Interview: Fünf Minuten weniger

Berlin - Seit September 2010 ist Matthias Fornoff neben Petra Gerster der Hauptmoderator der 19-Uhr-„heute“-Sendung. Ab dem 1. Januar 2012 wird der 48-jährige Mainzer zudem die Leitung der „heute“-Redaktion und die stellvertretende Leitung der Hauptredaktion Aktuelles übernehmen. Sechs Tage zuvor – am 26. Dezember 2011 – ist er um 19.15 Uhr als Autor des journalistischen Jahresrückblicks „Album 2011 – Bilder eines Jahres“ im Programm des ZDF vertreten.

Herr Fornoff, bislang wurden die Nachrichten um 9 Uhr und 12 Uhr im Wechsel eine Woche von der ARD, eine Woche vom ZDF produziert. Nun hat das ZDF beschlossen, diese Kooperation zu beenden. Warum eigentlich?

Unser Problem ist, dass wir bislang an den Vormittagen der ARD-Sendewochen in der Nachrichtenredaktion nicht genügend Personal hatten, um in Situationen, in denen es Breaking News gibt, schnell reagieren zu können. Die Kritiker und Zuschauer fragen dann: Warum wart ihr zehn Minuten später als die ARD auf Sendung? Warum wart Ihr nicht in der Lage, zum Ort des Geschehens zu schalten?

Ist das häufig passiert?

Bisher sind wir ganz gut davongekommen, weil wir Glück hatten. Nicht, weil wir eine Struktur hatten. Und das kann man auf Dauer nicht machen. Ich halte die Entscheidung deshalb für absolut richtig, zumal wir auf diese Weise auch unser Internetangebot besser beliefern können. Wir sind gerade dabei, heute.de und die Redaktion der „heute“-Sendung stärker miteinander zu vernetzen.

Muss wegen der zusätzlichen Sendungen neues Personal eingestellt werden?

Im Gegenteil, wir haben ja eher das Problem, das wir abbauen müssen. Das können wir nur auffangen, indem wir am Nachmittag reduzieren.

Was heißt das?

Reduzieren heißt nicht nichts machen. Die 17-Uhr-Sendung ist dann zehn Minuten lang und nicht mehr 15. „Heute in Deutschland“ um 14 Uhr wird nur noch einen kurzen Nachrichtenblock haben.

Auch bei der „heute“-Sendung um 19 Uhr wird es Veränderungen geben. Wird es vor allem darum gehen, die Marktanteile bei den jüngeren Zuschauern zu verbessern?

Ich sage ganz klar: Das ist nicht mein erstes Ziel. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ein Nachrichtenformat nicht der erste Ansatzpunkt ist, um junge Menschen zu einem Sender zurückzuholen. Die Selbstverständlichkeit, mit der insbesondere junge Leute zu bestimmten Uhrzeiten einschalten, um sich über den Tag zu informieren, bröckelt. Viele haben sich vorher im Internet informiert, haben Radio gehört, haben das Gefühl: Wir wissen so ungefähr, was passiert ist.

Was planen Sie für die „heute“-Sendung um 19 Uhr?

Ich bin fest davon überzeugt, dass zu einer Nachrichtensendung ein täglicher Sportblock gehört, zumal wir eine starke Sportredaktion und viele, viele Sportrechte haben, eben nicht nur Fußball. Ab Januar werden wir das so machen. Außerdem wollen wir häufiger und systematischer Themen außerhalb des Politisches aufgreifen, bei denen die Leute das Gefühl haben: Das geht mich unmittelbar an. Das trifft natürlich auf die Euro-Krise zu, aber ebenso auf Servicethemen und vieles andere.

Geben Sie bitte mal ein Beispiel.

Ich habe noch keinen 10-Punkte-Plan mit Themen, die da unbedingt reinmüssen. Das entsteht im Zusammenspiel vor allem mit den Landesstudios, von denen wir hören wollen: Was bewegt die Leute in eurem Bundesland gerade? Worüber wird geredet? Das kann die Erfolgsserie von Werder Bremen im Sport, aber auch die Preiserhöhung an den Tankstellen sein.

Gehört auch Boulevard in eine „heute“-Sendung?

Klares Nein. Es hängt natürlich ein bisschen davon ab, wie man Boulevard definiert. Es gibt zum Beispiel tragische, spektakuläre Entführungsfälle, wo auch wir sagen: Da können wir nicht dran vorbeigehen. Eine Boulevardisierung der 19-Uhr-Sendung wird aber auf keinen Fall stattfinden.

Wenn neue Themen dazukommen, müssen andere wegfallen.

Die Sendung wird weniger kleinteilig sein. Der Anspruch der 19-Uhr-Sendung ist, einen möglichst vollständigen Überblick über den Tag zu bieten. Wir haben aber noch zu viele Meldungen, bei denen man denkt: ist auch passiert, also gehören sie dazu. Aber die Zuschauer haben sie genauso schnell wieder vergessen, wie sie sie gehört haben. Das bringt also nichts. Das Interview führte Marcus Bäcker.