Ein Stapel aus deutschsprachigen Neuerscheinungen auf der Frankfurter Buchmesse 2019.
Foto: dpa/ Boris Roessler

Frankfurt/M.„Worte esse ich. Sie sind Leben. Mein Leben.“ Das hat jemand mit einer Schreibmaschine auf ein weißes Blatt getippt. Es hängt mit vielen anderen in einer großzügig gestalteten Ecke von Halle 3 auf der Frankfurter Buchmesse. Hier können sich jene treffen, die noch nicht von einem der mehr als 7400 ausstellenden Verlage betreut werden. „Frankfurt Authors“ bietet ihnen zwei Lesebühnen und Beratung.

Gegenüber schreiben zwei Autorinnen live am Stand. Die Betreiberin einer „Romanschule“ wählte sie aus den Teilnehmern ihres Online-Kurses. Nun sitzen sie die fünf Messetage lang über Eck vor ihren Laptops, füllen das vorher besprochene Handlungsgerüst aus – auf einem Bildschirm Wort für Wort mitlesbar für vorbeispazierendes Publikum. Die Zeit drängt, denn am Sonntag geht die Buchmesse zu Ende.

Die Bedeutung des Buches und des Buchmarkts verändern sich durch die digitale Revolution. Die weltgrößte Buchmesse ist deshalb offener geworden für die Formen der Literatur-Leidenschaft, die über das traditionelle Handel-Verlag-Autor-Verhältnis hinausgehen. Deshalb wurden am Freitag zum dritten Mal Blogs ausgezeichnet: Literaturkritik und Buchwerbung finden längst nicht mehr nur in den Zeitungen statt, sondern online, auf Instagram, Facebook, Youtube und in Podcasts.

Frankfurter Buchmesse: Erstmals Deutscher Verlagspreis vergeben

Deren Betreiber eint das Bedürfnis, auf das ihrer Meinung nach Lesenswerte hinzuweisen, auf vieles auch, was anderswo übersehen oder aussortiert wird. Die Preisträgerin Nicole Seifert zum Beispiel konzentriert sich mit ihrem Blog „Nacht und Tag“ auf Literatur von Frauen.

Geehrt wurde auch ein Verlagsblog, geführt von Red Bug Books aus Potsdam. Das stellt die eigenen Bücher neben vielen anderen vor, gibt Schreibtipps und kommentiert Debatten, wie gerade die um Peter Handke und die mögliche oder notwendige Trennung von Werk und Autor. Andere Verlage, insgesamt 312, hatten sich um den zum ersten Mal vergebenen Deutschen Verlagspreis beworben, initiiert von der Staatsministerin für Kultur.

Zur Preisverleihung am Freitagnachmittag entstanden Gruppenfotos in Serie, denn der Preis soll „in der Fläche wirken“. Er unterstützt 60 kleine und mittlere Verlage quer durch Deutschland mit je 15.000 Euro. Schon die Aufzählung Berliner Beispiele wie Alexander, Berenberg und CulturBooks hier ist ungerecht, weil so viele fehlen. Die drei Hauptsieger, der Hädecke-Verlag, der kookbooks-Verlag und Spector Books, erhalten jeder 60.000 Euro.

Monika Grütters beschrieb am Freitagabend den Preis als eine Liebeserklärung an die Buchkultur in Deutschland, als Rückendeckung für kleine Verlage in Zeiten der Konzentration auf dem Markt. Die Freiheit des Wortes brauche verlegerischen Mut „für die Kraft des besseren Arguments, für publizistische und literarische Vielfalt und für eine Lesekultur, die diesen Namen auch verdient.“ Da fährt man glatt optimistisch nach Hause.