Im Jahr 1981 gründete der gebürtige Däne Lars Ulrich (49) zusammen mit dem Amerikaner James Hetfield (50) Metallica. Seither hat die Band 110 Millionen Alben verkauft, neun Grammys einkassiert und nicht zuletzt mit ihren Alben „Kill’em All“ und „Master Of Puppets“ Metal-Geschichte geschrieben. Ab dem 3. Oktober sind Metallica nun auch in 3D im Kino zu sehen – unter anderem mit einer Bühne für 15 Millionen Dollar. Anlässlich der Premiere von „Through The Never“ in Berlin und dem dazu veröffentlichten, gleichnamigen Live-Doppelalbum sprachen wir mit Schlagzeugheld Lars Ulrich.

Mr. Ulrich, welche Erinnerungen verbinden Sie mit Berlin?

Nur die besten! Es ist immer etwas Besonderes, in diese Stadt mit ihrer beeindruckenden Geschichte zu kommen. Vor ziemlich genau fünf Jahren schrieben wir hier selbst ein bisschen Geschichte: Wir haben die O2 World Berlin mit einer aufwendigen Show eingeweiht. Das war wirklich gigantisch! Und natürlich haben wir auch einige tolle Konzerte in der Waldbühne gespielt und denkwürdige Party-Nächte in Berlin verlebt.

Und wie ist das heutzutage?

Aus uns sind mittlerweile vier verantwortungsvolle Musiker geworden, die genau wissen, was ihnen gut tut. Durchzechte Nächte gibt es nicht mehr. Wir leben gesund und halten uns fit. Sport machen und Gemüse essen ist der neue Rock ’n’ Roll!

Wie kommen Sie nach einem Konzert runter?

Ich kann da nur für mich sprechen: Ich mag deutsche Autos! Wann immer wir in Deutschland sind, miete ich mir also eins und fahre damit von Stadt zu Stadt, während die anderen den Tourbus nehmen. Normalerweise fahre ich mitten in der Nacht nach dem Konzert los, weil da kaum Verkehr auf der Autobahn ist.

Waren Sie schon mal spät dran für ein Konzert?

Das ist vorgekommen. Wenn ich das Schild „Ausfahrt“ sehe, muss ich immer lachen, denn ich habe schon einige Ausfahrten verpasst. Auch Straßenbauarbeiten halten mich manchmal auf. Aber ich genieße die Freiheit im Auto. Und Deutschland ist so schön großflächig und grün. Es hat viele verschiedene Ecken, die man entdecken kann. Und das Beste ist natürlich, dass man auf der Autobahn so schnell fahren kann wie man will, ohne ständig in den Rückspiegel gucken zu müssen, ob einem die Polizei folgt.

Ist es für Sie als Rockmusiker sonderbar, nun von Filmpremiere zu Filmpremiere zu reisen?

Ach nein. Das Einzige, was wirklich auffällig ist, sind die vielen Menschen, die im Filmgeschäft um einen herum sind. Wenn ich jetzt die Hoteltür öffnen würde, würden da 25 Leute auf dem Flur stehen – und ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Egal, ob wir den Film beim Toronto Filmfestival, in Cannes oder bei der Comic-Con vorgestellt haben – es war überall das Gleiche. In der Rock ’n’ Roll-Welt ist das anders: Da kenne ich jeden mit Vornamen! Aber das soll sich nicht wie eine Beschwerde anhören. Die verschiedenen Premieren zu besuchen, macht echt Spaß. Wann immer wir mit Metallica die Möglichkeit haben, unsere Bequemlichkeitszone zu verlassen, dann tun wir es.

Ich habe „Through The Never“ um 10 Uhr morgens im Kino gesehen. Ich kann Ihnen versichern: Es ist harte Kost.

(Lacht) Der Film ist heavy, ja – egal, zu welcher Zeit man ihn guckt. Denn als Zuschauer ist man so nah dran am Geschehen, man wird quasi Teil von dieser verrückten Energie auf der Bühne. Da ist auf visueller und akustischer Ebene viel aufzunehmen. Es war aber auch unser Anliegen, einen extrem intensiven Konzertfilm zu machen, der den Zuschauer wegbläst.

Aber spezielle Tricks, die man in so einem 3D-Film erwarten könnte, haben Sie trotzdem nicht einstudiert, oder?

Sie meinen, ich hätte meinen Drumstick in Ihr Gesicht bohren sollen, damit der 3D-Effekt voll ausgereizt wird? (Lacht) Nein, so was haben wir wirklich nicht gemacht. Es ging uns eher darum, den Menschen das Gefühl zu geben, selbst mit Metallica auf der Bühne zu sein. Das ist ähnlich wie bei „Avatar“ oder einigen Pixar-Movies, wo du in den Film reingezogen wirst und es sich gar nicht anfühlt, als würdest du nur zusehen.

Viele ikonenhafte Requisiten von vergangenen Metallica-Tourneen haben Sie in hoch technisierter Form wieder auf die Bühne gebracht: Da ist Doris – die Lady Justice, die „Metal Up Your Arse“-Toilette, sowie Särge, die aus dem Boden kommen. Was davon ist Ihr Favorit?

Hm, natürlich ist Lady Justice eine Ikone für sich. Aber ich entscheide mich für die Särge, die mein Kumpel David designt hat. Ich bin happy, dass sie funktioniert haben. Wir haben anderthalb Jahre gebraucht, um die perfekte Bühne für den Film zu kreieren. Wir haben viel Geld und Zeit investiert. Wir wollten ein paar Dinge aus der Vergangenheit hervorholen, ohne nostalgisch zu sein. Die Idee der kollabierenden Bühne stammt von der „Load“-Tour, mit der wir von 1996 bis 1998 unterwegs waren.

Wollen Sie mit der ganzen Pyrotechnik Rammstein und Kiss Konkurrenz machen?

Ach nein, Rammstein und Kiss spielen absolut in ihrer eigenen Liga. Und Metallica stehen nur noch mit sich selbst in Konkurrenz. Wir vergleichen uns nicht mit anderen Bands, wir kümmern uns lieber um unseren eigenen Scheiß. Konkurrenzkampf ist doch so Achtziger! Außerdem haben wir erst kürzlich eine kleine Show vor 1 500 Leuten gespielt – Metallica brauchen das Brimborium nicht zwingend.

Sie und Leadsänger James Hetfield sind bekannt für Ihre großen Egos. Haben Sie beim Endschnitt des Films dafür gesorgt, dass Sie möglichst oft zu sehen sind?

Genau das Gegenteil war der Fall! Ich wollte nicht ständig zu sehen sein und war dafür, mehr von Hammetts Gitarrenspiel zu zeigen. James und ich haben uns dafür stark gemacht, viel mehr von der Story um Trip, der von dem tollen Schauspieler Dane DeHaan verkörpert wird, in den Film einzubinden. Denn die Produzenten waren anfangs sehr zurückhaltend, weil sie Angst hatten vor unserer Reaktion. Sie dachten, wir würden uns selbst am liebsten auf der Leinwand sehen – haha!

Hegen Sie Hoffnungen, nach neun Grammys nun auch einen Oscar zu gewinnen?

Wenn sie den Oscar für die verrückteste Bühne vergeben oder die sonderbarsten Gesichtsverzerrungen eines Leadsängers, dann haben wir wohl beste Chancen darauf!

Interview: Katja Schwemmers

Metallica „Through The Never“, der 3D-Film ab 3. 10. Im Kino, das Album mit allen Livesongs des Films ist bereits erschienen.