Köln - Wenn im kommenden Jahr die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro stattfinden, dann wird es für ARD und ZDF wochenlang fast ausschließlich dieses eine Thema geben. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender räumen für das Sportgroßereignis stets lange Sendestrecken frei. Doch damit ist sehr wahrscheinlich nach den Spielen von Brasilien Schluss.

Das US-Unternehmen Discovery hat sich überraschend die TV-Rechte der Olympischen Spiele für den gesamten europäischen Markt gesichert. Und der von 2018 bis 2024 geltende Kontrakt betrifft somit auch den deutschen Markt, wo bisher ARD und ZDF übertragen haben.

Discovery erwarb für 1,3 Milliarden Euro die Exklusivrechte für alle Plattformen, einschließlich Free-TV, Abo/Pay-TV, Internet und mobile Endgeräte, in allen Sprachen in 50 Ländern und Gebieten – Ausnahmen bilden nur Frankreich und Großbritannien, BBC und France Television haben bereits Verträge für 2020. Das Unternehmen sendet unter anderem über seine Tochter Eurosport. In Deutschland ist der Spartensender im Gegensatz zu anderen Ländern frei empfangbar. Er hat aber auch Pay-TV-Kanäle.

Offen blieb zunächst, ob ARD und ZDF Rechte von dem US-Unternehmen erwerben können. In der Mitteilung des IOC und des Unternehmens heißt es: „Discovery und Eurosport werden dafür sorgen, dass die Olympischen Spiele über ihre eigenen TV-Sender und Medienplattformen übertragen werden und in einzelnen Gebieten (durch Sublizenzierung) gegebenenfalls auch durch andere Rundfunkanstalten.“

IOC und Discovery feiern den Deal

Was das genau für ARD und ZDF heißt, ist noch offen. Die Rechte seien zwar im Moment exklusiv in den Händen von Discovery Communications und Eurosport, „aber sie sind bereit, Verhandlungen aufzunehmen über Abkommen mit anderen Übertragungsanstalten“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach in Lausanne. Der Deal bedeute nicht, „dass jetzt irgendjemand aus dem Rennen ist. Wer im Rennen sein möchte, kann sich jederzeit an Discovery wenden“, so der Deutsche. Discovery habe seine Bereitschaft zu verhandeln ja sehr deutlich gemacht.

ARD und ZDF wurden von dem Vertrag mit Discovery offensichtlich kalt erwischt. Sie äußerten sich am Montagnachmittag nur in einer knappen Stellungnahme. (siehe Kasten) Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender waren bisher der Dauer-Partner des IOC.

„Zwischen Discovery und dem IOC wurde ein wichtiger Vertrag geschlossen“, kommentierte Thomas Bach den Deal. „Wir freuen uns, dass Eurosport der neue Partner des olympischen Sports ist. Diese Vereinbarung sorgt für eine umfassende Berichterstattung über die Olympischen Spiele in ganz Europa, und dazu gehört die Garantie einer umfangreichen Free-TV-Berichterstattung in allen Märkten.“ Discovery hat sich verpflichtet, die Olympischen Sommerspiele mindestens 200 Stunden und die Olympischen Winterspiele mindestens 100 Stunden lang während des Zeitraums der jeweiligen Spiele im frei empfangbaren TV zu übertragen.

ARD und ZDF hatten zuletzt vor vier Jahren nach einem mühsamen Poker ein Rechtepaket für die Spiele 2014 und 2016 erworben. Zuvor hatte das IOC sogar damit gedroht, die Rechte an das Pay-TV zu verkaufen. Die Sender erwarben damals die Lizenzrechte zum ersten Mal direkt beim IOC, weil die Olympia-Bosse die Rechte für den deutschen Markt nicht mehr an den europäischen Senderverbund European Broadcasting Union (EBU) verkaufen wollten.

Die beispiellosen technischen Möglichkeiten von Eurosport seien ein wichtiger Sieg für alle Sportbegeisterten, sagte J. B. Perrette, Präsident von Discovery Networks International. „Wir sind in der Lage, die Olympischen Spiele in 50 Länder, in 20 Sprachen und über diverse Plattformen zu übertragen“, Das Unternehmen verfüge „über einzigartige Möglichkeiten, um die Olympischen Spiele auf noch mehr Bildschirme zu bringen als je zuvor“. (mit dpa)