Sie hat in rund 100 Filmen mitgewirkt: die Schauspielerin Stefanie Stappenbeck. 
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BerlinAn einem warmen Juliabend saß Stefanie Stappenbeck unter bunten Lampions, Frieda, ihre fünfjährige Tochter, turnte auf der Bierbank herum. Wenigen Stunden zuvor war die letzte Klappe zu Til Schweigers Komödie „Die Hochzeit“ gefallen, nun feierte das Filmteam nahe des Treptower Parks. Nur Regisseur Til Schweiger verspätete sich, als er kam, war es dunkel und Stefanie Stappenbeck schon nach Hause gefahren.

Als Stefanie Stappenbeck mit dem Schauspiel anfing, war sie selbst noch ein Kind: „Ich war immer die Jüngste unter alten Hasen.“ Es begann damit, dass ein Talentsucher des DDR-Fernsehens in die Heinrich-Heine-Oberschule in Berlin-Mitte kam und ihm die 11-Jährige auffiel. Sie solle mal zum Vorsprechen kommen, sagte er. Bald bekam die Tochter eines Theologen und einer Soziologin die erste Rollen in Defa-Filmen, zum Beispiel in „Die Weihnachtsgans Auguste“. „Besonderen Ehrgeiz“ hätte sie aber nicht gehabt, sagt sie.

Ihr Spitzname war "Skat-Steffi"

Den entwickelte sie dann später, als sie am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater debütieren durfte. „Ich wollte dazugehören, und deshalb trank ich auch immer mit in der Theater-Kantine. Ich habe es ordentlich krachen lassen.“ Stefanie Stappenbeck lacht aufgekratzt. Die Grübchen im Gesicht verleihen ihr in solchen Momenten etwas Übermütiges, Mädchenhaftes, das man aber nicht als Niedlichkeit unterschätzen sollte.

Im Film „Die Hochzeit“, der am 23. Januar in die Kinos kommt, spielen sie und Til Schweiger die künftigen Eheleute, er ist ein Star-DJ mit windigem Ruf und Charme. Stappenbeck zieht viel aus ihrer Bühnenerfahrung. Eine berühmte Frau, die sich an der Seite eines draufgängerischen Mannes behauptet, hat sie sogar zweimal gespielt: In Brechts „Dreigroschenoper“ war sie die junge Polly, die sich erhobenen Kopfes die Männer vom Leibe hält, dem frechen Mackie Messer jedoch in die Unterwelt folgt – 2003 im St. Pauli-Theater an der Seite des sinnes- und singfreudigen Ulrich Tukur und in der berühmten Inszenierung von Robert Wilson am Berliner Ensemble, die 2011 Premiere hatte. Ihr Spitzname in dieser Zeit sei „Skat-Steffi“ gewesen, bemerkt Stappenbeck ganz ohne Koketterie: „Ich hatte immer Spielkarten in meiner Handtasche. Am Berliner Ensemble wurde viel Skat mit derben Sprüchen gekloppt. Zart besaitet durfte man da nicht sein.“

Unterschätzt wurde sie immer wieder mal, auch wegen ihrer schlanken Statur. „Bei meiner Prüfung für die Ernst-Busch-Schauspielschule hieß es, ich sei wohlmöglich für die große Bühne zu empfindsam, zu leicht zu knicken“, sagt sie. Drei Wochen später sah ein Juror sie dann auf der Bühne: „Sie luden mich zur Nachprüfung ein, um mich dann endgültig abzulehnen, mit der Begründung, dass ich nicht mehr formbar sei. Im Nachhinein bin ich sehr froh, den Beruf über die Praxis erlernt zu haben.“

Auf imposante rund 100 Filme hat es Stefanie Stappenbeck bislang gebracht, darunter „Tatort“-Auftritte, Komödien der leichten Art, viele herausragende Fernsehfilme. Im Mehrteiler „Die Manns“ spielte sie 2001 neben Monika Bleibtreu und Armin Mueller-Stahl die wunderliche Dichtertochter Monika Mann. Stappenbecks Spiel ist risikofreudig und voller Finesse. Sie selbst sagt: „Ich betreibe intensives Coaching – für die Rollen und für mich privat.“ Mit Til Schweiger hat sie schon mehrmals gedreht: „Das hat so etwas von hochkonzentriertem Wahnsinn. Und ich mag die familiäre Stimmung am Set sehr.“

