Berlin - Queen-Fans klatschen gern in die Hände. Das Konzert hat noch nicht angefangen, sie pfeifen und klatschen vor Glück in der nahezu ausverkauften Halle am Ostbahnhof. Endlich Queen, endlich wieder Rock’n’Roll! Sie freuen sich. Manche haben Feldstecher dabei, um von den Rängen sehen zu können, was sich auf der Bühne alles abspielt, als der Vorhang schließlich fällt.

Dort passiert dann folgendes: nebelumhüllt, mit grauer Barocklocken-Frisur schlägt Brian May die berühmten Akkorde von „One Vision“ an, er turnt dann schwarz gekleidet mit weißen Sneakers die Empore herunter. Begleitet wird er vom Queen-Gründungsmitgliedsgenossen Roger Taylor am Schlagzeug. Es ist ein kraftvoller und lauter Anfang, der von den Fans mit viel Applaus begleitet wird.

Wer schreit denn da so?

Man kennt das Lied, man erinnert sich an den Sound, froh sind die Menschen, diese Gesichter ihrer Jugend zu sehen, aber was ist das für eine fremde Stimme, wer schreit denn da so?

Es ist der 33-jährige Adam Lambert. Der Freddie Mercury-Ersatz, der in Lederkluft und mit Goldschmuck wie ein junger George Michael aussieht, der von Harald Glöööckler eingekleidet wurde, singt, wie er es eben kann. Seine Stimme hat keine besondere Tiefe, aber laut ist sie. Gelegentlich schleckt er mit seiner Zunge das goldene Mikro ab, er schaut dazu ganz schön gefährlich sexy und aufgegeilt ins Publikum, so mit der Hand am Schritt. Oftmals hängt er am Ende einer gesungenen Zeile ein Verzierungs-Yeah dran, es soll betonen, wie wichtig das gerade eben Gesungene war. Es nervt.

Aber was soll er auch machen, er soll diesen grandiosen Freddie Mercury ersetzen, zumindest in Erinnerung rufen, alle hören jetzt genau hin, vergleichen, kritisieren. Aber diesen Freddie mit dem Überbiss und dem Schnurrbart kann niemand ersetzen. Das sagt dann irgendwann auch Lambert, der perfekt aussieht, da stimmt jeder Zahn, jede Augenbraue. Im Hintergrund wird dazu Mercurys Foto eingeblendet. Alle applaudieren.

Egal, endlich Queen, endlich Rock’n’Roll! Dann ertönt der Bass: Bum Bum Bum/ baBum Bum Bom baBum. Juchu, die Fans kreischen. Das ist der Lauf von „Another One Bites the Dust“. Den hat John Deacon, der ehemalige Bassgitarrist von Queen, geschrieben. Dieser Basslauf wurde später oft gesampelt, HipHop-Acts haben daraus ihre Hits gebastelt. Deacon aber ist ausgestiegen, er macht bei dem Queen-Revival schon lange nicht mehr mit. An diesem Abend spielt Neil Fairclough den Bass, er macht das gut.

Schön wird es dann für die Fans, als sie „Love of my Life“ mitsingen dürfen. Nur Brian May ist jetzt auf der Bühne, er zupft die Akkustikgitarre. Er singt leise mit, lauter sind die Fans. Die kennen den Text sehr gut. Als dann plötzlich Freddie Mercury auf der Leinwand erscheint und sein Gesang mit reingemischt wird – so warm und voll seine Stimme, so präsent –, da zieht er alle Blicke auf sich. „Ach, Freddie“, sagt eine Zuschauerin, nachdem das Lied vorbei ist: „Mensch, der hat Klasse“. Und: „Könne die net jedes Lied so mache mit Freddie?“

Warum überhaupt Lambert?

Weitere Hits werden gespielt, einige auf den Rängen stellen sich auf, tanzen mit, es sind meistens Frauen. Die Show ist gut, nur der Sound ist leider nicht so gut. Roger Taylor spielt mit seinem Sohn Rufus Tiger ein Schlagzeug-Duell aus. Taylor singt „It’s a Kind of Magic“– und man fragt sich warum er nicht alle Lieder singt, warum haben die Lambert überhaupt gefragt.

Brian May überrascht danach mit einem vorzüglichen Solo, er steht alleine auf der Bühne und entlockt der Gitarre Noise-Weltraumklänge, plötzlich denkt man, wow, das ist also der Sound, der Brian May jetzt beschäftigt. Dann geht er über in vertraut-kitschige Melodien, völlig ok. Leider aber gniedelt er sich dann immer weiter ins Belanglose hinein, es wird auch dadurch nicht besser, dass er hierfür die Bühne von rechts nach links abläuft, von vorne nach hinten, der anfängliche Zauber ist vorbei, viel zu lang ist das Solo. In der Zwischenzeit zieht sich der Rest der Band um. Lambert spielt dann den Alleinunterhalter, viele Frauen kreischen. Sie spielen fast alle Hits, sie geben sich große Mühe, irgendwann dann: stampf stampf klatsch, „We Will Rock You“, zum Schluss „We Are The Champions“. Alle denken an Freddie Mercury und daran, was für ein toller Sänger und Entertainer er doch war.