Als am Freitagmorgen in Kairo eine Autobombe explodierte, da konzentrierten sich die Ermittlungen und auch das Medieninteresse zunächst auf das Polizeihauptquartier. Kein Wunder, schließlich explodierte die Bombe direkt vor dem Eingang und die vier Toten waren Wachleute der Polizei. „Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich ist es schrecklich, was passiert ist. Dennoch: so ein Polizeihauptquartier kann man wieder aufbauen, aber das was hier kaputtgegangen ist, ist unersetzlich“, so Abdelrahim al-Hanafi.

Al-Hananfi ist Kurator des Islamischen Museum von Kairo. Es steht auf der anderen Straßenseite, genau gegenüber des Polizeigebäudes und die Wucht der Explosion hat alle Fensterscheiben des Gebäudes, alle Vitrinen und zahlreiche Objekte im Museum zerstört. „Die Angestellten des Museum sind sofort alle herbeigeeilt, um das Gebäude zu sichern, damit nicht womöglich auch noch geplündert wird. Wir haben sogar im Museum übernachtet“, so al-Hanafy.

Schnell begannen die Museumsleute mit der Bestandsaufnahme: „Zerstört wurden fast alle Glas- und Porzellanobjekte. Zum Teil handelt es sich um sehr seltene Stücke aus der Zeit der Mamluken, die im 13. Jahrhundert Kairo regierten“, sagt er. Manche der Holzteile, beispielsweise eine Gebetskanzel ebenfalls aus der Mamlukenzeit wurden stark beschädigt. „Die werden wir aber wohl renovieren können“, so der Kurator. Er leitet die Münz-Abteilung des Museums und in dem Ausstellungsraum, in dem die kostbaren Geldstücke ausgestellt waren, sind Kuratoren in weißen Kitteln immer noch damit beschäftigt, Scherben und Metallsplitter abzutragen: Durch die Explosion wurden die Münzen im ganzen Raum verstreut und noch wurden nicht alle gefunden.

Das islamische Museum in Kairo ist eines der größten und bekanntesten Museen für islamische Kunst weltweit. Mehr als 100000 Objekte stehen in den Magazinen. Davon waren zuletzt knapp 2000 in modernen Vitrinen ausgestellt. „Noch können wir den Schaden, den der Terroranschlag angerichtet hat, nicht genau beziffern. Wir arbeiten noch an der Liste der zerstörten Objekte“, so Antiquitätenminister Mohammed Ibrahim. Klar sei jedoch, dass erheblicher Schaden entstand und die zerstörten Objekte ein Verlust nicht nur für Ägypten sei, sondern das Kulturerbe der Menschheit ein Stück kleiner geworden ist. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Gruppe „Ansar Bait al Muqadis“.

„Unser Land geht durch eine schwierige Phase, aber wir versichern, dass wir uns nicht unterkriegen lassen werden“, so der Minister. Den Vorwurf, dass Ägypten seine Kulturgüter nicht ausreichend schütze, weist er zurück: „Solche Anschläge können in jedem Land passieren und wie kann man ein Museum schützen, wenn in unmittelbarer Nähe eine 500 Kilo-Bombe explodiert“. Außer dem Museum wurde auch die nahe gelegenen historische Bibliothek „Dar al Kutub“ sowie eine Moschee aus der Osmanenzeit beschädigt.