Achtung, liebe Imbiss-Freunde, heute wird’s banal, brav und bescheiden dazu. Kurz: Es wird herrlich, himmlisch, herzerwärmend und heimelig. Worum geht es? Um den Hotdog, den banalsten, bravsten, bescheidensten Imbiss der Welt. Um ein warmes Brühwürstchen in einem Brötchen, weich und schlabbrig im Mund. Um den kleinsten gemeinsamen Nenner in der globalen Fast-Food-Sphäre, um eine Portion Glück, Wärme und Trost in einer komplizierten Welt, um eine kleine schnickschnackfreie Zone.

So viel zur Philosophie, nun die Basisdaten: Der Hotdog wurde angeblich in Frankfurt am Main erfunden, vor Jahrhunderten schon, von Auswanderern dann nach Amerika mitgenommen und dort speziell in New York vom deutschen Migranten Charles Feltman im Handkarren zum Erfolgsprodukt weiterentwickelt. Hotdog wurde die Wurst im Brötchen bald genannt, weil sie erstens heiß und zweitens bisweilen auch Hundefleisch in ihr zu finden war. Angeblich hielten im 19. Jahrhundert speziell deutschstämmige Metzger wurstförmige Hunde, also Dackel, die sie offenbar zweitverwerteten. Darf man das glauben?

Eine Freundin dänischer Hotdos

Heute gibt es dackelfreie Hotdogs überall auf der Welt. Im Laufe meines Lebens, in dem ich recht häufig an der deutsch-dänischen Grenze landete, bin ich Spezialfreundin des dänischen Hotdogs geworden. Der wird mit rot eingefärbter Wurst – rød pølse – im länglichen Weizenbrötchen gereicht. Die Wurst wird kogt (gekocht) oder risted (gebraten) angeboten, ich liebe sie gekocht, wenn schon schlicht, dann schlichtest. Als Garnierung gibt es Senf (nicht zu scharf, wird aufs Brot gestrichen), Ketchup und dänische Remoulade (mit Blumenkohl!), Röstzwiebeln und süßsaure Gewürzgurkenscheiben, die beim ersten Abbeißen garantiert runterfallen. Nicht ärgern, muss so sein.

Und wo landen die Gurkenscheiben idealerweise? Wo gibt es den besten dänischen Hotdog (nein, nicht bei Ikea, ganz sicher nicht)? Ganz leicht: Wenn man die Scheiben auf den Boden hat platschen sehen und den Blick wieder hebt, sollte man Wasser vor sich haben, am besten Salzwasser.

Etliche Orte nördlich von Berlin bieten eben diese perfekte Hotdog-Seelage, zwei kann ich besonders empfehlen. Da ist erstens Annies Kiosk am Fjordvejen in der dänischen Ortschaft Sønderhav bei Flensburg und zwar direkt an der Förde, den Ochseninseln gegenüber. Hotdoghav wird dieser Flecken von Kennern genannt; schon seit 1936 gibt es hier Hotdogs im weißen Papier, sehr gute, frische, und natürlich leichtes dänisches Bier. Annie Bogild verkauft sie seit 1966, zunächst als Angestellte, seit 1984 als Chefin. Über die Theke ihrer schlichten Bude gehen täglich Hunderte Hotdogs; unter den Stammkunden befinden sich auch Biker, was bisweilen zu Lärm, Streit und Stunts auf der Uferstraße führt. Trotzdem: ein magischer Ort.

Dänische Hotdogs in Berlin

Magisch-skurril ist auch der Hotdog-Stand von Buldur Ingi Halldorsson am Hafen von Reykjavik. „Bæjarins Beztu Pylsur“ – „die besten Würste der Stadt“ –, so steht es in Rot an der Bude, die ansonsten wenig anziehend wirkt hinter der ollen Bretterwand, die den Blick auf das Wasser versperrt. Aber man kann ihn riechen, den Atlantik, und ihn sehen, wenn man ein paar Schritte geht mit dem Hotdog. Halldorssons Bude wurde von Halldorssons krankem Urgroßvater, einem Fischer, der nicht mehr zur See fahren konnte, 1937 eröffnet. Sie ist also älter als die Republik Island.

Man isst hier den isländischen Hotdog in Reinform, also einen oder zwei oder drei davon mit Würstchen aus Lammfleisch. Einer allein kostet umgerechnet 2,40 Euro – ein Schnäppchen auf der ebenso schönen wie ruinös teuren Insel. Idealerweise bestellt man „ein med öllu“, einen mit allem, also Ketchup, Remoulade, Senf und Zwiebeln. Gurken gibt’s hier nicht.

Und wo bekommt man einen guten Hotdog in Berlin? In der Schöneberger Goltzstraße, jawohl, und das seit 1992 schon. „Der Hot Dog Laden“ ist keine Bude, eher eine Art Späti. Dort gibt es die dänische Variante in Neuland-Wurstqualität für 2,40 Euro. Ganz exzellent, nach wie vor. Seesicht gibt’s leider nicht, aber ein nettes Bänkchen zum Sitzen. Reicht im Notfall auch.

„Der Hot Dog Laden“, Goltzstraße 15, 10781 Berlin

Weitere Geschichten, Gedanken, Empfehlungen und Warnungen aus der Welt des schnellen Speisens finden Sie hier.