Eine Museumslegende ist gestorben. Die Antonowa. Zwei Jahre vor ihrem Hundertsten, an Covid-19. Ihr Name stand ein Zeitalter lang für eine fast allwissende, unumschränkte und beinharte russische Museums-Zarin mit einer respektgebietenden Aura. Und mitunter wurde sie verehrt wie ein Popstar. So jubelte das Publikum, als sich die resolute und keineswegs humorlose Grande Dame – damals schon Mitte Achtzig – vom britischen Schauspieler Jeremy Irons auf einem chromblitzenden Kult-Motorrad zu einer Vernissage vorm Puschkin-Museum vorfahren ließ. Das Foto ging durch die russischen und britischen Zeitungen.

Irina Alexandrowna Antonowa, Jahrgang 1922, Krankenschwester im Großen Vaterländischen Krieg, Kunstkommissarin der Roten Armee, 1961 von Kreml-Chef Chruschtschow zur Puschkin-Museumsdirektorin benannt und zu ihrem 91. Geburtstag zur Präsidentin der Moskauer Kunst-Instanz berufen, war das, was man einen Mythos nennen darf. Sie hatte noch unter Stalin 1945 ihre Arbeit im Puschkin-Museum begonnen. Der Weg zum Kreml war über die Sowjetzeit hinweg kurz – und auch nach 1990 war ihr Einfluss immens. Sie galt als Putin-Vertraute. Museumspolitisch gab es in Russland wohl nichts, wonach man sie nicht um ihr Urteil ersucht hätte.

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