Die Filmproduzentin Barbara Broccoli wuchs quasi im Schatten von 007 auf. 1960 wurde sie als Tochter des Film- und vor allem „James Bond“-Produzenten Albert R. Broccoli und der Schauspielerin Dana Wilson geboren. Bei „Octopussy“ oder auch „Im Angesicht des Todes“ war sie Regieassistentin, bei „Der Hauch des Todes“ und „Lizenz zum Töten“ Produktionsassistentin. Kurz vor dem Tod ihres Vaters übernahmen Broccoli und ihr Bruder Michael G. Wilson Mitte der 90er die Produktion der „James Bond“-Filme und machten erst Pierce Brosnan und anschließend Daniel Craig“ zum Geheimagenten im Dienst ihrer Majestät.

Miss Broccoli, „Skyfall“ war vor drei Jahren ein selbst für Bond-Verhältnisse sensationeller Erfolg. Wie groß war der Druck, das jetzt mit „Spectre“ zu toppen?

Bei „Skyfall“ kamen so viele einmalige Faktoren zusammen, dass wir gar nicht erst versuchten, das zu wiederholen. Natürlich war das ein großartiger Film: Daniel Craig war besser denn je, und mit Sam Mendes hatten wir einen fantastischen Regisseur gewinnen können. Außerdem schien es dem Publikum zu gefallen, dass wir uns der Vergangenheit von James Bond angenommen haben, seiner Herkunft und seines Privatlebens. Aber dazu kam eben auch, dass damals das 50-jährige Bond-Jubiläum gefeiert wurde. Dadurch war die Aufmerksamkeit größer denn je. Das fällt bei „Spectre“ zwangsläufig weg. Deswegen haben wir das versucht, was wir immer machen: Möglichst viele klassische Elemente dieser Filmreihe mit Neuem zu verbinden und sowohl eingefleischte Fans als auch normale Kinogänger anzusprechen.

Typisch Bond ist in „Spectre“, dass Sie wieder dem Leitsatz Ihres Vaters gefolgt sind: „Put the money on the screen“. Welche Szene war die aufwendigste und teuerste?

Da fragen Sie mich was! Möglicherweise die Eingangssequenz in Mexiko City. Es ist natürlich immer deutlich teurer, wenn wir nicht im Studio, sondern vor Ort in echten Städten drehen. Und in Mexiko City war das mit all den Statisten und dem Hubschrauber-Stunt schon sehr kostspielig. Aber auch Rom und die Szenen in den österreichischen Alpen waren nicht billig.

Apropos Österreich: War Christoph Waltz als Schurke Ihre erste Wahl?

Oh ja! Wobei die Sache in diesem Fall ein wenig anders lief. Christoph und ich saßen 2014 zusammen in der Wettbewerbsjury der Berlinale. Und das ganze Festival über dachte ich: Wäre es nicht fantastisch, wenn er diese Rolle im nächsten „Bond“ übernehmen könnte? Aber das Drehbuch war damals gerade erst im Entstehen, also konnte ich ihm noch nichts konkret anbieten. Also verblieb ich am Ende mit einem „Wir sollten eines Tages zusammenarbeiten!“ Dass es schließlich geklappt hat, ist für mich ein Wunder.

Christoph Waltz setzt die Tradition deutschsprachiger Schauspieler und Bösewichter in „Bond“-Filmen fort. Wie nahm die ihren Anfang?

Meinem Vater und seinem Produktionspartner Harry Saltzman war es von Beginn an wichtig, dass die 007-Abenteuer internationale Filme für ein internationales Publikum sind. Daher haben sie viel Wert darauf gelegt, Schauspieler aus den unterschiedlichsten Ländern zu engagieren. Da ging es nicht nur um Deutsche. Der Vorteil war damals, dass der Rest der Welt diese Schauspieler eigentlich nicht kannte. Dem deutschen Publikum war Gert Fröbe natürlich vertraut, aber für alle anderen war er einfach nur Goldfinger.

Unlängst wurde wieder viel über Daniel Craig als Hauptdarsteller und einen möglichen Nachfolger spekuliert. Finden Sie das nervig?

Ich freue mich vor allem, wie wichtig diese Fiilmfigur den Menschen offenbar ist. Sonst würden sie sich ja nicht so intensiv mit ihm beschäftigen! Ich jedenfalls kann und will mir niemand anderen in dieser Rolle vorstellen.

Wie gehen Sie damit um, dass James Bond heute Konkurrenz von den „Bourne“- oder auch „Mission: Impossible“-Filmen bekommt, die ihre Sache auch nicht schlecht machen?

Wir sehen eigentlich nur zu, jeden Film aufs Neue so gut wie möglich zu machen. Und wenn auch die Konkurrenz ihre Sache gut macht und erfolgreich ist, dann freut mich das. Mir ist es wichtig, dass das Publikum, das sein hart verdientes Geld an der Kinokasse lässt, dafür auch etwas geboten bekommt. Kino ist etwas Großartiges, und im Kino sollten die Filme gesehen werden. Das Schlimmste, was uns und James Bond passieren könnte, sind schlechte Filme, die den Zuschauern die Lust aufs Kino verderben.

Mit dem nächsten Film werden Sie erneut ein Jubiläum feiern: das 25. Kino-Abenteuer von James Bond. Könnten Sie sich vorstellen, dafür einen der früheren Darsteller als Bösewicht zu engagieren?

Es wurde uns im Laufe der Jahre immer mal wieder vorgeschlagen, ob wir nicht mal Sean Connery oder Roger Moore zu einer solchen Rolle überreden wollen. Aber die Leute gucken sich noch immer deren wunderbare Auftritte als 007 an, und mir ist es wichtig, nicht an diesem Image zu kratzen. Man würde doch weder ihren Fans noch ihrem Vermächtnis einen Gefallen tun.

Sie bauen viele Referenzen an alte „Bond“-Filme in die neuen Geschichten ein. Ist „Spectre“ eine bewusste Hommage an alte Zeiten?

Gewiss, aber das hat sich aus der Story ergeben. In „Spectre“ schließt Bond bittere Kapitel ab. Und wenn er hinterm Steuer seines Aston Martins sitzt und durch Rom jagt, dann sieht man einfach, wie viel Spaß er an der Sache hat.

Interview: Patrick Heidmann