Wie ein Orakelspruch wurden die Ankündigungen der Volksbühne zur Spielzeit 2019/20 sowie ihre Bekanntmachungen zur Personalstruktur in der vergangenen Woche seziert. Klaus Dörr hatte vor einem Jahr die Intendanz des Hauses interimistisch übernommen, nachdem Chris Dercon als Castorf-Nachfolger gescheitert war. Im vergangenen Februar verlängerte der Kultursenator Klaus Lederer (Linke) Dörrs Vertrag um ein Jahr bis zum Sommer 2021. Das wären dann mehr als drei Dörr-Jahre, ganz schön lang für eine Zwischenlösung. Zumal die Konsolidierung des Betriebs verblüffenderweise schon in der ersten Spielzeit gelang. Die Zuschauer sind wieder da, die Zahlen stimmen, es gibt wieder eine Dramaturgie und ein Ensemble. Aber ist damit die Krise auch künstlerisch überwunden? Oder bleibt das Dörrs Nachfolger überlassen, den Lederer noch vor Ende dieser Saison ankündigen will? Der Senator schweigt eisern, weshalb die Spekulationen ins Kraut schießen: Kann man aus Dörrs Plänen etwas über die Zukunft des Hauses herauslesen? Bewirbt sich der Retter als Dauerlösung? Vielleicht hilft es, ihn selbst zu fragen. Wir haben ihn in Castorfs altem Büro besucht. Die zum Fläzen geeigneten Polstermöbel und das ironische Stalin-Bild sind entfernt, es gibt einen neuen ovalen Tisch mit zwölf Freischwingern − gut zum Konferieren.

Herr Dörr, Sie haben ein Ensemble engagiert. Dazu kommen mit Nicole Lohrisch eine neue geschäftsführende Direktorin und eine Schauspieldirektion mit Thorleifur Örn Arnarsson und Lucia Bihler als Hausregisseurin. Setzen Sie damit Strukturen, die Ihre Amtszeit überdauern?

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