Iris Präfke und Wulf Sörgel und Iris Präfke vor dem Kino Central
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinDas Kino kehrt zurück. Auch die traditionsreichen Kinos, das Toni in Weißensee, das Central in Mitte und das Moviemento in Kreuzberg, öffnen ab Donnerstag wieder ihre Säle. Ein Gespräch mit den beiden Geschäftsführern Iris Praefke und Wulf Sörgel im Hinterhof des Kino Central.

Wie haben Sie die vergangenen dreieinhalb Monate ohne Kino verbracht?

Wulf Sörgel: Wir haben die Zeit genutzt. Renoviert, Polster gereinigt, gestrichen. Im Central haben wir umgebaut, eine neue Leinwand und neue Lautsprecher angeschafft, neue Teppiche gelegt, zum Teil neue Stühle eingebaut. In zwei Sälen haben wir Hörschleifen gelegt, in die man sich mit dem Hörgerät einklicken kann.

Haben Sie Corona-Hilfen für die Investitionen genutzt?

Wulf Sörgel: Nein. Für den Umbau des Central haben wir Geld aus dem „Zukunftsprogramm Kino“ der BKM (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Anm. d. Red.) beantragt. Das läuft über die Filmförderungsanstalt. Die Förderung ist letztes Jahr im Oktober gestartet. Die Obergrenze der Förderung beträgt 45.000 Euro pro Saal und kann innerhalb von zwei Jahren investiert werden. Das Moviemento haben wir  aus eigenen Mitteln renoviert.

Das Moviemento war seit Jahren gefährdet. Sie hatten zu einer Spendenaktion aufgerufen. Hat Corona den Erfolg dieser Aktion nun wieder zunichte gemacht?

Wulf Sörgel: Das können wir noch nicht sagen. Ich bin optimistisch, dass es das Moviemento auch in Zukunft gibt, aber die Unsicherheit ist noch nicht zu Ende.

Wie setzen Sie die Abstandsregeln in den Kinos um?

Iris Praefke: Die Abstandsregel liegt aktuell noch bei 1,50 Meter. Wir hoffen, dass sie irgendwann auf einen Meter herabgesetzt wird, das wäre viel praktikabler. Jetzt müssen neben jedem Platz drei Plätze rechts und links frei sein und die Reihe davor auch.

Das heißt, Sie können viel weniger Tickets verkaufen.

Iris Praefke: Ja, achtzig Prozent weniger. Es hängt natürlich auch davon ab, wer kommt. Wenn es eine fünfköpfige Familie ist, sitzen sie nebeneinander in einer Reihe. Angenommen, es kommen nur Einzelpersonen, dann sind es 10 bis 15 Leute pro Saal bei etwa hundert Plätzen.

Das kann sich für Sie nicht lohnen.

Wulf Sörgel: Das lohnt sich überhaupt nicht. Wir machen auf, damit wir da sind.

Iris Praefke: Das ist auch nicht ganz unwichtig, aber wirtschaftlich ist es auf jeden Fall nicht.

Wie lange halten Sie das durch? Sie haben ja auch Kosten.

Iris Praefke: Das kann man gut mit der Gegenfrage beantworten: Wie lange könntest du Leben, ohne, dass du ein Gehalt bekommst? Wie jeder andere auch, haben wir Kosten, zum Beispiel leben von unseren Kinos 35 Menschen, deren Gehalt nur zum Teil vom Kurzarbeitergeld abgedeckt wird und die wir bezahlen.

Wulf Sörgel: Wir brauchen noch finanzielle Unterstützung, das ist vollkommen klar.

Sind Sie an Politiker herangetreten, um auf die Situation der Kinobetreiber aufmerksam zu machen?

Iris Praefke: Viel hat unser Dachverband, die AG Kino, übernommen. Es ist sinnvoller, wenn man das als Mandat bündelt und nicht jeder für sich allein spricht. Der Verband hat viel erreicht. Sehr früh haben das Medienboard Berlin-Brandenburg und die BKM darauf mit Unterstützungen reagiert.

Wulf Sörgel: Dass es uns jetzt noch gibt, ist auf jeden Fall eine Folge davon. Aber alle Förderinstrumente gehen davon aus, dass der Spuk Ende August vorbei ist.

Im Moviemento eröffnen Sie mit dem Film „Sonne im Herzen“ von Volker Meyer-Dabisch, einem Regisseur, der vor allem seine Kreuzberger Lebenswelt dokumentiert. Ist das ein Bekenntnis zum Lokalen?

Iris Praefke: Ja. Fast alle Filme von Volker Meyer-Dabisch hatten bei uns Premiere. Und klar, wir unterstützen damit auch die „Local Heros“.

Wulf Sörgel: Auch Christiane Nalezinski erzählt in ihrer Langzeitbeobachtung „Wie wir einmal fast berühmt wurden“ von Leuten in Kreuzberg. Der Film hätte ursprünglich auch im Frühjahr laufen sollen.

Trailer zu „Sonne im Herzen“. 

Video: YouTube

Die Protagonisten von „Sonne im Herzen“ entwickeln Ausstiegsszenarien.

Wulf Sörgel: Der Film wurde voriges Jahr gedreht und sollte eigentlich im April starten. Er porträtiert Leute, die versuchen, von Luft und Liebe zu leben. Auf einmal betreffen die Ausstiegsideen viel mehr Leute, klar.

Sie auch?

Iris Praefke: Darüber kann man dann immer noch nachdenken. Wir glauben daran, dass das Kino wieder funktionieren wird.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Publikum das Kino vermisst hat?

Iris Praefke: Ja. Wir haben viele E-Mails bekommen, viele Leute haben Gutscheine gekauft und nette Nachrichten in die Bestellung mit reingeschrieben. Jedes Mal, wenn wir im Toni gearbeitet haben, kamen Leute, die fragten, wann wir wieder aufmachen, die erzählten, sie hätten schon Karten gekauft für die Veranstaltung im September. Es war toll, zu erleben, wie sehr sich die Leute auf ihr Kino freuen.

Wird es Premierenfeiern geben?

Iris Praefke: Es gibt auf jeden Fall Premieren und viele Veranstaltungen mit Regisseurinnen oder Regisseuren und Publikum im Saal. Es wird wegen der Abstandsregelungen sogar mehr Veranstaltungen geben. Kino ist was zum Anfassen, und auch wenn man dabei niemanden anfassen kann, finden wir es wichtig, das Kino wieder als Ort der direkten Kommunikation zu öffnen.