Absurder Humor: Sven van Thom (r.) und Martin Gottschild. 
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Berlin-MitteAuf der Leinwand im Frannz posiert eine Frau neben einer Fliegerbombe – die absurden Bilderklärungen zu Dias vom Trödelmarkt sind ein Markenzeichen der Action-Lesung „Tiere streicheln Menschen“. Martin „Gotti“ Gottschild verspricht einen „Abend der Versöhnung“. Doch kreist das Programm weder um Versöhnung noch um „Zwei Moorleichen auf Ibiza“ – so heißt das neue Programm. Ja, es gibt nicht mal eine witzige Erklärung für die Frau neben der Bombe – Erwartbares ist hier rar.

Zusammen mit seinem musikalischen Kompagnon Sven van Thom schlägt Martin Gottschild schon seit 20 Jahren eine Schneise des schnoddrig-absurden Humors durch das dichte Berliner Unterholz. Die beiden schafften es mit einer Popband namens Sofaplanet und dem Hit „Liebficken“ bis in die Bravo, mit Beatplanet reaktivierten sie den DDR-Beat der späten 60er-Jahre, bis sie in der Action-Lesung die passende Form fanden. Sven van Thom ist solo in der Bar jeder Vernunft zu erleben, Gottschild albert auf Radio Eins.

Martin Gottschild gibt den berlinernden Proll

Das Publikum gerät schnell in Stimmung, als Martin Gottschild sich als Fahrer eines SUVs mit Münchner Kennzeichen beschreibt, der im Prenzlauer Berg auf einem Radweg parkt. Während Gottschild gern den derb-berlinernden Proll gibt, steigt Sven van Thom in Anzüge mit Schlips. Wie er mit Gitarre, Looper, Sampler und Theremin seine eigenartigen Liebeslieder formt, das ist fast schon ein Genre für sich.

Sein irre zuckend dargebotener Liebes-Schlager „Wie ein Tritt in die Eier“ würde jeden TV-Abend mit Florian Silbereisen schmücken. Zu einem Rauchersong sampelt er heiseres Krächzen in HipHop-Manier. Paul Bokowski als Gast hat es schwer, gegen die beiden zu punkten. Sein Bericht über eine Odyssee mit der Bahn ist nicht besonders originell, und dass er Magdeburg mit langem „a“ ausspricht, lässt das Ostpublikum aufstöhnen.

Für den ausgefallenen Dia-Vortrag haben Gottschild und van Thom einen Ersatz parat. Seit zwei Monaten vertonen sie im Auftrag des RBB die historischen Sandmann-Filmchen neu – nächste Woche bringt der Sender anlässlich des 60. Sandmann-Geburtstags ja erstmals seit 1991 wieder neue Abenteuer. Und was Gottschild aus den alten Filmen macht, sorgt auch live für geballtes Gelächter. Mal kommt das Männchen mit dem Spitzbart auf einem Motorrad als „Hells Angel“ daher, mal flieht es im Ballon über die Grenze ins Schlaffenland Charlottenburg. In den anderthalb Minuten schafft man es gar nicht, alle Feinheiten zu erfassen. Wer sich die Videos im Netz ansieht, entdeckt darin immer Neues.

Tiere streicheln Menschen 19. 11., 21. 11., 27./28. 11. sowie 1./2. 12. im Frannz Club, am 20. 11. im Kino International