Berlin - Frau Kunzendorf, Ihre Kommissarin Conny Mey verkörpert den Traum aller Männer: Sie sieht sexy aus, verhält sich aber wie ein Kerl.

Die Rolle ruft bei vielen Männern gespaltene Gefühle hervor, weil Conny Mey ein Typ Frau ist, der - mal abgesehen von der fragwürdigen Kleidung - mit seiner Hallo-hier-bin-ich-Art auch abschreckt.

Aber Mey rennt so schnell wie ein Mann und sie kann klettern wie ein Mann.

Männer finden doch eher weibliche und weiche Typen attraktiv und nicht diese Geländegängigkeit von Frau Mey.

Wie sind Sie an die Rolle gekommen?

Joachim Król war ja zuerst besetzt. Wahrscheinlich haben die sich überlegt, wen sie sich gut zu Joachim vorstellen können. Ich empfinde die Besetzung als großes Geschenk, bin aber froh, bei den entscheidenden Besetzungsgesprächen nicht dabei gewesen zu sein, das ist bestimmt ernüchternd.

Haben Sie keine Angst, jetzt auf diese Conny Mey festgelegt zu sein?

Nein, ich habe schon so viel vorher gemacht und drehe parallel andere Filme, die mich in einer Schublade zu Hause sein lassen, in der ich mich ja gar nicht unwohl fühle.

Welche Schublade ist das?

Das sind eher schwere, geheimnisvolle, spröde Figuren, die oft das Attribut unsympathisch bekommen. Das möchte ich nicht aufgeben. Ich habe aber auch gar nicht den Eindruck, dass nur noch Angebote in diese Richtung kommen, seit Conny Mey das erste Mal über den Bildschirm geflackert ist.

Ihre Conny Mey ist eine forsche, proletarisch anmutende Person. War das für Sie als Tochter eines Arztes und einer Lehrerin reizvoll?

Ja, wobei ich in Mannheim auf einem stinknormalen städtischen Gymnasium war, das war eher so ein Prollgymnasium. Nicht so ein Altgriechisches, auf das Kinder besserer Leute gingen. Aber natürlich gibt es Reaktionen auf Meys Art, etwa einen wütenden Brief von einer Kommissarin, die es eine Unverschämtheit fand, so eine Figur zu zeigen. Sie würde sämtliche Kommissarinnen in Deutschland in den Schmutz ziehen, weil in Wahrheit keine so angezogen in die Pathologie gehen würde. Aber wenn es nur eine von tausenden Kommissarinnen gibt, die so ist wie Conny Mey, dann möchte ich genau die spielen, nicht die 999 anderen.

Mit wem haben Sie am meisten über die Rolle geredet?

Mit Lars Kraume, dem Drehbuchautor und Regisseur der ersten beiden Filme. Er hat gesagt: Mach es doch mal noch extremer. Wir haben uns hochgeschaukelt, hatten viel Lust und Fantasie bei der Figurenentwicklung.

Der erste „Tatort“ mit Ihnen war eine Steilvorlage: tolles Drehbuch. Tolle Quoten, super Kritiken. Wie ist der zweite?

Was meine Figur angeht, ist der zweite weniger laut. Das ist aber auch der Geschichte geschuldet, man kann da ja nicht immer durchpoltern wie ein Pferd. Was Figurenentwicklung und Humor angeht, ist der zweite „Tatort“ ähnlich. Der dritte wird anders. Da ist auch Conny Mey ganz anders. Es geht um einen wahnsinnig brutalen Fall, in dem Mey so angefasst ist, dass sie nicht mehr professionell reagieren kann. Aber es macht Spaß, die Erwartungshaltung des Zuschauers zu brechen, der sich sonntagabends vor den Fernseher setzt und sagt: Heute sind wieder die und die dran. Die Kommissare kommen ja richtig zu Besuch in die Wohnzimmer und sind wie alte Bekannte.

Wer ist denn unter diesen Bekannten Ihr Lieblingsteam?

Das habe ich nicht. Aber bevor wir mit den Dreharbeiten anfingen, hatte ich so eine „Tatort“-Phase, bis mein Mann dann mal gesagt hat: Jetzt ist aber mal gut. Und während des ersten Trubels habe ich irgendwann gedacht, ich kann das Wort Tatort nicht mehr hören. Ich selbst bin jedenfalls keiner, den man sonntags um 20.15 Uhr nicht anrufen darf.

Mit Axel Milberg und Sibel Kekilli gibt es noch ein „Tatort“-Team aus einer jungen, starken Frau und einem erfahrenen Kollegen.

Aber Sibel ist wirklich jung, ich werde vierzig! Ich bin ja kein junger Hüpfer mehr. Als ich heute Morgen in den Spiegel geguckt habe, dachte ich: Es geht echt bergab.

Das Interview führte Grete Götze.