Gerade hat die zweite Amtszeit des NDR-Intendanten Lutz Marmor als Vorsitzender der ARD begonnen. Doch schon jetzt steht nach Informationen der Berliner Zeitung fest, dass er bis 2016 Vorsitzender bleiben soll. Das hat bisher nur der Bayerische Rundfunk geschafft: Ende der Sechziger- und ein zweites Mal in den Achtzigerjahren, damals blieb der ARD-Vorsitz sogar vier Jahre in Bayern. Marmors erneute Wiederwahl soll bei der Intendantentagung am 9. April in München erfolgen. Das Ergebnis dürfte einstimmig sein, haben sie Marmor doch selbst darum gebeten. Klarheit besteht auch darin, wer ihm 2016 folgen wird: MDR-Intendantin Karola Wille. Sie wäre nach Monika Piel die zweite Frau, die den ARD-Vorsitz innehat.

Der Wunsch nach Kontinuität hängt mit der Umbruchphase nach der Umstellung auf die haushaltsbezogene Rundfunkabgabe zusammen. Endgültig feststehen wird erst Ende 2015, wie hoch die Mehreinnahmen dadurch sein werden. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs rechnet mit 1,1 Milliarden Euro für den Zeitraum 2013 bis 2016. Sie schlägt vor, die Rundfunkabgabe 2015 erstmals zu senken, um 73 Cent auf dann 17,25 Euro. Beschließen müssten dies die Ministerpräsidenten am 13. März.

Seitdem Marmor ARD-Vorsitzender ist, wird er nicht müde, die Verwendung der Gebührengelder für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu erläutern. Dabei neigt er bisweilen zu mehr Transparenz als manchem seiner Kollegen lieb ist. Vor ein paar Tagen sagte er der Süddeutschen Zeitung, „dass das Amt viel Arbeit bedeutet, und dass es auch mal Ärger gibt“. Dennoch: „Es bleibt eine Ehre, ARD-Vorsitzender zu sein.“

Es gibt noch andere Gründe für eine weitere Amtszeit: Keiner der anderen Intendanten ist derzeit bereit, den ARD-Vorsitz zu übernehmen, auch Wille nicht. Der MDR-Rundfunkrat wird Ende 2015 neu besetzt, zudem stehen wegen der Affären um den Kika und den früheren Unterhaltungschef Udo Foht Prozesse an. Sie sollen nicht mit einer MDR-Intendantin als ARD-Vorsitzende in Verbindung gebracht werden.