßig mainstreamtaugliche Künstlerin wie Holly Herndon den “Innovation”- Preis für ihre stimmverfremdenden Techno-Engel- Exkursionen erhielt, dass Peaches anlässlich der Verleihung des “Performance”-Ordens an die Gruppe Rammstein – welche kurz vor der Zeremonie abgesagt und zwei Fanclubleiter geschickt hatten, den Award entgegenzunehmen – mit voller Band und zahlreichen halbnackten Tänzerinnen und Tänzern das Rammstein-Stück “Du hast” in ein glorreich trashiges Queer-Metal- Disco - Manifest verwandelte und dass die für ihre Body Positivity bekannte Rapperin Lizzo den Style-Award bekam.

Sting nimmt Award in der Kategorie „Hero“ entgegen

Aber auch mittelalte bis alte weisse Männer kamen nicht zu kurz, Max Herre moderierte “Mädchen aus Ost- Berlin” singend Udo Lindenberg an, welcher seinerseits später aus seiner Teleprompter- Ansage für die Verleihung des “Hero”- Lebenswerk- Preises an Sting eine memorable Comedy-Performance machte; der Preisträger selbst spielte zum Abschluss dann zwei seiner schönsten Erfolge, nämlich “If you love somebody set them free” und “So lonely”.

Udo Lindenberg wurde mit dem „Courage“-Preis ausgezeichnet.
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Durch den Abend führten der Schauspieler und Sänger Billy Porter und das Top- Model Toni Garrn, ein an sich sympathisches Paar, das allerdings den Umgang mit dem Teleprompter noch ein bisschen üben sollte, Udo Lindenberg war da lustiger.