Die Dar Assalam Moschee liegt an der Flughafenstraße in Neukölln, auf einem Grundstück, das von Imbissbuden und Berliner Mietshäusern eingerahmt ist. Wer in der Gegend wohnt, ist schon oft an ihr vorbeigekommen. Nur hineingegangen ist man als Nichtmuslim wahrscheinlich nicht. Es ist ein Verdienst der beiden Regisseurinnen, dass sie diese Mischung aus Scheu und mangelndem Interesse überwunden haben und man sich ihnen als Zuschauer nun anschließen kann.

Antje Kruska und Judith Keil („Der Glanz von Berlin“) sind Taha Sabri, dem Imam der Moschee, der im Mittelpunkt ihres Dokumentarfilms steht, schon 2013 durch Zufall begegnet. Dann kamen die Flüchtlinge, es wurden islamistische Attentate verübt, in den Medien ging es um „die Muslime“ und „den Islam“ und die beiden erinnerten sich an Taha Sabri, mit dem sie damals ein langes und humorvolles Gespräch über „Gott und die Welt“ geführt hatten. Sie hofften, sich durch ihn dem Thema Islam auf unspektakuläre Weise nähern zu können.

Bis ans Krankenbett

Taha Sabri, Anfang 50, ist ein offener Mensch, das macht die Eingangsszene deutlich, die ihn im Unterhemd zeigt, über das er alsbald das weiße religiöse Gewand zieht, mit dem er auf die Predigtkanzel der Moschee steigen wird. „Ihr dürft alles sehen“, scheint diese Szene zu sagen.

Auf der Kanzel predigt er Gewaltfreiheit: „Der Mensch, der im Namen der Religion schlimme Taten begeht, steht im Gegensatz zu Allah.“ Einer Schülerin, die ihn fragt, ob es mit dem Islam vereinbar sei, auf Klassenfahrt zu gehen, antwortet er: „Natürlich, kein Problem.“ Die Kamera begleitet ihn in seinen Schrebergarten und sogar ans Krankenhausbett, denn während der Dreharbeiten bekommt Taha Sabri Herzprobleme.

Habibi bei Daimler

Am intimsten sind die Szenen bei ihm zu Hause. Da sitzt Taha Sabri auf einem Ikeasessel vor einem Bücherregal und erzählt , wie er in einfachsten Verhältnissen in Tunesien aufwuchs, sich schon als Junge von der Stille und der Erhabenheit der Moschee angezogen fühlte, auch wie er als kritischer Student ins Gefängnis kam, dort als „Grillhähnchen“ an Händen und Füßen aufgehängt wurde. Er hat heute noch Schmerzen in seiner Schulter.

Sein Bruder, der seit den 1970er-Jahren in Bremen lebt, holte ihn nach Deutschland. Dort arbeitete Taha Sabri zehn Jahre bei Daimler. Die deutschen Kollegen hätten ihn Habibi genannt, Liebling, sie seien für ihn eingesprungen, wenn er betete. „Da habe ich angefangen, mich als Teil von Deutschland zu fühlen.“ Er erzählt von seiner deutschen Frau, der Scheidung.

Im Blick des Verfassungsschutzes

Taha Sabri tritt einem als Integrationsfigur entgegen, die noch dazu ungeheuer sympathisch ist. Es hätte dies ein Film sein können, der einen Blick in das Innenleben einer Moschee erlaubt, eine Annährung an einen friedfertigen Islam.

2015 wird dem Imam vom Berlins Oberbürgermeister Michael Müller der Verdienstorden des Landes verliehen. Wenig später machte der Imam Schlagzeilen. Der Verfassungsschutz spricht in seinen Jahresberichten 2014, 2015 und 2016 von Verbindungen zwischen Sabris Moscheeverein und der „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD), die als Organisation der Muslimbruderschaft gilt, deren Ziel ein islamischer Staat ist.

Ohne Kommentar

Keil und Kruska nehmen das Thema auf, indem sie Taha Sabri gebeugt über entsprechende Zeitungsberichte zeigen, die ihn fassungslos machen. Sie weichen aber nicht von dem Prinzip ab, diesen Film ohne eingesprochenen Kommentar zu zeigen. Auch befragen sie Taha Sabri nicht direkt zu den Vorwürfen, sondern überlassen dies einer Redakteurin der RBB-Abendschau, die das Thema mit zwei dürren Suggestivfragen („Und dass es hier eine islamistische Beeinflussung gibt, schließen Sie aus?“ – „Definitiv.“) für ihr Sendeformat abhandelt. Das hätte man gern von ihm genauer gewusst, auch wenn man sich auch dann wohl kein abschließendes Urteil hätte bilden können.

So geht man mit dem Eindruck aus dem Film, dass es schwer vorstellbar ist, dass Taha Sabri sich nur deshalb als toleranter Vertreter eines barmherzigen Islam geriert, um hintenherum besser mit den Muslimbrüdern kungeln zu können. Dass er womöglich ein Opfer des Generalverdachts ist, unter dem Muslime vielfach stehen. Nur hätte man für solche Schlussfolgerungen gern ein stabileres Fundament gehabt.

Inschallah Regie: Judith Keil und Antje Kruska. Deutschland 2017, 91 Min., 26./27.11. ILKino , 30. 11.– 6. 12. B-Ware! Ladenkino, 4. 12.– 6. 12. Sputnik Kino, 7. 12.– 10. 12. Kino in der Brotfabrik