Berlin - Gestern früh am Beckenrand im Culle, wie die Einheimischen das Neuköllner Columbiabad nennen, fielen mir zwei junge Frauen auf. Beide trugen ein schmales Pflaster am linken Oberarm. Genau wie ich! Ich suchte Blickkontakt, deutete auf mein eigenes. Die beiden lachten, nickten, reckten den Daumen nach oben. Welcome to the Club! „Erste oder Zweite?“, fragte ich.  „Erste.“ Ist klar, was gemeint ist, oder?

Wir gehören dem Club der Erstgeimpften an, der in Deutschland wächst und wächst. An unseren Pflastern könnt ihr uns erkennen. Ich hätte meines längst abmachen können,  wahrscheinlich war da nicht mal ein Blutstropfen, fein wie die Nadel war. Eine Impfnarbe werden wir nicht zurückbehalten, aber eine Zeitlang eben das Pflaster, wenn wir wollen. Ich freu mich jedenfalls jeden Morgen über den Anblick. Das Erkennungszeichen ist dank des Berliner Sommers auch außerhalb der Freibäder präsent. Armfrei ist angesagt.

Wie einst der Stempel vom Club

Mit dem Pflaster ist es ein bisschen so wie früher mit dem Stempel, den man am Eingang eines Clubs bekam. Den wollte ich auch nie abwaschen. Der Clubstempel repräsentierte die Erinnerung an eine rauschende Nacht, das Pflaster die Aussicht auf eine solche. Ein Kollege schlägt vor, es zu beschriften: Klebt hier schon seit 14 Tagen. Als Signal, dass ich „sauber“ bin. Jedenfalls nach der zweiten Impfung. Er selbst bekam Johnson & Johnson und braucht keine zweite. Auch den Impfstoff könnte man auf dem Pflaster ausweisen. Er hat seins aber schon abgemacht.

„Willkommen im Paradies“, sagte der Ordner zu mir, als ich im Terminal C des Flughafens Tegel vor der Impfkabine stand, im Impfzentrum. Er sagt diesen Satz zu jedem einzelnen, der an ihm vorbeizieht. Die Frau vor mir fing eine Diskussion mit ihm an: Von Paradies könne wohl kaum die Rede sein. Er aber klopfte auf seinen Oberarm und sagte: „Doch, doch. Ohne das hier bekommen wir unsere Freiheit nicht zurück.“ Das  Pflaster ist das sichtbare Unterpfand dafür.