Ein festes Engagement im ZDF

Wandlungsfähigkeit ist im Schauspielgewerbe ein Trumpf, schlägt sich aber nicht zwangsläufig in Popularität nieder. Bis zu ihrem Einstieg in die ZDF-Samstagskrimireihe „Ein starkes Team“ vor vier Jahren gab es nicht die eine Rolle, mit der man Stappenbeck auf Anhieb verbindet. Nach 15 Folgen an der Seite des grummelnd-herzlichen Florian Martens hat sich das geändert: Stappenbeck bringt als Nachfolgerin der verstorbenen Maja Maranow eine neue Farbe in den Krimi-Dauerbrenner aus Berlin.

Die Schauspielerin ist glücklich über dieses feste Engagement. „Ich kann in meiner Heimatstadt drehen, und in jeder Folge darf ich mit tollen Kollegen arbeiten.“ Sie selbst wäre keine gute Polizistin, glaubt sie. „Ich bin als Mensch zu vertrauensvoll. Insofern tut es mir auch gut, durch Rollen andere Facetten erleben zu können.“ Es schimmert durchaus Persönliches in der Rolle durch: Ihre Figur Linett Wachow stammt aus Schwerin. Sie hat ihre Eigenheiten, kommt aber als ehrliche Haut gut klar mit den West-Kollegen. Privat redet sie gerne so, wie sie Fahrrad fährt: schnell, bisweilen atemlos, möglichst geradeaus.

Stefanie Stappenbeck ist erfrischend unprätentiös. Auf ihr Leben in der DDR blickt sie eher pragmatisch zurück. Weil eine ihrer zwei jüngeren Schwestern das Down-Syndrom hat, genoss die Familie das Privileg einer geräumigen Wohnung. „Wir waren ein Bücherhaushalt“, erinnert sie sich. Es sei ständig gelesen worden, selbst beim Essen. Nach der Wende ist sie damit beschäftigt, sich als junge Schauspielerin durchzusetzen: „In der DDR konnte ich nicht weg, und dann musste ich erst einmal mein eigenes Geld verdienen. Da blieb keine Zeit für Reisen. Das hole ich heute erst nach.“

Während eines Aufenthalts in New York lernte sie den Vater von Frieda kennen, den Schlagzeuger Christopher Farr. Das Paar ist seit 2018 getrennt, beide kümmern sich um die Erziehung der Tochter. New York habe ihr Leben in vielerlei Hinsicht bereichert, sagt die Schauspielerin: „Ich wollte nur fünf Tage bleiben. Daraus wurden dann zwei Monate, in denen ich diese unglaubliche Stadt ganz allein für mich erkundet habe. Dieses Erlebnis hat mich ungemein gestärkt.“

Wie ein hormonbeflügelter Teenager

In „Die Hochzeit“ stürzt sich Stefanie Stappenbecks Filmfigur mit dem Temperament eines hormonbeflügelten Teenagers in ein eher spätes Eheabenteuer. Im Vergleich zu Schweigers Film „Klassentreffen 2.0.“, dem Midlife-Crisis-Trip dreier Freunde, haben in der Fortsetzung „Die Hochzeit“ die Frauen der drei Kumpel deutlich mehr Spielraum – dem Film tun die scharfzüngigen Dialoge zwischen Stefanie Stappenbeck und ihren Kolleginnen Jeannette Hain und Katharina Schüttler gut. „Die heutige Frauen-Generation der 40- bis 50-Jährigen ist anders drauf“, sagt Stefanie Stappenbeck. „An ihnen kommt man nicht mehr vorbei. Deshalb werden nun auch im Kino andere Geschichten erzählt. Zum Glück.“

Sie schaut auf ihr Smartphone und unterbricht ihren Redefluss. Sie muss zur Kostümprobe. Stefanie Stappenbeck sitzt schon auf dem Fahrrad, als sie sagt: „Ich will irgendwann gerne einen eigenen Film realisieren. Irgendetwas lauert noch in mir und will raus. So wie ein versunkener Traum.“