FFS werden Ihr Debüt im September beim Lollapalooza Festival in Berlin vorstellen. Schon Panik, ob da überhaupt jemand kommt?

ALEX KAPRANOS: Bisher nicht. Es ist eher aufgeregte Freude, die ich empfinde. Franz Ferdinand haben oft beim Lollapalooza in Chicago gespielt. Das Festival hat einen wohlwollenden Vibe.

Ron Mael: Nun fange ich trotzdem an, mir Sorgen zu machen! Für die Sparks ist es das erste Mal dort.

Wie hat die Liaison der beiden Bands überhaupt angefangen?

Kapranos: Soll ich die schnelle Geschichte erzählen? Ich bin mittlerweile richtig gut darin!

Russell Mael: Mach doch mal! Wir haben Umfragen gemacht, wer es am besten erzählt, und Alex hat gewonnen.

Kapranos: Als es mit Franz Ferdinand losging, hatte ich in Interviews oft die Sparks als Einfluss erwähnt. 2004 haben wir uns dann zum Kaffeetrinken in Los Angeles getroffen. Wir sprachen darüber, mal einen Song gemeinsam aufzunehmen. Doch es passierte lange nichts, weil es mit Franz so dermaßen durch die Decke ging. Es fehlte einfach die Zeit dafür. Irgendwann schickten die Mael-Brüder uns den Demo-Song „Piss Off“. Wir fanden, das war ein lustiges erstes Statement für eine Kollaboration.

Russell Mael: Beide Bands haben einen Sinn für das Bissige und Absurde, deshalb hat Franz Ferdinand der Song so gut gefallen. Das zweite Stück hieß dann übrigens „Collaborations Don’t Work“.

Ist das denn jetzt die Schlussfolgerung aus Ihrer Zusammenarbeit?

Kapranos: Ich betrachte den Titel eher als Frage, bei dem wir das Fragezeichen vergessen haben.

Russell Mael: Es ist nie zu spät für ein Fragezeichen!

Kapranos: Es gibt auf jeden Fall große Egos in dieser Band, sechs gigantöse Egos.

Ron Mael: Sie sind so groß, dass sie nicht in einen Raum passen. Deshalb war es nur gut, dass das Songwriting in einer Distanz von 6000 Meilen in der digitalen Welt zwischen Los Angeles, London und Glasgow passierte.

Und wie lief es, als Sie es nach zehn Jahren endlich gemeinsam in ein Studio in London geschafft haben?

Kapranos: Du kannst ein gigantisches Ego haben und trotzdem gut klarkommen. Wir sind ja nur Menschen. Wir hängen gerne miteinander ab.

Ron Mael: Ego hat bei uns in erster Linie mit dem Stolz und dem Ehrgeiz zu tun, den jeder von uns entwickelt, um etwas Tolles entstehen zu lassen. Unsere Egos arbeiteten in diesem Fall also zum Wohle des Projekts, nicht dagegen. Beide Bands haben eine ähnliche Sensibilität, wenn es darum geht, was wir als cool betrachten. Auch deswegen hat es funktioniert.

Kapranos: Man muss man ja nicht gleich von sich denken, dass man der wichtigste Mensch im Raum ist!

Wer war denn der wichtigste?

Russell Mael: Das kann nur ich gewesen sein! Gefolgt von Alex.

Kapranos: Danke, Boss!

Ron Mael: Wir waren ja überhaupt nie im selben Raum, bis wir die Stücke aufgenommen haben. Als wir dann zum ersten Mal hörten, wie die Stimmen von Alex und Russell zusammen klingen, war das ein magischer Moment. Ab da wurden wir zur Band. Es war spannend, wenn Russell eine Melodie sang, die Alex geschrieben hatte und umgekehrt. Jeder von ihnen musste mit seiner Stimme die Bequemlichkeitszone verlassen. Und diesen Prozess hört man dem Album auch an.

Kapranos: Zumal weder Russell noch ich eine traditionelle Rockstimme haben. Wir haben beide eine ziemlich individuelle Art des Gesangs. Das FFS-Album konnte also gar nicht wie eine Standard-Rock-Platte klingen, wenn unsere Stimmen drauf sind.

Die Stücke flirten mit Achtziger-Synthie-Sounds, muten theatralisch an wie eine Mini-Oper, der Mehrstimmengesang erinnert mitunter an „Bohemian Rhapsody“ von Queen.

Kapranos: Ich fand ja immer, dass Queen ein bisschen wie die Sparks klingen.

Ron Mael: Wir alle mögen es nun mal larger than life. Die Sparks hatten schon immer die Ambition, dass Songs keinem strikten Format folgen sollen. Auch wenn ein Stück sieben Minuten lang ist und acht verschiedene Abschnitte hat, ist das okay, so lange es interessant, cool, modern und frisch klingt.

Es gibt viel Namedropping in den Songs: von Jean-Paul Sartre über Andy Warhol bis zu Gary Cooper…

Ron Mael: Weil wir Leichenfledderer der Popkultur sind. Ich denke immer: Wenn du etwas ausdrücken willst und es eine Beziehung zu Gary Cooper in einem Film hat, dann sag es auf die Weise. Das macht die Sache interessanter.

Die Sparks musizieren seit Ende der Sechziger zusammen, Franz Ferdinand seit 2002. Hat es eine Rolle gespielt, dass Sie ganz unterschiedlichen Epochen entsprungen sind?

Ron Mael: Nein! Wir haben eine Wellenlänge und müssen über bestimmte Dinge nicht mal reden. Wenn die Sparks jemals das Gefühl hätten, aus der Zeit zu fallen, würden wir aufhören. Wir waren immer schon alterslos.

Kapranos: Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich bin immer noch derselbe Typ wie der, der damals anfing, für Franz Ferdinand Songs zu schreiben. Und ich bin mir sicher, dass auch Ron diesbezüglich derselbe ist wie 1975 oder 1995, denn die Texte entspringen demselben Gehirn. Die Dekaden, die uns trennen, sind also irrelevant.

Ron Mael: Auch dank der Schönheitschirugie spielen sie keine Rolle!

Kapranos: Die fällt gar nicht so auf.

Ron Mael: Ich sprach ja auch nicht über dich! Oder musstet ihr euch auch schon unters Messer legen?

Das Gespräch führte Katja Schwemmers.