Immer noch so männlich, immer noch so weiß

Die einstige Anwältin April Reign hat 2015 das Hashtag #OscarsSoWhite erfunden. So sieht die Zusammensetzung der Akademie heute aus 

Berlin- Die Stunde der Oscarverleihung ist immer wieder auch die Stunde von April Reign. Leider. Vor fünf Jahren hat sie #OscarsSoWhite ins Leben gerufen, um den Mangel an Diversität bei der Veranstaltung zu kritisieren. Nach 20 Jahren als Anwältin ist sie zur Aktivistin geworden, die um die Welt reist, um sich für Vielfalt und Inklusion in der Unterhaltungsindustrie einzusetzen.  

April Reign kämpft für Diversität  - nicht nur in Hollywood.
April Reign kämpft für Diversität - nicht nur in Hollywood.AFP

Beste Regie: Fünf Männer, keine Frau

In ihrer jüngsten Kolumne zur Oscarverleihung 2020 in der amerikanischen Filmzeitschrift Variety zieht April Reign einen vielsagenden Vergleich: 2015 waren 92 Prozent der Akademie-Mitglieder weiß und 75 Prozent  männlich. Dieses Jahr sind 84 Prozent weiß und 68 Prozent männlich – ein recht überschaubarer Fortschritt. Man kann kaum anders, als eine Verbindung zu den Nominierten festzustellen:

In der Kategorie Beste Regie sind es fünf Männer und keine Frau. Bei den Darstellern in Haupt- und Nebenrollen 19 Weiße und eine Schwarze. Und bei den besten Filmen wurden acht von Männern gedreht und einer von einer Frau. Es handelt sich um „Little Women“  von Greta Gerwig, bei der man sich fragt, warum sie nicht in der Kategorie Beste Regie nominiert wurde.

"Verkalkte" Auswahl

Da reinzukommen, ist für Frauen wohl besonders schwer. April Reign beklagt, dass die Akademie-Mitglieder in der 91-jährigen Geschichte der Oscars nur fünf Mal eine Frau in dieser Kategorie nominiert haben. „Einmal ist es Zufall, beim zweiten Mal ist es der Beginn eines Musters“, sagt April Reign. In den Frühzeiten des Films mag es keine Regisseurinnen gegeben haben, aber das Muster, das sich in dieser Zeit etabliert hat, hätte man längst verändern müssen.

Die Rückwärtsgewandtheit zeigt sich sogar in den Themen der Filme selbst, die sich mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg befassen („1917“, „Jojo Rabbit“) dem vergangenen Glanz Hollywoods („Once upon a time...“) oder einem irischen Kriegsveteranen, der sich mit der Mafia einlässt („The Irishman“). Verkalkt nannte Richard Brody, der Kolumnist des New Yorker, die Auswahl.

Wie werden Entscheidungen getroffen?

Klar, es geht um Qualität, das sieht April Reign nicht anders. Und sicher ist es schwierig, Regisseurinnen, Filme und Schauspielerinnen zu nennen, die stattdessen auf der Liste stehen sollten. Aber wie soll man gewinnen, wenn man gar nicht dabei ist?  „Es geht darum, darüber zu diskutieren, wie bestimmte Entscheidungen getroffen werden“, sagt April Reign. Diese Diskussion will sie vorantreiben. Sie habe es nie bereut, deshalb ihre Arbeit als Anwältin aufgegeben zu haben.