Berlin - Mit seiner niedlichen Pandamaske, einem poppig-leichthändigen Sound und freundlich optimistischen Texten hat der Stuttgarter Rapper Cro die Szenerie des deutschsprachigen HipHop in den letzten Jahren entscheidend verändert. Cro – bürgerlich Carlos Waibel, 24 – und sein Label Chimperator stehen einerseits für die Wachablösung des vor allem in Berlin beheimateten Gangsta-Genres; andererseits hat er die alte Kontroverse zwischen Pop- und Szene-Rap wiederbelebt, in deren Zentrum einst erfolgreiche Stuttgarter Rappioniere wie Die Fantastischen Vier, aber auch die Sozialromantiker von Freundeskreis standen.

Herr Cro, in den Neunzigerjahren war Stuttgart eine der wichtigsten Städte des deutschen HipHop. Sie sind 1990 geboren. Wie sehr sind Sie sich denn der Stuttgarter Tradition bewusst?

Die Fantastischen Vier, Freundeskreis, später auch die Massiven Töne – die waren damals schon ein bisschen mein Zuhause. Ich war erst sechs oder sieben, aber durchaus schon dabei, weil mir mein älterer Bruder diese Sachen auf Minidisc oder Kassette gegeben hat. Sie sind vielleicht kein Grundbaustein, aber sie waren da, und ich fand sie cool.

Damals wurden die Fanta Vier von strengeren HipHoppern wie Advanced Chemistry wegen ihrer Nähe zum Mainstream-Pop angefeindet; solche Vorwürfe gab es auch gegen Sie. Andererseits haben Sie gerade mit dem Offenbacher Gangsta-Rapper Haftbefehl zusammengearbeitet. Spielen ideologische Gräben noch eine Rolle?

Ich glaube, der deutsche HipHop hat sich da sehr gewandelt. Und zur Zeit orientieren sich auch viele in die Richtung, in die ich gearbeitet habe, auch Leute, von denen man das vielleicht eher nicht erwartet hätte. Bass Sultan Hengzt singt jetzt auch mit Gitarre, Sidos Musik klingt radiofähiger. Mir gefällt das. Es gibt aber schon noch den realen Urgesteins-Typen in Baggy Jeans und Sieben-XL-Shirts. Der findet das natürlich alles beschissen.

HipHop bezieht sich gern auf die jeweilige lokale Szene. Sie halten dagegen Ihre Texte meist eher auf einer allgemeinen Ebene.

Das finde ich besser. Ich würde auch nicht anfangen, politische Texte zu schreiben. Oder zu behaupten, dass Stuttgart die beste Stadt sei. Ich sehe mich eher als Wegbegleiter. Die Jugend hat ihre eigene Jugend vor der Nase und läuft damit rum. Und ich bin sowas wie der Soundtrack zu ihrem Leben. Jeder kann sich rauspicken, was er mag und damit sein Leben hören.

Im HipHop gilt doch meist: Viel Feind, viel Ehr, man gibt sich aggressiv und rempelt. Mussten Sie sich eigentlich noch in Battles beweisen?

Doch, ich war ganz am Anfang, als mich noch keiner kannte, mal in einem Forum, wo man battlen konnte, und da habe ich das – noch unter anderem Namen – auch manchmal getan. Es war ganz nett, aber ich kam mir irgendwann doof vor, weil alles eben nicht gestimmt hat: Ich hab ’nen Benz, ich hab Knarren, und man erschießt sich auf der Straße und diesen Quatsch. Das ging für mich nicht.

Solche Dinge erledigen sich auch von selber, wenn man sich – wie die meisten jungen Leute heute – vor allem in virtuellen Welten bewegt. Was Sie in „Rennen“ melancholisch bedauern.

Ja. Überall und immer schauen alle auf ihre Handys, chatten, checken Mails. Zum Teil sind diese Sachen ja wichtig. Aber man macht das so routiniert und ständig. Schon die ganz Kleinen sitzen im Auto mit Laptops und iPads. Sie haben nur noch Internetfreunde und treffen sich nach der Schule im Netz. In dieser extremen Form finde ich das völligen Quatsch. Aber ich will gar nicht Moralapostel spielen, sondern nur darauf hinweisen: Geht mal wieder ein bisschen raus.

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