Einer wie George Clooney kann ja schlecht irgendwo stehen bleiben, sich in Ruhe die Stadt angucken und mit den Leuten reden. Einer wie George Clooney ist ständig auf Achse. Eine halbe Stunde fand er dann doch aber doch Zeit, um am Rande der Berlinale, im Soho House, ein paar Fragen zu beantworten. Zum Beispiel diese:

Was bedeutet es Ihnen, die Premiere ihres Films in Berlin zu feiern?

Es bedeutet mir eine Menge, wirklich. Ich war mit meiner allerersten Regiearbeit „Confessions of a Dangerous Mind“ auf der Berlinale eingeladen. Es ist schön dabei zu sein, weil man hier das Kino liebt und sich auch damit auskennt.

Was wird Ihnen von den Dreharbeiten in Deutschland in Erinnerung bleiben?

Unser größtes Problem war das Wetter, denn es war viel zu kalt für die Jahreszeit. Im Mai hat es ja noch geschneit und es waren keine Blätter an den Bäumen. Wir mussten also in der Nachbearbeitung digitale Blätter an die Zweige hängen. Und an einigen Tagen waren wir mit Flammenwerfern unterwegs, um den Schnee am Straßenrand zu schmelzen. In anderen Szenen durften Matt Damon und die Statisten nicht atmen, weil man ihren Atem sonst bei der Kälte gesehen hätte.

Wann haben Sie zum ersten Mal von Fall Gurlitt gehört?

Da stecken wir noch in der Post-Produktion. Und ich dachte nur: Was für ein ungewöhnliches Timing. Wir wissen ja alle, dass da draußen noch einige verschwundene Kunstwerke in Privatsammlungen lagern. Aber die Größe des Fundes hat mich dann doch überrascht. Wir werden in Zukunft noch mehr solcher Sammlungen finden, weil die Sammler nach und nach sterben und die Erben eine andere Einstellung zu gestohlener Kunst haben.

Was sollte Ihrer Meinung nach mit diesen Funden passieren?

Das ist ein schwieriges Thema. Denn ich bin der Meinung, große Kunst gehört irgendwie auch der ganzen Welt. Das Problem ist natürlich, wie diese Gemälde den Besitzer gewechselt haben. Die Nazis haben vieles systematisch gestohlen. Viele jüdische Emigranten mussten verkaufen, weil sie fliehen wollten. Nach meinem Empfinden sollte man die Gemälde erst einmal den Menschen zurück geben, denen sie ursprünglich gehörten. Oder ihren Erben. Und die finden dann hoffentlich einen Weg, um sie auch dem Rest der Welt zugänglich zu machen. Andererseits: Wenn Sie für eine Millionen Dollar ein Bild gekauft haben und finden dann erst später heraus, dass es gestohlen wurden, ist es Ihnen gegenüber ja auch nicht fair, wenn sie das verdammte Ding zurück geben müssen.

Haben Mitglieder Ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg gekämpft?

Klar. Mein Onkel George, nach dem ich benannt wurde, war ein B17-Bomber-Pilot in der 8. Luftwaffen-Division. Ich besitze viele seiner Flugpläne und auch seine Fliegerjacke, auf die er sehr stolz war. Mein Onkel „Chick“ hatte ein Glasauge und ihm fehlte ein Finger. Der wurde ihm schon als Kind amputiert. Und ich weiß nicht mehr, bei welcher Gelegenheit er das Auge verloren hat. Nach dem Krieg trug er jedenfalls Uniform, obwohl er bei der Armee nur irgendwelche Hilfsarbeiten verrichten konnte. Und ich erinnere mich, dass er oft sein Glasauge auf den Tresen legte, seine Hand in die Luft hob und sagte: Der Krieg ist die Hölle. Das machte er nur, damit man ihm einen ausgab.

Was erleben Sie als Regisseur, was Ihnen Ihr Beruf als Schauspieler nicht bieten kann?

Regie zu führen macht einfach mehr Spaß. Der Unterschied zwischen einem Regisseur und einem Schauspieler gleicht dem zwischen dem Maler und dem Model. Das Model wird nur gemalt, als Regisseur hast du selbst den Pinsel in der Hand und kreierst etwas. So einfach ist das. Außerdem mache ich diesen Job schon lange genug, um zu wissen, wie Schauspielerkarrieren aussehen. Ich wollte meine Karriere besser unter Kontrolle haben und mir nicht ständig Sorgen darüber machen, was ein Regisseur, der Produzent oder ein Casting-Agent von mir hält, wenn ich siebzig bin.

Viele Ihrer Kollegen wollen nichts mit Politik zu tun haben. Warum mischen Sie sich ein?

Ich mache zwar keine Politik. Aber ich kann Problemen in unserer Gesellschaft Gehör verschaffen, indem ich sie zum Thema mache. Ich habe eine lautere öffentliche Stimme, als andere Menschen und ich kann gute oder schlechte Politik publik machen. Zum ersten Mal wurde ich richtig wütend, als wir im Begriff waren in den Irak einzumarschieren. Ich habe das kritisiert, dafür mein Kinn hingehalten und Prügel bezogen. Aber ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich in London war und da protestierten eine Million Menschen gegen ihre Regierung und den Krieg. Von dort aus flog ich zur Berlinale. Und hier war eine Million Menschen auf der Straße, um ihre Regierung für die Entscheidung zu unterstützen, nicht in den Krieg zu ziehen.

Da war zu der Zeit, als die NSA anfing, unseren Kanzler abzuhören.

Ich wette, die haben mich auch abgehört. Ich hatte mal ein ziemlich hohes Tier vom CIA bei mir zu Besuch. Der heftete als erstes ein „Postit“, so ein Klebezettelchen, auf die Kameralinse meines Computers. Das Ding klebt da immer noch. Man weiß ja nie.

Welche Rolle spielt Kunst in Ihrem Leben?

Das ist eine komische Sache. Kunst war nie so wirklich meine Sache. Ich besitze allerdings einige Gemälde, die bei mir zu Hause an der Wand hängen. Eines Tages habe ich einen Innenarchitekten engagiert, weil mein Kumpel Randy gesagt hatte, du solltest mal einen Erwachsenen zu Rate ziehen, damit dein Haus auch wie das eines Erwachsenen aussieht. Und als allererstes nahm er all diese Bilder von der Wand, weil er sie schrecklich fand. Aber ich antwortete: Dieses Bild habe ich auf der Straße gekauft, als ich zum ersten Mal in Paris war. Es bedeutet mir etwas, egal, ob Sie es für großartig halten oder nicht. Ein anderes hat mir meine Tante geschenkt. Also wurde alles wieder aufgehängt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihren Vater für einen Kurzauftritt am Ende des Films zu engagieren und wie hat er auf Ihre Idee reagiert?

Er wollte es zuerst gar nicht machen. Und obwohl er dann doch dabei war und ich wusste, wir werden diese Szene drehen, war es doch sehr seltsam. Selbst in meinem Alter kann ich meinem Vater nicht sagen, was er tun soll. Er hatte ja nur ein einziges Wort Text. Und trotzdem hat er das immer ganz anders ausgesprochen, als wir es verabredet hatten. Er hat einfach gemacht, was er wollte. Das sind eben diese Vater-Sohn-Dynamiken. Und ich konnte ihn einfach nicht korrigieren.

Interview: Christian Aust