Für Momente durften die Fellows der internationalen Journalistenschule von Bertelsmann das Gefühl haben, das Medienunternehmen nehme sie wirklich ernst. Einmal trafen sie 2011 den damaligen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski, und 2013 lud Liz Mohn, die Eigentümerin des Unternehmens, sie zur Bertelsmann-Party in Berlin ein. Für die Fotografen durften sie ihr und Ostrowskis Nachfolger Thomas Rabe die Hand drücken.

Den größten Moment in der Öffentlichkeit erlebte die Akademie jedoch bei ihrer Gründung im September 2010. Damals hat Bertelsmann zur 175-Jahr-Feier sich und der Welt diese International Academy of Journalism (Intajour) geschenkt, die Journalisten aus Ländern ohne Pressefreiheit weiterbilden und unterstützen soll.

Intajour läuft seit 2011 und förderte Journalisten aus Ägypten, China, Ghana, Iran, Moldawien, Syrien, Simbabwe, Pakistan und anderen Ländern. Es gab vielversprechende Teilnehmer, sagen Beiräte und Dozenten und erwähnen Mustafa Nayyem aus der Ukraine, der dort die Proteste auf dem Maijdan ausgelöst hat. Doch kaum gestartet, beendet Bertelsmann die Akademie nun schon wieder. Bis Juli läuft der dritte Jahrgang, dann ist Schluss. Das irritiert, weil Intajour ausdrücklich langfristig arbeiten sollte.

Barroso als Schirmherr

Gestartet war die Akademie mit kaum zu überbietendem PR-Aufwand: Bertelsmann wollte „etwas Bleibendes schaffen“, verkündete Vorstandschef Ostrowski beim Start. Im Geschäftsbericht gab es eine 28-seitige Sonderbeilage, als sei die Akademiegründung die wichtigste unternehmerische Tat des Jahres. Sie sei seine persönliche Idee gewesen, sagte Ostrowski. Der Präsident der EU-Kommission, Manuel Barroso, fungierte bei der Feier im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin als „Schirmherr des Gründungsaktes“. Er sagte in seiner Rede: „Qualitätsjournalismus ist ein Eckpfeiler unserer Demokratie!“

Im Publikum klatschten Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Festrede hielt, Eigentümerin Liz Mohn und 1200 geladene Gäste und feierten die Gründung. Den Beirat, der über die Inhalte wachen sollte, führte RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel zusammen mit anderen namhaften Journalisten des Hauses. Hans Mahr, ehemaliger RTL-Chefredakteur und Mitglied des Kuratoriums, versicherte in der Sonderbeilage: „Im Zweifelsfall geht bei Bertelsmann die journalistische Geschichte immer vor.“

Wirklich? Heute fragt man sich, ob die Akademie mit der Inszenierung ihrer Gründung ihren eigentlichen Zweck bereits erfüllt hatte. Was sagt Kloeppel zum Ende? Dazu will er sich nicht äußern und verweist auf die Pressestelle von Bertelsmann. Dort heißt es in einem Statement, in den drei Jahren haben 36 Fellows aus 27 Ländern teilgenommen. Bertelsmann habe sich das einen siebenstelligen Betrag kosten lassen und wertet das als Erfolg. Von langfristigem Engagement ist keine Rede mehr.

Inhaltliche Kritik habe es nicht gegeben, sagen Beiräte und Dozenten. Der Leiter der Akademie, Werner Eggert, habe jedoch den Eindruck vermittelt und auch mehrfach davon gesprochen, dass die Akademie auf mindestens zehn Jahre oder länger geplant war. Er habe sich dabei auf eine Zusage von Bertelsmann berufen. Eggert selbst will sich dazu nicht äußern und verweist auf die Pressestelle von Bertelsmann.

Schnelles Ende überrascht

Dem Vernehmen nach wollte Eggert nach dem Ausstieg von Bertelsmann die Akademie in Eigenregie weiterführen – doch das Medienunternehmen verweigerte ihm das. Offenbar fürchtet das Unternehmen, dass eine erfolgreiche Fortsetzung stets an das gebrochene Versprechen erinnern würde. Bertelsmann wollte sich nicht dazu äußern, ob Eggert künftig an anderer Stelle für das Unternehmen arbeitet.

Vertraulich betonen Beiräte, das schnelle Ende komme für sie überraschend und sei zu bedauern. Intajour habe gute Arbeit geleistet. Ob sie sich für die Fortsetzung der Akademie einsetzten, ist unklar. Vielleicht war ihnen gar nicht klar, dass das Ende in Gütersloh längst beschlossen war. Denn Pressechefin Karin Schlautmann schrieb Ende November 2013, „dass Bertelsmann Intajour mittelfristig nicht in ihrer bisherigen Form weiterführen wird“. Das klingt, als ob Intajour in anderer Form weitergeführt werde.

Einen Grund für die Einstellung nennt Bertelsmann nicht. Vertraulich weist man in Gütersloh auf die Probleme der Druckerei in Itzehoe hin und dass Mitarbeiter in der Krise ihre Arbeit verloren haben. Allerdings war die Akademie nie Teil der Geschäftsstrategie, wie ein Sprecher betont. Warum das Ende mit Problemen im Geschäft begründen?

An den Kosten kann es kaum gelegen haben. Das Büro kam bei der Henri-Nannen-Schule in Hamburg unter, die zwölf Fellows trafen sich nur drei Mal im Jahr für insgesamt sechs Wochen in Hamburg, Köln und Berlin; Reise- und Hotelkosten übernahm Bertelsmann. Die restliche Zeit arbeiteten die Teilnehmer von ihren Redaktionen aus an gemeinsamen Projekten. Der Unterricht fand übers Internet statt, etwa im Live-Chat mit Jeff Jarvis.

Naheliegend ist: Die Akademie war offenbar nur eine PR-Nummer, die zur Jubiläumsfeier für positive Berichterstattung sorgen sollte und ihren Zweck damit erfüllt hat. Nicht ohne Grund lag die Akademie in der Zuständigkeit der Pressestelle.