„In with the Devil“ bei Apple TV+: Ein Fall für zwei

Mit „In with the Devil“ präsentiert Apple die Thriller-Serie des Jahres und schließt endgültig zu Netflix & Co. auf.

Undercover im Horrorknast soll sich der Drogendealer Jimmy (Taron Egerton, rechts) das Vertrauen des Serienkillers Larry (Paul Walter Hauser) erschleichen.
Undercover im Horrorknast soll sich der Drogendealer Jimmy (Taron Egerton, rechts) das Vertrauen des Serienkillers Larry (Paul Walter Hauser) erschleichen.Apple TV+

Es läuft für Jimmy Keene (Taron Egerton): Der muskulöse Ex-Footballstar ist der Prototyp amerikanischer Männlichkeit, ein charismatischer Womanizer mit dem Ego von der Größe eines Trucks und dem passenden finanziellen Erfolg dazu.

Dass es sich bei seinem Business um Drogenhandel in Kartell-Dimensionen handelt, ist der Fleck auf Jimmys weißer Weste und wird ihm zum Verhängnis. Der Sunnyboy fliegt auf, der Staatsanwalt linkt ihn, und aus einer Haftstrafe mit absehbarem Ende wird eine halbe Ewigkeit. Keene arrangiert sich notgedrungen mit den Umständen, vertreibt sich die zähen Tage mit Fitness und Porno-Handel.

Als ihm die FBI-Anwältin Lauren McCauley (einschüchternd: Sepideh Moafi) ein Angebot macht, das die vorzeitige Entlassung aus dem Knast bedeuten könnte, zögert Keene. Er soll in eines der schlimmsten Gefängnisse der Vereinigten Staaten verlegt werden, um dem Serienkiller Larry Hall (überragend: Paul Walter Hauser) Details zu entlocken, die diesen weiterer Morde an minderjährigen Mädchen überführen können. Versagt Jimmy, platzt der Deal. Noch schlimmer: Verhält er sich nicht mustergültig, so wird er den Rest seiner Strafe in einem Gefängnis absitzen, das mit der Bezeichnung Vorhölle am besten beschrieben ist. Der Knast in Springfield ist ein Ort des hoffnungslosen Wahnsinns, an dem all jene auf das Ende warten, für die selbst das drakonische Rechtssystem der USA keine andere Bestrafungsmöglichkeit mehr findet als die bloße Verwahrung.

Die Spannung ist kaum auszuhalten

Jimmy Keene willigt ein und selbst ihm, dem gemeißelten und arroganten California Dream Man, ist die Angst anzusehen, als sich der Wagen dem Gefängnis von Springfield nähert. Was nun beginnt, nach der Pilotfolge in Spielfilmlänge, ist eine der besten Thriller-Erzählungen der vergangenen Jahre. Langsam, fast andächtig inszeniert, mit einer Handlung, die  nur oberflächlich holzschnittartig anmutet und deren Hauptzutat „smarter Agent trifft auf komplett Irren zwecks Wahrheitsfindung“ schon unzählige Male ausgewrungen wurde, seit Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ von 1991.

Umso bemerkenswerter ist Dennis Lehanes Umsetzung des Stoffes. Die beiden gegensätzlichen Männer verwickeln sich in einer Art Knastkammerspiel umeinander und ineinander, „In with the Devil“ ist ein kaltes psychologisches Beziehungslehrstück, mitunter so spannend, dass man es kaum erträgt. Der Star der fünfteiligen Serie auf Apple + aber ist Paul Walter Hauser, der den vereinsamten Perversen Larry Hall hintergründig und schläfrig, aber zugleich seltsam anrührend spielt. So weiß man bald nicht mehr, wem man seine Sympathie entgegenbringen soll, dem Guten oder dem Bösen.

Wertung: Fünf von fünf Punkten


In With the Devil, Miniserie, 5 Folgen, Appple TV+